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Horror-Clowns
10/13/2016

Warum sich Menschen vor Clowns fürchten

Seit in den USA Menschen in bunten Kostümen andere bedrohen, geht via Social Media die Angst um. Für Profi-Clowns ist das nicht lustig.

von Ute Brühl, Hedwig Derka

Das ist nicht lustig: Zuerst in den USA, mittlerweile auch in Großbritannien und Frankreich verkleiden sich Menschen als Clowns und erschrecken ihre Mitmenschen. In England sprang z. B. ein "Killerclown" aus dem Gebüsch und lief mit einem Messer in der Hand auf elfjährige Kinder zu. Über die sozialen Medien verbreiten sich solche Berichte in Windeseile. Allzu oft finden sich Nachahmer, die es witzig finden, andere in Angst und Schrecken zu versetzen. Die Fast-Food-Kette McDonald’s zieht aus diesem Grund ihr Maskottchen in den USA für einige Zeit weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Der rothaarige Clown solle vorerst nur ausgewählte Einsätze bei Veranstaltungen haben, berichten US-Medien.

Besorgt über diese Entwicklung sind echte Clowns, wie etwa Verena Vondrak, die im Wiener Theater Olé auftritt. "Angst zu verbreiten widerspricht dem Selbstverständnis eines Clowns. Mir macht es Freude, Menschen zum Lachen zu bringen." Deshalb engagiert sie sich bei den Cliniclowns.

Warum sich manche dennoch fürchten, erklärt sie so: "Eigentlich sind Clowns große Kinder, die wie ein offenes Buch sind, weil sie ihre Gefühle nicht verbergen können. Verstärkt wird dieser Eindruck durch ihre großen Augen, die sie wie große Kinder aussehen lassen. Wenn ein Clown die Maske so missbraucht, dass sie zu einer bloßen Fratze verkommt, bekommen Zuschauer Angst." Die Maske verbirgt jede Gefühlsregung.

Fratze statt Maske

Solche Furcht einflößenden Fratzen kennt man aus der Filmgeschichte: den "Joker" in Batman oder "Pennywise" im Film "Es" nach der Romanvorlage von Stephen King etwa. Jetzt springt der Bestsellerautor, der mit seiner Figur das Image der Clowns nicht gerade verbessert hat, für den Berufsstand auf Twitter in die Bresche: "Hey Leute, es ist Zeit, die Clown-Hysterie herunterzufahren – die meisten von ihnen sind gut darin, Kinder aufzuheitern und Leute zum Lachen zu bringen." Das Schöne: Lachen hat therapeutische Wirkung. Laut Viktor Frankl "ist Humor eine Waffe der Seele im Kampf um ihre Selbsterhaltung, denn er ist geeignet, Distanz zu schaffen und sich über die Situation zu stellen."

Doch Clowns sorgen nicht immer nur für Lacher: "Mir ist einmal eine Dame davongelaufen, die hatte eine Clownphobie", erzählt Alexander Stemer, bekannt als Zauberclown Lucky (www.clown-bestellen.at). Beim den Jüngsten bis vier Jahren fließen manchmal Tränen: "In den ersten zwei Minuten. Da könnte aber auch ein Zauberer hereinkommen. Das liegt am Kostüm, an der Angst vor dem Fremden." Schnell schlägt bei seinen Auftritten der Anfangsschreck in Begeisterung um. Denn Clowns, die ihr Metier verstehen, reagieren rasch auf die Zuschauer. Sie verfügen über eine vielgesichtige Mimik.

Bei den Cliniclowns gibt es keine Maske mehr, sondern nur noch eine rote Nase. Martin Kotal, künstlerischer Leiter der "Roten Nasen" führt Coulrophobie – so die wissenschaftliche Bezeichnung für die Clownphobie – auf die Horrorclowns zurück, die immer wieder durch die Medien geistern. Das sieht die Psychologin Daniela Renn aus Tirol genauso: "Die meisten Menschen wachsen so auf, dass sie Clowns als etwas Positives sehen und ihnen vertrauen. Deshalb ist es besonders schlimm, wenn sie sich als nicht vertrauenswürdig erweisen." Wohl deshalb haben die Briten jetzt das Wort "Clownpocalypse" kreiert. Die Boulevardzeitung The Sun widmete am Dienstag ihre Titelseite dem "Clown-Terror". Da wurde ein 18-Jähriger in Wales laut Polizei wegen einer Clown-Attacke mit einer Geldstrafe belegt. Man hofft, dass das Nachahmungstäter abschreckt – im Königreich ist Erschrecken nämlich eine Straftat.

... sich die Figur des Clowns aus den Dienerrollen der Commedia dell’arte entwickelte? Die Zanni des 16. Jahrhunderts gehen ihrerseits auf Figuren in der griechischen und römischen Komödie zurück.

... der Begriff Clown aus dem Englischen übernommen wurde? Dort stand er im 16. Jahrhundert für "Bauerntölpel". Clowns traten als Pausenfüller in Bühnenstücken auf. Die Nachfolger erschienen als Harlekin, Hanswurst, als Pedroline bzw. Pierrot und der dumme August.

... Clowns die Manegen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eroberten? Zunächst traten sie mit Pferd in komischen Szenen auf. Später spezialisierten sich Zirkusclowns auf Pantomime. Heute präsentieren sie vor allem absurde Situationen.

... es bei den modernen Clowns zwei große Charaktere gibt? Die Weißclowns tun auf seriös und intelligent und spielen autoritäre Chefs. Die Rotclowns sind der dumme August. Sie sind als tollpatschige, warmherzige Sympathieträger meist Gegenspieler der Weißclowns.

... die bösen Clowns verstärkt seit Mitte der 1980er-Jahre in der Populärkultur Schrecken verbreiten? Stephen King setzte mit seinem Roman "Es" dazu einen Meilenstein.

... Horror-Clowns in zahlreichen Filmen eine Rolle spielen? In "Clown" aus dem Jahr 2014 findet ein Vater ein verfluchtes Clown-Kostüm. In "Stitches" aus 2012 nimmt Ross Noble als böser Clown Rache. Auch der Joker, Erzfeind von Batman, gilt als böser Clown.

... die krankhafte Angst vor Clowns Coulrophobie genannt wird? Kinder fürchten sich vor dem unbekannten Aussehen und Auftreten der Clowns. Bei Erwachsenen verursachen das geschminkte Gesicht, das schräge Kostüm und das Verhalten abseits der üblichen sozialen Normen Unbehagen.

... böse Clowns nicht nur fiktive sind, sondern auch durch das reale Leben geistern? Immer wieder tauchen Augenzeugen- und Medienberichte über mysteriöse Clowns auf, die Kinder in den Wald locken, Menschen überfallen oder mit dem Messer bedrohen.

... der "Killer Clown" genannte Serienmörder John Wayne Gacy 1994 in den USA hingerichtet wurde? Er nötigte und ermordete 33 Jugendliche und versteckte die Leichen unter seinem Haus. Ehrenamtlich engagierte er sich als Clowndoktor "Pogo".

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