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12/05/2011

"Krokodil": Gefährliche Droge aus Russland

In Deutschland ist eine neue, besonders zerstörerische Substanz aufgetaucht. Österreichische Experten sind alarmiert.

Der Name " Krokodil" klingt lustig. Doch die jetzt erstmals in Deutschland aufgetauchte Droge ist alles andere als das - im Gegenteil. In Russland 2002 erfunden, hat der billig gepanschte Heroinersatz schon Hunderte getötet. Die Mischung ist tatsächlich hochtoxisch: Aus Codein, Benzin, Phosphor und Schwermetallen wird eine braune Brühe gekocht, die dem starken Betäubungsmittel Desomorphin entspricht. Die Süchtigen injizieren sich "Krok" wie Heroin in die Venen. Rund um die Einstichstelle bilden sich zuerst grünliche Verfärbungen - daher der Krokodil-Bezug. Weitere typische Symptome: Geschwüre an Haut und Weichteilen. Solch schwere Schäden waren in der Vorwoche den Betreuern eines Drogencafés in Bochum aufgefallen.

Durch "Krok" verengen sich die Blutgefäße, ganze Körperteile verfaulen, der Organismus wird von innen "zerfressen". Spätestens nach ein bis zwei Jahren hält der Körper das Gift nicht mehr aus. Die Konsumenten sterben, meist an Leberversagen oder geplatzten Gefäßen.

Alarmiert

Auch wenn die Droge bisher nicht in Österreich aufgetaucht ist: Die Fälle in Deutschland alarmieren die heimischen Experten. "Man muss damit rechnen: Fast alles, was in Deutschland im Umlauf ist, gelangt auch zu uns", warnt Prim. Michael Musalek,
Leiter des Anton-Proksch-Instituts in Wien. Er sieht für Experimentierfreudige, die aber nie Heroin nehmen würden, ein Problem. "'Krokodil' klingt ja lustig."

Im Gesundheitsministerium stützt man sich auf die Feldbeobachtungen von Institutionen wie Drogenkoordinatoren und Polizei. "Wir schauen uns das laufend an, derzeit besteht kein Handlungsbedarf", heißt es. "Die Droge wurde noch nicht gesichtet, wir achten aber darauf", sagt Roman Hahslinger von der Kripo Wien.

Auch jene, die in den Jugend-Szenen unterwegs sind, halten die Augen nach "Krokodil" offen, etwa die Berater von ChEck iT! Bei den mobilen Drogenanalysen habe man es "noch nicht wahrgenommen", betont Leiterin Sonja Grabenhofer. Sie hält die Wahrscheinlichkeit, dass die Droge nach Österreich gelangt, für gering. "Krokodil wirkt wie Heroin, es gibt ein Gefühl der Wärme und wirkt dämpfend. Die Jugend sucht aber meist ein anderes Erlebnis: Es geht um Euphorie und Ausdauer. Das Ziel ist, möglichst lange tanzen zu können und sich dabei gut zu fühlen." Suchtexperte Univ.-Prof. Otto Lesch, MedUni Wien, sieht das ähnlich. "Etwas noch Stärkeres zu produzieren - das wird es immer geben. In Wirklichkeit sind unsere Hauptdrogen Alkohol und Tabak."

Modedrogen: Gefahr aus dem Internet

Kräutermischungen Seit dem Verbot vom Mai 2011 sind die Marihuana-ähnlichen Kräuter mit klingenden Namen wie "Spice" oder "Highdis Almdröhner" aus den Regalen verschwunden.

Crystal Meth Die "Todesdroge" aus Amerika ist in Tschechien stark verbreitet. In Österreich ist sie bisher kein Thema.

Aufputscher Das in der Szene als "Badesalz" bezeichnete Mephedron ist zwar seit August 2010 verboten, ähnliche Stoffe sind nach wie vor legal über das Internet bestellbar. Die Wirkung ist mit jener von Ecstasy vergleichbar. Die Risiken sind jedoch gravierender, da es keine medizinischen Erfahrungswerte mit diesen legalen Substanzen gibt.