Wissen und Gesundheit
31.07.2017

Hitzefalle Auto: Wiener Forscher entwickeln Vorhersagemodell

Temperatur, Sonnenstrahlung, Wind: Hitze im Auto mit nur drei Parametern vorhersagbar.

In heißen Monaten passieren immer wieder tragische Zwischenfälle, wenn Kinder oder Hunde in parkenden Autos zurückgelassen werden. In den USA sterben etwa 40 Kinder pro Jahr in überhitzten Fahrzeugen, für Europa gibt es noch keine statistische Erfassung. Wissenschaftliche Studien warnten bereits davor, dass sich die Temperatur in geschlossenen Autos sehr schnell erhöhen kann. Die Ergebnisse von Forschern der Vetmeduni Vienna bestätigten diese Daten.

„Wir sprechen nicht von Stunden, sondern von Minuten“, so Studienleiter Günther Schauberger von der Arbeitsgruppe Umweltgesundheit der Abteilung für Physiologie und Biophysik. In weniger als 30 Minuten erreicht die Temperatur in einem geschlossenen Auto einen kritischen Punkt. Ab dann wird es in einem parkenden Auto im Sommer lebensbedrohlich. Nach einer Stunde besteht akute Lebensgefahr.

Berechnung der Gefahr möglich

Das Forschungsteam um Schauberger zeigte auch, dass der Temperaturanstieg in einem Auto mit einem dynamischen Modell berechnet werden kann, die lediglich drei Parameter braucht. „Wir testeten, welche Parameter ausschlaggebend sind, damit die Berechnung zu den gemessenen Werten passt.“ Letztlich blieben drei Faktoren über, die man jederzeit von meteorologischen Webseiten beziehen kann. Neben der Windgeschwindigkeit war es die Außentemperatur und vor allem der Strahlungsintensität der Sonne. Die Sonnenstrahlung dringt durch die Glasscheiben geparkter Autos und trifft auf die Oberflächen im Innenraum. Die Oberflächentemperaturen erreichen oftmals mehr als 60°C. Dort wird die Strahlung in Wärme umgewandelt und die Flächen erwärmen stetig die Luft im Innenraum. Aus einem geschlossenen Auto kann die Wärmestrahlung nicht mehr entweichen. Damit steigt die Temperatur sehr schnell innerhalb der ersten fünfzehn Minuten an.

Der Innenraum heizt sich somit in kurzer Zeit stetig auf und wird gewissermaßen zur Sauna. „Diese soll man ebenfalls nur zehn Minuten besuchen um Herz-Kreislaufproblemen vorzubeugen. Ein längeres Verweilen im Auto ist deshalb meistens mit einem Hitzeschlag verbunden, der zum Tod führen kann“, so Schauberger.

Geöffnetes Fenster reicht nicht aus

Ein Fensterspalt oder auch ein geöffnetes Fenster kann diesen Wärmeaufbau nicht kompensieren. Der Luftaustausch durch einen Spalt oder ein halb offenes Fenster ist zu gering. „Bei Autos ohne Klimaanlagen musste man früher sehr lange warten und alle Türen weit öffnen, bis sich die Temperatur halbwegs reduziert hat“, erklärt Schauberger. Moderne Autofarben oder speziell beschichtete Scheiben sollen dem Effekt der Sonnenstrahlung entgegenwirken. Das Team testete deshalb verschiedene Lackierungen, sowie Autos mit offenen und geschlossenen Fenstern. Bestimmte Scheibenarten oder auch helle Lacke, sowie offene Fenster reduzierten zwar die Höchsttemperatur, der Hitzestau im Auto kann damit aber laut Messung und Berechnung nicht verhindert werden.

Formel kann als App und für die Forensik nützlich sein

Dass lediglich drei Parameter notwendig sind, um den Temperaturanstieg in einem geschlossenen und geparkten Fahrzeug vorherzusagen, unterscheidet den Ansatz von Schaubergers Team von anderen Ergebnissen. „Wir suchten nach einer einfachen und vor allem anwendbaren Lösung für die Berechnung des Temperaturanstiegs in einem geparkten Auto. Die Berechnungen mit dem Fokus auf die drei Parameter zeigten genau wie die Messergebnisse, dass die Temperatur in einem geparkten Wagen von Beginn an kontinuierlich steigt, bis sie einen gleichbleibenden Maximalwert erreicht.“

Das Modell könnte als App zukünftig helfen auf die Gefahr hinzuweisen, dass man Kinder und Hunde nicht im Auto lassen sollte, selbst bei einem geöffneten Fenster. Das Gleiche gilt für den Transport von Medikamenten und elektronischen Geräten, die zumeist temperatursensitiv sind und entsprechende Kühlung brauchen. Die Kopplung dieses Modells mit der Thermoregulation für Kleinkinder und Tiere ermöglicht die Körpertemperatur vorherzusagen. Damit läßt sich das Auftreten eines Hitzeschlags nachweisen. Dies ist besonders für die Forensik in Strafverfahren erforderlich.

