Wie man sich dem Traumjob annähert

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Foto: KURIER/Gilbert Novy

Im 15. Wiener Gemeindebezirk hilft eine Philosophin Migranten dabei, ihre Berufwünsche zu formulieren.

Was hat Philosophie mit Integration zu tun? Für Lisz Hirn sehr viel. Die Wienerin hat den Verein für praxisnahe Philosophie ins Leben gerufen. Die Idee: Nachdenken, Diskutieren und Reden hilft dabei, das Leben zu meistern - und zwar allen Menschen, egal welchen Alters, welcher Religion, Kultur oder welchen Bildungsstands.

… Foto: KURIER/Gilbert Novy Lisz Hirn

Ihr jüngstes Projekt heißt Trips4Tips. Junge und jung gebliebenen Menschen mit Migrationshintergrund sollen in der Märzgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk ihre beruflichen Träume finden und artikulieren. So wie zum Beispiel die 21-jährige Büsra. Sie mag Mode und sie liebt es, selbst Kleidung zu entwerfen. Weil sie nicht schneidern konnte, hat sie einen Nähkurs besucht. Oder zum Beispiel Nagihan, 19, die eine Ausbildung als pharmazeutische Assistentin absolviert hat, doch mit der Berufswahl nicht so ganz glücklich ist. Jetzt will sie sich neu orientieren.

Traumjob

Im Gespräch werden Berufswünsche definiert und die Schritte zum Traumjob genau angeschaut. Beim Durchdenken werden die Ziele präzisiert, zum Teil werden sie verändert oder verstärkt.

Weil für den Arbeitsalltag nicht nur intellektuelle oder handwerkliche Fähigkeiten nötig sind, sondern auch soziale Kompetenz, wird genau diese während des Workshops trainiert. Die 18-jährige Emine hat zum Beispiel von einem Kommunikationstraining profitiert: "Wie man im Bewerbungsgespräch höflich, aber doch selbstbewusst beim Gegenüber ankommt, muss man trainieren." Und noch etwas hat sie gelernt: "In der Kommunikation kommt es mehr darauf an, welche Beziehung man zum Gegenüber aufbauen kann, als darauf, welchen Inhalt das Gesagte hat."

Für die 40-jährige Özlem, die "Seniorin" unter den Teilnehmerinnen, war das Klettern im Park ein bleibendes Erlebnis. "Man hat ein Ziel vor Augen, lernt dabei aber auch seine eigenen Grenzen kennen. Das war eine wichtige Selbsterfahrung, die ich mir alleine nicht zugetraut hätte."

… Foto: Nikolai Friedrich Präsentation

Ganz schön modisch

Wer selbstbewusst ist und sich selber als jemand wahr nimmt, der etwas bewirken kann, der hat es im Leben und im Beruf leichter. Für Lisz Hirn ist ein Wege dorthin, dass die Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen anderen etwas präsentieren, was sie können: Sie sollten nicht nur Lernende, sondern auch Lehrende sein. Deshalb luden Trips4Tips-Teilnehmer Menschen aus der Nachbarschaft ein, um zu demonstrieren, wo ihr Talent liegt: Büsra zeigte zum Beispiel ihre Mode und Özlem unterrichtete Türkisch.

… Foto: Nikolai Friedrich Türkisch-Stunde

Was bleibt? Am Ende etwas mehr Selbstbewusstsein und der Wunsch, dass sich die Gruppe auch weiterhin noch trifft. Schließlich schweißt so eine Zeit zusammen.

(KURIER) Erstellt am
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