Erstmals in Österreich wurde ein Kunstherz erfolgreich eingesetzt.

© TILAK

Innsbruck
12/01/2014

Erstmals erfolgreich Kunstherz implantiert

Der 55-jährige Patient kann mit dem Kunstherz eine mehrjährige Wartezeit überbrücken.

von Laila Daneshmandi

Vor wenigen Wochen wäre es für den 55-jährigen Patienten noch unvorstellbar gewesen ein paar Stockwerke Stiegen zu steigen. Seit er sich an sein künstliches Herz in der Brust gewöhnt hat, schafft er das problemlos.

Dem Tiroler wurde Anfang September in der Innsbrucker Uni-Klinik in einer siebenstündigen Operation ein Total Artificial Heart eingesetzt. Dabei wird das komplette Herz entfernt und durch ein Kunstherz ersetzt. Das ist das erste Mal, dass dieser Eingriff in Österreich gelungen ist.
Bisher gab es hierzulande zwei solcher Operationen, in den Jahren 2008 und 2010 – doch beide Patienten verstarben wenig später. Der Herzchirurg Univ.-Prof. Herwig Antretter erklärt, warum: „Diese Patienten kommen in einem gesundheitlich sehr schlechten Zustand.“ Eine solche Operation sei der letzte Ausweg ihnen das Leben zu retten.

Bis zu 70 Prozent überleben den komplizierten Eingriff, der allerdings nur eine Zwischenlösung ist, betont Antretter. Weltweit wurden bisher knapp 1300 solcher Kunstherzen eingesetzt. Ein Patient ist sogar knapp vier Jahre an dem System gehangen – das Ziel ist jedoch, sobald wie möglich ein passendes Spenderherz zu finden. „Auch, wenn der Patient mit dem Kunstherz gut leben kann, braucht er Blutverdünnung. Er trägt einen Fremdkörper in sich mit Verbindungsschläuchen nach außen und das birgt wiederum Infektionsmöglichkeiten.“

Akkus aufladen

Das Überleben und die Lebensqualität sind zwar erheblich verbessert, doch das System besteht neben dem Kunstherz im Körper aus einem Druckluftantrieb außerhalb, der mit zwei Kunststoff-Schläuchen über den Bauch verbunden ist. „Die Pumpe im Kunstherz steuert den Blutfluss und funktioniert ähnlich wie ein Kolben im Motor.“ Die Energieversorgung läuft über externe Akkus, die der Patient nach spätestens drei Stunden aufladen muss.

Mithilfe dieser Akkus ist er mobil und kann fast alles machen. Antretter: „Er führt ein fast normales Leben. Er könnte Radfahren gehen und die Akkus im Rucksack mitnehmen. Nur Aktivitäten wie Schwimmen oder Tennis gehen nicht.“ Sind die Akkus leer, kann der Patient sie selbstständig auswechseln oder sich an die Steckdose hängen.

Im Gegensatz zum Kunstherz stehe man bei der Transplantation eines lebenden Organs viel mehr unter Zeitdruck. „Es muss innerhalb von vier Stunden eingesetzt werden und dazu braucht es viel Logistik. Eine geglückte Operation ist immer der Erfolg der guten Zusammenarbeit des gesamten Teams.“

„Weltweit wurden schon mehr als 120.000 Herztransplantationen durchgeführt und man hat trotzdem jedes Mal das Gefühl, dass es etwas Besonderes ist“, sagt der Herzchirurg, der den Eingriff selbst schon knapp 150 Mal durchgeführt hat. „Man wünscht sich jedes Mal, dass alles erfolgreich abläuft.“

Transplantationsliste

Der Tiroler Patient ist inzwischen in der Rehabilitation und kommt Anfang nächsten Jahres auf die Transplantationsliste. Antretter hofft, dass im Laufe des kommenden Jahres ein passendes Organ für ihn gefunden wird. „Dank des Kunstherzens könnte er auch eine mehrjährige Wartezeit überbrücken.“

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