Wissen und Gesundheit
25.10.2017

Nicht nur Jesus schwitzte Blut

Warum eine 21-jährige Italienerin drei Jahre lang Blut im Gesicht und den Handflächen absonderte.

Blut schwitzen – diese Formulierung kennt man als Redewendung, um große Angst auszudrücken oder aus der Oster-Geschichte. Dort schreibt der Evangelist Lukas, bevor Jesus am Ölberg von seinen Jüngern verraten wurde: "Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen."

Doch das Phänomen gibt es tatsächlich. Im Canadian Medical Association Journal beschrieben zwei Ärzte der Universität von Florenz nun der Fall einer 21-jährigen Italienerin, die aus unerfindlichen Gründen seit drei Jahren immer wieder bis zu fünf Minuten lang im Gesicht und an den Handflächen blutet. In früheren Jahrhunderten wäre sie möglicherweise sogar religiös verehrt worden, heute kennen Ärzte allerdings die äußerst selten auftretende Hämhidrose. Wissenschaftler fanden im Rahmen der Studie heraus, dass in den vergangenen 15 Jahren weltweit etwa zwei Dutzend ähnliche Fälle aufgetreten sind.

Schwache Gefäße

Bei der Erkrankung wird Blut oder Blutpigment über die Schweißporen ausgeschieden, die Haut ist nicht geschädigt. Ausgelöst kann diese Störung etwa durch eine angeborene oder erworbene Schwäche der Gefäßwände werden – oder durch große Angst. Durch die auftretende Anspannung können Blutgefäße platzen.

Belastende Folgen

Bei der italienischen Patientin waren die Folgen belastend: Da das Bluten unerwartet auftrat, zog sie sich zurück, die soziale Isolation äußerte sich wiederum in depressiven Symptomen. Doch auch während einer Therapie der Angstsymptome blieb das Bluten. Die Behandlung mit Herz- und Blutdruckmedikamenten verringerte zumindest die Symptome. Erst als durch viele Tests klar war, dass die junge Frau die Symptome nicht vortäuschte, wurde bei ihr Hämhidrose diagnostiziert. Der Name setzt sich aus "häm", dem lateinischen Wort für Blut und "hydrôs", dem griechischen Wort für Schweiß, zusammen.

Vor allem junge Menschen betroffen

Die kanadische Hämatologin Jacalyn Duffin, die nach weiteren Fällen suchte, stellte fest: die Patienten mit Hämhidrose waren zum Großteil junge Frauen oder Kinder. Viele der Fallberichte zeigen, dass den Blutungen sehr oft emotional traumatische Erlebnisse vorausgegangen waren. Die Betroffenen hatten etwa Gewalt zuhause oder in der Schule erlebt. Bei allen traten die Symptome vorübergehend auf – von einigen Monaten bis zu vier Jahren.