© Martin Gerten, dpa

Mikrobiologen-Kongress
05/12/2014

Krankenhaus-Durchfall wird oft übersehen

Labortest kann zeigen, ob eine Clostridium-difficile-Infektion vorliegt.

Man muss ins Spital und fängt sich dort eine Krankheit ein: Clostridium-difficile-Infektion, kurz CDI, ist so eine typische Krankenhauskrankheit. Sie entsteht infolge einer Infektion der Darminnenwand mit dem Bakterium C. difficile. Das Bakterium produziert Giftstoffe, die zu einer Entzündung des Darms führen, zu Durchfall und in manchen Fällen zum Tod. Patienten entwickeln CDI in der Regel nach einer Behandlung mit Breitbandantibiotika, die die normale Darmflora zerstören und damit die ungehemmte Ausbreitung von C. difficile ermöglichen.

CDI ist die häufigste Ursache einer im Krankenhaus erworbenen Diarrhö in Industrieländern, das Risiko einer CDI ist bei älteren Patienten besonders hoch. Bis zu 25 Prozent der CDI-Patienten erleiden einen Rückfall innerhalb von 30 Tagen nach der Erstbehandlung mit gängigen Therapien.

CDI war nun auf dem 24. Europäischen Kongress für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten, der vom 10. bis 13. Mai in Barcelona stattfindet, ein großes Thema, schließlich wurde hier die bisher größte europäische Studie über CDI präsentiert. Daten von 482 europäischen Kliniken wurden dazu ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, dass an einem einzigen Tag durchschnittlich 109 Fälle von CDI aufgrund mangelnden Verdachts oder inadäquater Labortests übersehen werden. Jährlich sind das mehr als 39.000 unentdeckte Fälle.

Studie

Die Studienergebnisse zeigen eine Zunahme der CDI-Erkrankungen. Darüber hinaus geht aus den neuen Daten hervor, dass die Länder mit den höchsten Raten von Tests auf CDI die niedrigsten Raten dieses epidemischen C. difficile-Stamms hatten: „Länder mit einem ausgeprägteren Bewusstsein für CDI konnten aller Wahrscheinlichkeit nach Ausbrüche in Verbindung mit den virulentesten C. difficile-Stämmen durch eine verbesserte Früherkennung dieser Infektion reduzieren“, sagte Professor Mark Wilcox, Professor für medizinische Mikrobiologie an den Lehrkrankenhäusern und an der Universität von Leeds.

Weiteres Detail der Auswertung: Die aktuellen Richtlinien und Methoden der CDI-Diagnostik haben sich merklich in Richtung verbesserter Testverfahren und einer gezielteren Auswahl der Labormethoden verschoben. „In Leitlinien wird empfohlen, dass Krankenhäuser alle ungeformten Stuhlproben auf CDI testen, wenn die Ursache für die Diarrhö nicht bekannt ist“, meinte Professor Mark Wilcox. „CDI ist eine Erkrankung, die nicht nur beträchtliches Leiden bei den Patienten verursacht, sondern auch eine enorme wirtschaftliche Belastung für Krankenhäuser in ganz Europa darstellt. Diese Ergebnisse zeigen, dass es noch viel zu tun gibt, um das Management und die Prävention von CDI zu optimieren.“

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