ARCHIV - ILLUSTRATION - Bunte Pillen und Tabletten liegen am 08.02.2013 in Dresden (Sachsen) auf einem Tisch. Angesichts von Kritik am Einfluss der Pharmaindustrie auf Entscheidungen von €rzten soll es neue gesetzliche Regeln und eine Selbstverpflichtung der Branche geben. Foto: Matthias Hiekel (zu dpa ÇNeue Regeln sollen gegen zuviel Pharma-Einfluss auf €rzte helfenÈ vom 24.06.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++

© dpa-Zentralbild/Matthias Hiekel

Menopause
04/28/2016

Hormonersatztherapie: So niedrig dosiert wie möglich

Erst gehypt, dann verdammt: Neuer Konsens zur Hormonersatztherapie für Frauen nach der Menopause.

Der „Hype“ rund um den angeblichen „Jungbrunnen“ der Hormonersatztherapie nach der Menopause ist nach kritischen wissenschaftlichen Studien vor einigen Jahren abgeflaut. Für einen restriktiven Einsatz der Präparate gibt es jetzt ein Konsensusstatement zweier österreichischer ärztlichen Fachgesellschaften. Sie wurden am Donnerstag bei einer Pressekonferenz präsentiert.

Mehr als zehn Jahre lang war die Hormonsubstitution nach der Menopause vor allem von Gynäkologen mit immer neuen positiven Verheißungen angepriesen worden. Dann stellten sich in klinischen Studien deutliche Hinweise auf ein erhöhtes Krebs- und Herz-Kreislauf-Risiko ein.
„In den letzten Jahren wurde eine Reihe von weiteren Studien durchgeführt, die diese Ergebnisse jedoch relativieren“, hieß es bei der Pressekonferenz. Ein Konsensusbericht der Österreichischen Menopausegesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Sterilität, Fertilität und Endokrinologie soll den aktuellen Status zusammenfassen. Speziell Vertreter der Menopausegesellschaft haben allerdings über Jahre hinweg die Hormonsubstitution für Frauen im Wechsel propagiert.

Anpassung an die individuelle Situation

„Die MHT stellt nach wie vor die wirksamste Methode zur Behandlung klimakterischer Beschwerden dar“, stellte Hans Christian Egarter von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien fest. „Sie muss dabei an die individuelle Situation der Patientin angepasst werden: Sie sollte, solange die Beschwerden andauern, mit der individuell niedrigstmöglichen effektiven Hormon-Dosis durchgeführt werden.“ Der Anwendung der MHT müsse dabei die Erstellung eines individuellen Risikoprofils mit klarer Indikationsstellung vorangehen. Ferner sollten Lebensstilanpassungen (Nikotinabsenz, Gewichtsregulation, Bewegung etc.) und regelmäßige fachärztliche Kontrollen die MHT begleiten. Egarter fasste zusammen: „Wir können heute sagen, dass bei strenger Indikationsstellung (strikte Anwendung nur im wirklichen Bedarfsfall; Anm.) und der Berücksichtigung individueller Faktoren der Nutzen der differenzierten MHT die Risiken bei Frauen, die unter Wechselbeschwerden leiden, überwiegt. Und zwar dann, wenn die MHT vor dem 60. Lebensjahr bzw. innerhalb von zehn Jahren nach dem Eintreten in die Menopause zum Einsatz kommt.“ Nicht wegzuleugnen sei ein eventuell erhöhtes Brustkrebsrisiko bei kombinierte Hormonersatztherapie (Östrogene/Gestagene).

Erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs

Die Diskussionen rund um die Hormonersatztherapie sind allerdings noch nicht beendet. Vor einem Jahr erschien in der britischen Fachzeitschrift „The Lancet“ eine große Metaanalyse des britischen Epidemiologie-Pioniers Sir Richard Peto. „Bei Frauen, die ab dem Alter von 50 Jahren fünf Jahre lang eine Hormonersatztherapie einnehmen, gibt es pro 1.000 Personen eine zusätzliche Ovarialkarzinom-Erkrankung mehr. Ebenso gibt es einen Ovarialkarzinom-Todesfall mehr pro 1.700 Benutzerinnen der Hormonersatztherapie“, stellte der Experte fest. Die Wissenschafter hatten 52 bereits vorhandene wissenschaftliche Untersuchungen mit 21.488 Ovarialkarzinom-Patientinnen einer neuerlichen Analyse unterzogen. Dabei zeigte sich eine Korrelation zwischen Hormonsubstitution und dem Auftreten der häufigsten Formen dieser tückischen Krebserkrankung: Auch wenn Frauen den Hormonersatz nur wenige Jahre verwendeten, um ihre Wechselbeschwerden zu unterdrücken, zeigte sich ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko für Ovarialkarzinome. Den Effekt gab es sowohl bei der Benutzung einer Hormonsubstitution allein mit Östrogen als auch bei der Verwendung von Östrogen-Gestagen-Kombinationen. Ovarialkarzinom-Erkrankungen sind oft schlecht behandelbar, werden häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Die Todesrate ist hoch.

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