Jeder vierte Österreicher stirbt an Krebs

Böse Zellen: Die Erstellung eines Gen-Profils des Tumors gewinnt an Bedeutung – dies ermöglicht es, den Krebs ganz gezielt anzugreifen
Foto: dapd

Jährlich sind rund 37.000 Österreicher mit der Diagnose konfrontiert - rund 20.000 sterben daran.

Als Krebspatient ist man in Österreich in guten Händen - im europäischen Vergleich hat man hierzulande sogar überdurchschnittlich hohe Überlebenschancen, zeigt eine aktuelle Vergleichsstudie im Fachjournal "The Lancet". Neben den osteuropäischen Ländern fällt vor allem Großbritannien mit schlechten Überlebensraten auf.

Rund 37.000 Menschen in Österreich sind jedes Jahr mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Für etwa 20.000 endet der Kampf gegen Krebs jährlich tödlich. Prostata-, Lungen- und Darmkrebs sind noch immer die häufigsten Krebsdiagnosen bei Männern. Bei den Frauen sind es Brust-, Darm- und Lungenkrebs. Auffällig ist jedoch der starke Anstieg von Lungenkrebs bei Frauen. Für Nadine Zielonke von der Statistik Austria ist dies auf die länger zurückliegende Veränderung des Rauchverhaltens zurückzuführen. "Die Rauchtrends von früher schlagen sich jetzt nieder."

Immer mehr Ältere

Grundsätzlich sieht Zielonke die Entwicklung der Zahlen jedoch positiv. "Sie nehmen nur zu, weil es immer mehr ältere Menschen gibt. Das geht Hand in Hand mit dem Rückgang von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Menschen werden alt genug, um Krebs zu bekommen."

Und sie überleben ihn auch immer öfter. So liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei einem Prostatakarzinom in Österreich bei 90,4 Prozent. Der Europadurchschnitt liegt bei 83,4 Prozent, Großbritannien erreicht  80,4 Prozent, Bulgarien gar nur 50,5 Prozent.
Durch Screening-Programme in den 2000er-Jahren wurden viele Prostatakarzinome in Österreich früh entdeckt – das zeigt sich in der Statistik. Die Zahl der Neuerkrankungen ist in den vergangenen zehn Jahren um 28 Prozent zurückgegangen.
Beim Brustkrebs-Screening, das derzeit in Österreich anläuft, erwartet Zielonke nicht solche dramatischen Sprünge. „Das Mammografie-Angebot wurde auch bisher gut genutzt also wird sich da nicht so viel tun.“
Stark rückläufig ist laut Zielonke die Zahl der Patienten mit Magenkrebs. Der Trend zeige sich generell in westlichen Nationen, da Lebensmittel besser gelagert werden. „Auch die Entdeckung des Helicobacter Pylori, ein Magenbakterium, hat stark dazu beigetragen, dass nicht mehr so viele Menschen an Magenkrebs erkranken.“
Die stetig wachsenden medizinischen Erkenntnisse und Fortschritte machen Hoffnung auf noch bessere Therapien und Überlebenschancen. So wird etwa im Grazer „BioNanoNet“ an maßgeschneiderten Nanopartikeln geforscht. Sie können leicht in Tumorgewebe eindringen und sollen sowohl Therapieoptionen als auch Diagnostik vorantreiben.

Neue Krebs-Datenbank

Selbst führenden Experten fällt es nicht immer leicht die neuesten Studienergebnisse im Auge zu behalten. „Im Jahr 2013 gab es weltweit 133.000 wissenschaftliche Publikationen zu Krebserkrankungen, 15 Jahre vorher war es etwa die Hälfte“, erklärt Hellmut Samonigg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Auf Onkopedia finden Ärzte, aber auch interessierte Patienten Leitlinien für die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen – stets auf Basis des neuesten Stands der Wissenschaft.
Entstanden ist Onkopedia als Gemeinschaftsprojekt der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie. „Die Webseite bündelt das gesammelte Wissen der führenden Experten aus dem gesamten deutschen Sprachraum.“ 350 Spezialisten haben mitgewirkt, davon 40 aus Österreich.

(APA/Kurier) Erstellt am
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