Wissen und Gesundheit
29.04.2017

Rebecca Sharrock erinnert sich an jeden Tag ihres Lebens

Die außergewöhnliche Begabung der Australierin hat aber nicht nur Vorteile.

Was ist Ihre erste Erinnerung? Kerzen ausblasen beim dritten Geburtstag? Ein Fest im Kindergarten? Oder das erste Mal Fahrradfahren im Park? Darüber kann Rebecca Sharrock aus Brisbane, Australien, nur lachen. Das Erinnerungsvermögen der 27-Jährigen reicht viel weiter zurück - genauer gesagt bis zu ihrem 12. Lebenstag. "Meine Eltern trugen mich zum Fahrersitz des Autos und setzten mich hin, um ein Foto zu machen", schreibt die junge Frau in einem Beitrag für das Internetportal OMNI Media.

Seither erinnere sie sich an jeden einzelnen Tag ihres Lebens - was sie gemacht hat, welche Kleidung sie trug, wie das Wetter war. Sie erinnert sich an das kratzige Satinkleid, in das sie ihre Mutter an ihrem ersten Geburtstag gesteckt hatte. Und an die Minnie Mouse, die sie an diesem Tag geschenkt bekam. Außerdem kann Rebecca, ein großer Hogwarts-Fan, nach eigenen Angaben alle sieben Harry-Potter-Bücher rezitieren.

Die junge Australierin ist eine von ca. 80 Personen weltweit mit dem so genannten hyperthymestischen Syndrom (HSAM, Highly Superior Autobiographical Memory), bei dem das episodische Gedächtnis außergewöhnlich stark entwickelt ist. Betroffene können jeden Tag ihres Lebens genau nachzeichnen und erinnern sich an jedes Detail. Fluch und Segen, weiß Rebecca: Aufgrund ihrer seltenen Fähigkeit verbringt sie viel Zeit damit, über die Vergangenheit nachzudenken, inklusive aller Emotionen, die sie durchlebt hat, wie etwa Schmerz oder Trauer. Abends im Bett kommen so viele Erinnerungen hoch, dass Rebecca meist nur mit Musik oder Licht einschlafen kann.

Einige kennen das Syndrom vielleicht aus der US-Krimiserie "Unforgettable", in der sich Chefermittlerin Carrie Wells an alles erinnern kann, das sie je gesehen hat, und so ihre Fälle löst.

Rebecca Sharrock wusste lange Zeit nichts von HSAM. In der Pubertät führten Ärzte das außergewöhnliche Erinnerungsvermögen auf ihren Autismus zurück. Erst Jahre später, mit 21, sah Rebecca eine Fernseh-Doku über das hyperthymestische Syndrom und stellte viele Gemeinsamkeiten fest. Aktuell hält sie Vorträge und schreibt an ihrer Autobiografie. Ihr Herz hängt an der Alzheimerforschung, für die sie an verschiedenen wissenschaftlichen Studien teilnimmt: "Es gibt noch so viel, das wir über das menschliche Gehirn herausfinden müssen."