Wissen und Gesundheit
12.07.2016

Wie groß ist Problem mit Spitalskeimen wirklich?

Mit einfachen Maßnahmen lassen sich Infektionen senken.

Die Diskussion um Spitalsinfektionen ist neu aufgeflammt. Schätzungen zufolge sind Infektionen im Spital in Österreich jährlich für mehrere Tausend Todesfälle verantwortlich. Wie die Situation bei uns tatsächlich einzuschätzen ist erklärt Univ.-Prof. Ojan Assadian, Präsident der Österr. Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

KURIER: Muss man sich vor einem Spitalsbesuch wegen einer möglichen Infektion fürchten?

Ojan Assadian:Nein. Wir sind ja in Österreich grundsätzlich nicht schlecht. Rund fünf Prozent aller Patienten infizieren sich im Spital mit einem Erreger. Davon wiederum sterben weniger als fünf Prozent. Einige dieser Infektionen sind unvermeidlich – aber rund jede Dritte kann durch eine Vielzahl an Hygienemaßnahmen leicht verhindert werden. Da geschieht auf persönlicher Ebene der Hygienefachkräfte sehr viel. Aber es wäre noch mehr möglich.

Mit welchen Maßnahmen?

Etwa mit einer Veröffentlichung der Infektionszahlen. In der Schweiz etwa können Sie genau nachlesen, wie viele Hüften etwa pro Abteilung operiert werden und wie viele Infektionen dabei im Nachhinein auftreten.

Das Gegenargument lautet, dass das nicht vergleichbar ist, weil es in Akutspitälern mehr Komplikationen gibt.

Das ist klar, das kann man alles berücksichtigen und herausrechnen. Das wird in anderen Ländern ja auch gemacht. Eine Veröffentlichung der Daten hat auch nicht zur Folge, dass es jetzt zum großen Spitalstourismus der Patienten kommt – sondern dass Spitäler, die noch etwas Luft nach oben haben, einen Anreiz finden, an ihrer Situation etwas zu verbessern. Etwa durch vermehrte Schulungen des Spitalspersonals in Hygienemaßnahmen, wie der richtigen Händehygiene. Das sind Dinge, die immer wieder trainiert werden müssen.

Wie sieht die personelle Ausstattung mit Ärzten und Pflegefachkräften aus, die eine spezielle Hygieneausbildung haben?

Die personelle Ausstattung reicht nicht in allen Häusern aus, um die Vorgaben aus den Qualitätsleitlinien umsetzen zu können. Bei Pensionierungen von Hygienefachkräften kommt es oft nicht zu vollwertigen Nachbesetzungen. Viele ihrer Stellvertreter sind zwar am Papier für Hygienemaßnahmen zuständig, aber gleichzeitig mit anderen Aufgaben komplett eingedeckt – das sind dann wirklich nur Papierregelungen. Wobei trotz schlechterer Rahmenbedingungen – weniger Personal, mehr Patienten – die Infektionszahlen in den Spitälern dank des Engagements von Hygienteams in den vergangenen Jahren nicht gestiegen sind. Es wäre aber eine Senkung möglich. Und in den kommenden Jahren wird – angesichts steigender Probleme mit antibiotikaresistenten Erregern und weiteren Pensionierungen – das Problem nicht kleiner.

Was wären nächste Schritte?

Eine konkrete politische Zielvorgabe, zum Beispiel: "Wir wollen die Infektionen nach Operationen bis zum Jahr 2020 zum Beispiel um 50 Prozent reduzieren. Und dann muss alles getan werden, um das umsetzen zu können. In anderen Ländern – etwa England – gibt es das.