Frauenherzen leiden still

Bildnummer: 18659194 © Bild: JAN37 - FOTOLIA 18659194/jan37/Fotolia

Expertin: Gefäßkrankheiten werden viel später als bei Männern erkannt.

Frauenherzen leiden unerkannt: „Krankheiten werden oft später erkannt als bei Männern – und nicht ausreichend behandelt“, warnt Univ.-Prof. Alexandra Kautzky-Willer, Leiterin der Gender Medicine Unit, MedUni Wien:

– Das Risiko für Herzinfarkt ist bei rauchenden Frauen um 25 Prozent höher als bei rauchenden Männern.

– Frauen sind doppelt so oft von Depressionen (ein Risikofaktor für Herzkrankheiten) betroffen wie Männer. Und nach einem Infarkt steigt ihr Risiko zusätzlich an.

– Frühe erste Regelblutung, früher Wechsel, unregelmäßiger Zyklus, Schwangerschaftsdiabetes: „Es zeigt sich zunehmend, dass viele Faktoren rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Zyklus Hinweise auf ein später erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen liefern.“

46-54191290.jpg
© Bild: KURIER

– In einer Studie wurden Frauen und Männer, bei denen nach Herzinfarkt ein Typ-2-Diabetes neu entdeckt wurde, drei Jahre lange nachbeobachtet. „Danach lebten deutlich mehr Männer als Frauen in dieser Gruppe – bei Frauen war nämlich die Sterblichkeit fast gleich groß wie bei bereits lange bekanntem Diabetes und selbst im Diabetes-Vorstadium höher als wenn keine Stoffwechselstörung vorlag“, sagt Kautzky-Willer. „Wahrscheinlich wird Diabetes bei Frauen erst in einem späteren Stadium als bei Männern entdeckt.“ Ihr Nüchternblutzucker – der gebräuchlichste Test – ist oft noch im Normalbereich, obwohl sie schon einen gestörten Zuckerstoffwechsel haben: „Das heißt, man müsste bei Frauen mit Risikofaktoren wie Übergewicht, erhöhten Blutfetten oder Bluthochdruck viel früher weiterführende Tests – etwa Blutzuckerbestimmung nach den Mahlzeiten oder einen Zuckerbelastungstest – durchführen.“

– Die Zahl der Todesfälle nach einem Infarkt ist bei Frauen deutlich größer als bei Männern (siehe Grafik) – weil sie häufiger älter sind, mehr Zusatzerkrankungen haben, aber auch deutlich später ins Spital kommen: „Hat der Mann einen Infarkt, ruft die Frau die Rettung. Hat sie selbst Beschwerden, denkt sie sich, es ist eh nicht so schlimm und wartet zu.“

– „Bei Frauen wird aber auch seltener eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt und sie erhalten weniger Medikamente. Wahrscheinlich wird das Risiko bei Frauen geringer eingeschätzt – auch, weil sie seltener die klassischen Symptome wie heftigen Brustschmerz haben, sondern unspezifischere wie Übelkeit, Abgeschlagenheit.“

herzfit.jpg
© Bild: KURIER

– Neue Studien zeigen, dass es bei Frauen mit Herzgefäßerkrankung viel seltener ein großes Gefäß mit signifikanter Einengung (Stenose) gibt, das wieder aufgedehnt und mit einem Stent (Gefäßstütze) stabilisiert werden kann. „Bei Frauen sind häufiger zahlreiche kleine Gefäße von Zirkulationsstörungen betroffen. „Das führt aber genauso zu Minderdurchblutung, Beschwerden und schließlich zu Funktionsverlust von Herzgewebe. Weil man da nichts Aufdehnen oder gar einen Bypass legen kann, ist ausreichende medikamentöse Therapie der Herzkrankheit umso wichtiger – und v.a. auch aller Risikofaktoren einschließlich Bewegungsmangel lange davor, damit es überhaupt nicht so weit kommt.“

Eine Million sind fettleibig, viel Wurst erhöht Sterberisiko

27,6 % der Österreicher sind zu dick, 12,2 Prozent sogar fettleibig. Wie der Ernährungsbericht 2012 zeigt, sind besonders Männer betroffen: Mehr als ein Drittel (37,4 %) ist übergewichtig, 14,9 % sind adipös. Bei den Frauen sind die Zahlen zwar geringer, dennoch alarmierend: 17,9% Übergewichtige, 9,7 % Adipöse. Diese Daten wurden auf dem Kongress der Diätologen Österreichs diskutiert.

Wer täglich mehr als 40 g verarbeitetes Fleisch isst, riskiert einen früheren Tod durch Herz-Kreislauf-Leiden oder Krebs, so eine Studie der Uni Zürich. Mögliche Ursachen: Krebserregende Substanzen, die beim Salzen, Pökeln, Räuchern entstehen, der hohe Gehalt an Cholesterin und gesättigten Fetten.

Erstellt am 08.03.2013