Bis zu 37 Grad: Nächste Hitzewelle steht bevor

Die zum Teil sehr nasse und verhältnismäßig kühle Wetterphase geht laut UBIMET in den nächsten Tagen nahtlos in den Sommer über: Die Temperaturen steigen deutlich an und auch die Sonne zeigt sich wieder öfter. Ganz beständig ist es allerdings nicht, speziell in den Alpen muss man mit einigen Regenschauern und Gewittern rechnen. Bis zum Sonntag legen die Temperaturen immer weiter zu, die vierte Hitzewelle beginnt. Große Hitze kündigt sich für den Beginn der kommenden Woche an. Der Dienstag könnte mit Höchstwerten von bis zu 37 Grad sogar des heißeste Tag des Sommers werden.

Beachtliche Regenmengen

Seit Dienstag ist neuerlich viel Regen zusammengekommen, diesmal war der Schwerpunkt die Alpennordseite vom Bregenzerwald und Arlberg bis ins Salzkammergut. So regnete es etwa in Tannheim im Tiroler Außerfern 117 Liter pro Quadratmeter."Seit Montag fielen hier gar 157 Liter, fast so viel wie sonst in einem durchschnittlichen Juli", sagt UBIMET-Chefmeteorologe Manfred Spatzierer. Aber auch in Warth am Arlberg summierten sich insgesamt 104 Liter, in Kössen 99 Liter pro Quadratmeter und im oberösterreichischen Mondsee 91 Liter pro Quadratmeter auf. Auf den Bergen fiel zudem einiges an Neuschnee, auf der Zugspitze kam fast ein halber Meter dazu.

Die sehr nassen Tage sind aber spätestens am Wochenende überall vorbei. Am Freitag sollte man allerdings vor allem in den Nordalpen noch ein paar Regenschauer und einzelne Gewitter einplanen. Am Nachmittag kann es dann auch im Süden einzelne Schauer geben. Die Sonne zeigt sich am längsten ganz im Osten und Süden sowie im Oberinntal. Die Temperaturen legen mit 19 bis 29 Grad bereits zu, am wärmsten wird es dabei von Kärnten bis ins Südburgenland.

Am Samstag stellt sich anfangs überall freundliches Sommerwetter ein. Von Oberösterreich bis ins Burgenland sowie von Unterkärnten bis in die südliche Steiermark ändert sich daran auch tagsüber wenig. Ein paar harmlose Quellwolken und Schleierwolken stören kaum. Im Bergland von Vorarlberg bis in die westliche Obersteiermark sowie in Osttirol und Oberkärnten sollte man sich am Nachmittag aber auf Regenschauer und Gewitter einstellen. Mit 24 bis 31 Grad stehen Badetemperaturen an.

Sommerlich heiß, im Westen zunehmend föhnig, aber nicht ganz beständig verläuft der Sonntag: Von Salzburg ostwärts sind bereits von der Früh weg erste Schauer möglich. Tagsüber bilden sich vom Bergland ausgehend neuerlich einige Regenschauer und Gewitter. Am längsten trocken und recht sonnig bleibt es vom Weinviertel bis in die südliche Steiermark und in Kärnten. Mit 28 bis 34 Grad ist es hochsommerlich heiß und damit fällt der Startschuss für die bislang vierte Hitzewelle im Sommer 2017.

Richtig heiß beginnt aus heutiger Sicht die neue Woche, am Montag steigen die Temperaturen bei viel Sonnenschein und einzelnen Gewittern im Berg- und Hügelland auf 28 bis 35 Grad. Die Hitzepole liegen dabei im Osten. Noch heißer mit bis zu 37 Grad wird dann der Dienstag, das könnte sogar der bislang heißeste Tag des Sommers werden. Zum Abend hin muss man allerdings im Westen mit teils heftigen Gewittern rechnen.

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