Wissen und Gesundheit
02.02.2012

Hoffnung bei Alzheimer

Der Fußball-Macho Rudi Assauer schockt mit seiner Alzheimer-Diagnose. Studien mit Impfstoffen geben Zuversicht.

Rudi Assauer (67) kennt man für seine Liebe zu Zigarren, Bier und schönen Frauen. Nicht umsonst gilt der ehemalige Manager des Fußballklubs Schalke04 als größter Macho der deutschen Bundesliga. Mit seiner Autobiografie „Wie ausgewechselt“ schockt er nun seine Nation. Er bekennt sich öffentlich zu seiner Alzheimer-Erkrankung.

„Ich habe eines Tages gemerkt, dass der Kopf in manchen Situationen nicht so wollte, wie ich wollte. Als wäre da oben eine Tür zu, zack – einfach geschlossen.“ In berührenden Worten beschreibt Assauer, wie es nach seiner Mutter und seinem Bruder auch ihn „erwischt“ hat: „Da ist dieses Schamgefühl. Wenn es eine Sache in der Welt gibt, vor der ich immer Angst hatte, so richtig gut Schiss auf Deutsch, dann Alzheimer.“ Und wie er heute mit der Krankheit umgeht: „Wie pervers! Ich darf nicht vergessen, meine Tabletten gegen das Vergessen zu nehmen. Da wirst du ganz kirre im Kopf.“

Auch, wenn es noch immer keine Impfung gegen Alzheimer gibt, bleibt die Hoffnung auf ein Heilmittel aufrecht. „Derzeit sind nur symptomatische Therapien zugelassen“, erklärt Univ.-Prof. Peter Dal-Bianco, der die Spezialambulanz für Gedächtnisstörungen an der Universitätsklinik für Neurologie in Wien leitet. Das Fortschreiten der Symptome kann dadurch um etwa ein Jahr verzögert werden.

Allerdings gibt es derzeit mehrere Impfstudien in fortgeschrittener Phase: „Bei der passiven Therapie werden Antikörper injiziert, die die krankmachenden Eiweißfädchen aus dem Hirngewebe entfernen“, erklärt Dal-Bianco. Bei der aktiven Therapie werde der Körper dazu gebracht, diese Antikörper selbst zu bilden. „Beide Ansätze setzen früher an als die bisherigen Therapien, aber sie können den Verlauf der Krankheit auch nicht stoppen, sondern nur bremsen.“

Wie wirksam die Impfungen tatsächlich sind, wird sich noch weisen. „Das ist Zukunftsmusik. Die Beobachtungszeit bei einer so langsam fortschreitenden Krankheit muss dementsprechend lang sein“, sagt Dal-Bianco. Sollten die derzeit laufenden Studien positive Ergebnisse liefern, würde es fünf Jahre dauern, bis ein Medikament für jeden Betroffenen erhältlich ist.

Risikofaktoren

Was allerdings jeder Einzelne als Vorsorge tun kann, ist, seine Risikofaktoren zu minimieren. Das verhindert zwar nicht den Ausbruch einer Alzheimer-Erkrankung, aber es kann ihren Verlauf beeinträchtigen. In umfassenden Studien wurden folgende sieben Risikofaktoren identifiziert: Bewegungsmangel, Diabetes mellitus Typ II, Bluthochdruck, Übergewicht, Zigarettenrauchen und Depression. Außerdem soll das Demenzrisiko bei Personen mit geringer Ausbildung bzw. mangelnder geistiger Aktivität um etwa 85 Prozent erhöht sein.

Dal-Bianco betont außerdem die Bedeutung der Früherkennung – erste Symptome treten in der Regel ab 60 Jahren auf: „Jeder weiß für sich selbst, wie es mit der Vergesslichkeit vor ein, zwei Jahren im Vergleich zu jetzt war (siehe auch Grafik). Symptome werden aus Scham gerne vertuscht.“

Angehörige, die einen Verdacht haben, sollten Betroffene zu einem Gedächtnis-Screening schicken. Laut Dal-Bianco ist die Vergesslichkeit in vielen Fällen gar nicht auf Alzheimer oder Demenz zurückzuführen: „Es gibt viele andere Ursachen, wie Schilddrüsenprobleme oder eine Depression.“

Info: Wo es Hilfe und Beratung gibt

Zahlen Schätzungen zufolge leben in Österreich derzeit rund 130.000 Menschen mit einer Demenz-Erkrankung – die meisten davon leiden unter Alzheimer. Die Zahlen könnten sich bis 2050 aufgrund des steigenden Durchschnittsalters verdoppeln. Bei Alzheimer kommt es im Gehirn zur Aggregation (Zusammenballung) schädlicher Formen bestimmter Eiweiß-Bruchstücke. Dadurch werden Nervenzellen zerstört.

Stellen In Österreich gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen für Alzheimer-Betroffene und deren Angehörige. Eine umfassende Liste findet man auf der Homepage von „Alzheimer Angehörige Austria“ unter www.alzheimer-selbsthilfe.at (01/332 51 66).

Unterstützung gibt es auch beim Pflegetelefon des Sozialministeriums (0800 20 16 22) und beim Fonds Soziales Wien (01/24 5 24).