Wissen und Gesundheit
26.01.2015

Lungenkarzinom wird größtes Krebsproblem der Frauen

In diesem Jahre werden mehr an Lungenkrebs sterben, als an Brustkrebs.

In diesem Jahr dürfte das Lungenkarzinom in der EU erstmals das größte Krebsproblem der Frauen sein. Die Sterblichkeit daran wird jene durch Brustkrebs übersteigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von Carlo La Vecchia von der medizinischen Fakultät der Universität Mailand und seinen Co-Autoren im Fachmagazin "Annals of Oncology" veröffentlicht wurde. Insgesamt sinkt die Krebssterblichkeit.

Schon seit Jahren weisen Wissenschafter darauf hin, dass nur 15 Prozent der Lungenkarzinomerkrankungen derzeit geheilt werden können. "Bei Frauen nimmt die altersstandardisierte vorhergesagte Lungenkrebsmortalität seit 2009 um neun Prozent zu und erreicht 14,24 Todesopfer pro 100.000 Frauen und Jahr (2015; Anm.). Dem gegenüber wird die Mammakarzinom-Todesrate bei 14,22 pro 100.000 liegen und damit einen Rückgang um 10,2 Prozent seit 2009 aufweisen", heißt es in einer Aussendung des Fachmagazins.

Britinnen und Polinnen besonders betroffen

Die Entwicklung ist seit vielen Jahren durch das zunehmende und über Jahrzehnte hin wirkende Rauchen der Frauen vorprogrammiert. National die "treibende Kraft" sind die britischen Frauen (21 Lungenkarzinom-Todesfälle pro 100.000 und Jahr) und die Polinnen (17 Lungenkarzinom-Tote pro 100.000). "Die britischen und die polnischen Frauen haben (bis auf die Däninnen; Anm.) seit langem höhere Lungenkarzinomraten als in den meisten anderen europäischen Staaten registriert werden. Das liegt daran, dass die britischen Frauen schon im Zweiten Weltkrieg mit dem Rauchen anfingen, während das in den meisten anderen EU-Mitgliedsländern erst ab 1968 der Fall war", erklärte La Vecchia. Die Trends in Frankreich und Spanien seien bei den Frauen trotz niedriger Lungenkrebsmortalität negativ.

Eine gute Nachricht gibt es bei der Gesamtschau quer über die Krebserkrankungen hinweg: 2015 werden in den 28 Staaten der EU voraussichtlich 766.200 Männer und 592.900 Frauen an Krebs sterben. Das entspricht einer Mortalitätsrate von 138,4 pro 100.000 Männer und von 83,9 pro 100.000 Frauen. Bei den Männer dürfte diese Quote damit seit 2009 um 7,5 Prozent sinken, bei den Frauen um sechs Prozent. Im Vergleich zur historischen Spitze im Jahr 1988 bedeutet das bei den Männern einen Rückgang um 26 und bei den Frauen um 21 Prozent.

Für die Männer zeigt sich eine Reduktion der Mortalität durch Lungenkrebs seit 2009 um neun Prozent, bei Dickdarmkrebs um fünf und bei Prostatakrebs um zwölf Prozent. Unter den Frauen dürfte die Sterblichkeit durch Brustkrebs zwischen 2009 und 2015 um zehn Prozent und bei Dickdarmkrebs um neun Prozent zurückgehen. Bei beiden Geschlechtern machen offenbar Früherkennung und bessere Behandlung den Hauptteil an dieser positiven Entwicklung aus.

Rauchen als Ursache

90 Prozent der Lungenkrebserkrankungen sind mit dem Rauchen assoziiert. Laut einer neuen österreichischen Studie liegt die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten trotz aller Fortschritte der Medizin nur bei 16,4 Monaten. "Wir haben in Österreich pro Jahr 4.000 Lungenkrebserkrankungen. Bei den Männern haben wir einen kleinen Rückgang, bei den Frauen nimmt Zahl der Erkrankungen sehr stark zu", sagte der Wiener Lungenkarzinomspezialist Robert Pirker Ende November vergangenen Jahres.