Wissen und Gesundheit
22.01.2015

Fünf Jahre „Pille“ verdoppelt Risiko für Hirntumor

Weibliche Sexualhormone in Verhütungsmitteln könnten das Risiko für manche Krebsarten erhöhen.

Forscher des Odense University Hospital und der University of Southern Denmark lassen mit einem Studienergebnis aufhorchen: Frauen, die die Pille, insbesondere die Micro-Pille, zumindest fünf Jahre nehmen, haben ein doppelt so hohes Risiko einen Gehirntumor zu entwickeln, wie Frauen, die das nicht tun. Die Forscher gehen davon aus, dass hormonelle Verhütung, insbesondere Methoden, bei denen nur das Geschlechtshormon Progesteron zum Einsatz kommt, das Risiko für bestimmte Hirntumore, sogenannte Gliome, erhöht. Diese seltene Krebsart betrifft etwa fünf von 100.000 Menschen.

Untersucht wurden rund 300 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren, die zwischen 2000 und 2009 einen solchen Hirntumor entwickelten. Frauen, die mittels Progesteron verhüteten, hatten ein 2,4 Mal höheres Risiko für einen Gehirntumor als Frauen einer Kontrollgruppe. Für andere hormonelle Verhütungsmethoden wie Pflaster und Dreimonatsspritze stellten die Forscher ebenfalls ein erhöhtes Risiko fest – dieses war jedoch niedriger als bei reinen Progesteron-Methoden.

Keine Panik

„Es ist wichtig, diesen offensichtlichen Anstieg des Risikos im Kontext zu betrachten. In der Population der Frauen im gebärfähigen Alter, inklusive jener, die hormonell verhüten, entwickeln jährlich fünf von 100.000 ein Gliom“, schreibt Studienautor David Gaist. Gliome seien sehr selten, sodass auch das verdoppelte Risiko immer noch gering ist. Die Forscher hätten zwar einen statistisch signifikanten Zusammenhang gefunden, allerdings würde eine Nutzen-Risiko-Bewertung zeigen, dass hormonelle Verhütungsmittel verwendet werden könnten. Panikmache ist demnach nicht angebracht.

Hormonelle Verhütungsmethoden, die nicht nur die Pille, sondern beispielsweise auch Pflaster und Dreimonatsspritzen umfassen, enthalten weibliche Sexualhormone. Diese aktivieren im Wesentlichen körpereigene Verhütungsmaßnahmen, die normalerweise einsetzen, wenn eine Frau schwanger ist.

Über die Ursachen von Gliomen und anderen Hirntumoren ist bisher wenig bekannt, allerdings gibt es bereits frühere Hinweise, dass weibliche Sexualhormone das Risiko für manche Krebsarten erhöhen können. Die Studie wurde im British Journal of Clinical Pharmacology veröffentlicht.