Wissen und Gesundheit
27.09.2017

Halsschlagader: Was tun bei einer Verengung?

Wann ein verengtes Gefäß gefährlich wird - und was Gefäßmediziner empfehlen.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Afshin Assadian ist Vorstand der Gefäßchirurgie des Wilhelminenspitals Wien, Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats des Gefäßforums Österreich.

Verursacht eine verengte Halsschlagader Symptome?

Verengte Herzkranzgefäße oder Beinarterien machen sich durch Leistungsminderung bei Anstrengung bemerkbar. Eine verengte Halsschlagader nicht. Bei einer Einengung im Ausmaß von 70 Prozent des Durchmessers müssen bereits zwei bis vier Prozent der Betroffenen mit einem Schlaganfall innerhalb eines Jahres rechnen. 15 bis 20 % aller Schlaganfälle, die nicht durch eine Gehirnblutung, sondern durch einen Gefäßverschluss verursacht werden, haben als Auslöser eine hochgradige Verengung der Halsschlagader.

Was passiert nach der Diagnose?

Das hängt vom Ausmaß der Verengung ab. Bei rund 40 Prozent des Durchmesser sind zunächst eine optimale medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck, Blutfetten, Diabetes, blutverdünnende Arzneien und eine Lebensstiländerung – Gewichtsabnahme, mehr Bewegung, Ernährungsumstellung – ausreichend. Außerdem wird mit regelmäßigen Ultraschalluntersuchungen kontrolliert, ob die Verengung zunimmt.

Ab wann wird eine operative Entfernung der Ablagerungen angedacht?

Ab einer 70-prozentigen Verengung kann eine Operation notwendig sein. Die Entscheidung hängt von der Gesamtsituation des Patienten ab: Raucht er? Hat er Bluthochdruck? Ist er Diabetiker? Ist er medikamentös gut eingestellt? Nimmt zwischen zwei Untersuchungen die Verengung zu? Wir hatten Patienten mit einer über sieben Jahre stabilen hochgradigen Verengung, im achten Jahr hat sie sich plötzlich ausgedehnt – trotz eines gesunden Lebensstils. Dann empfehlen wir die OP. Dabei werden die Ablagerungen entfernt.

Wann wird die Halsschlagader untersucht?

Nur wenn durch entsprechende Risikofaktoren ein Verdacht auf eine Verengung besteht. Im Gegensatz zur Prävention des Platzens einer erweiterten Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma) wird bei der Carotis kein generelles Screening empfohlen. Hingegen wird jedem eine Bauchultraschalluntersuchung angeraten, der älter als 60 ist, Raucher war oder noch ist, an Bluthochdruck oder anderen arteriellen Gefäßerkrankungen (z. B. periphere arterielle Verschlusskrankheit, Arteriosklerose) leidet oder Verwandte mit einem Aneurysma hat.

Wo gibt es Auskünfte über Gefäßleiden?

Das "Gefäßforum Österreich" organisiert von 2. 10. bis 6. 10. Gefäßgesundheitstage an Gefäßambulanzen in Wien, Burgenland, NÖ und OÖ. Neben Aufklärung zur Entstehung, Therapie und Prävention wird auch eine Bauch-Ultraschall-Untersuchung durchgeführt. Welche Ambulanzen teilnehmen: www.gefaessforum.at

eMail: office@gefaessforum.at

Priv.-Doz. Dr. Assadian am Tel. (01/526 57 60): Do., 28. 9., 14.00 bis 15.00 Uhr. eMail: gesundheitscoach@kurier.at