Wissen 05.12.2011

Gut in Form für lustvollen Sex

Jeder zweite Österreicher hat Probleme im Bett - häufig stecken körperliche Ursachen dahinter, die meist einfach behebbar sind.

Mach dir nichts daraus, das kann jedem einmal passieren." Die schönste Nebensache der Welt kann schnell von Lust in Frust umschlagen, wenn etwas nicht so klappt, wie Mann oder Frau es sich vorstellt. Fast jeder zweite Österreicher hat Probleme beim Liebesspiel - allen voran stehen Lustlosigkeit, Erektions- bzw. Erregungsstörungen oder Orgasmusprobleme, aber auch vorzeitiger Samenerguss.

"Von einer sexuellen Störung spricht man jedoch erst, wenn jemand auch unter der Situation leidet", erklärt die Sexualmedizinerin Elia Bragagna. Vielen Betroffenen fällt es nicht leicht, darüber zu sprechen, wenn sie in puncto Sexualität ihre eigenen Erwartungen oder die des Partners nicht erfüllen können. Umso schwerer fällt es dann, sich professionelle Hilfe zu suchen. Kein Grund zu verzweifeln: "Oft haben die Unlust im Bett und der Stress rund um das Thema eine körperliche Ursache - und sind dementsprechend behandelbar", meint Bragagna.

Sex-Bremse

2,6 Millionen Österreicher sind von Krankheiten betroffen, die Sexualstörungen verursachen können - der Großteil davon sind Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Hohe Cholesterinwerte als Sex-Bremse? "Ja, Erektionsstörungen haben dieselben Risikofaktoren wie ein Herzinfarkt: Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, erhöhter Blutzucker und Rauchen. Betroffen sind aber auch Menschen mit Gelenkserkrankungen, Depressionen, nach Operationen im Becken- oder Wirbelsäulenbereich. Auch jeder zweite Krebskranke hat in der Folge eine Sexualstörung." Wer körperlich fit ist, bleibt es also auch im Bett - und umgekehrt.

Spirale

Klappt es nicht beim Liebesspiel, leidet früher oder später meist auch die Beziehung darunter. Bragagna erzählt von einem typischen Beispiel: "Der Mann hat Erektionsprobleme und wird zunehmend verunsichert, ob es beim nächsten Mal klappt. Er glaubt seiner Partnerin nicht, dass es kein Problem ist, wenn es einmal nicht funktioniert. Daraus entsteht eine Spirale und das Sexualleben leidet immer mehr." Doch nicht nur der Mann leidet darunter: "Die Frau beginnt an sich zu zweifeln und weiß nicht, was los ist. Oft entwickelt sie eine Luststörung als Reaktion auf sein Problem."
Doch wie finden Betroffene aus der Spirale heraus? Erste Denkanstöße, ob eine sexuelle Störung vorliegt, gibt eine von Bragagna erstellte Checkliste. Die Sexualmedizinerin appelliert jedoch an Allgemein- und Fachärzte wie Gynäkologen und Urologen, Risikopatienten darauf anzusprechen, wie es denn um ihre Sexualität stehe.

"Leider haben nicht nur Betroffene große Hemmungen, darüber zu sprechen, sondern auch viele Ärzte. Gynäkologen kennen sich zwar gut mit Schwangerschaft und Geburt aus, aber nur selten mit Sexualstörungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr." Daher hat Bragagna die Österreichische Akademie für Sexuelle Gesundheit ins Leben gerufen, um Ärzte auf diesem Gebiet weiterzubilden .

Fakt ist: Auch, wenn es das eine oder andere Mal nicht klappt, sind gelegentliche stress- oder lustbedingte Pleiten noch kein Alarmsignal. Leidet man unter einem dauerhaften Problem, ist es sinnvoll, dem nachzugehen.

Sexperten: Eigene Fortbildung für Ärzte
Sexualmedizin
In der Österreichischen Akademie für Sexuelle Gesundheit werden Ärzte dafür sensibilisiert, welche Erkrankungen, Therapieformen, Medikamente, Operationen und Unfälle Sexualstörungen verursachen können. Ziel ist, ihnen Vertrauen zu geben mit dem Thema umzugehen, Risikopatienten zu erkennen und - falls diese es wollen - etwas dagegen zu tun.

Diplom
Bis jetzt haben 93 Ärzte die Ausbildung absolviert. Sie umfasst vier Wochenend-Seminare und 16 Supervisionsstunden. Die österreichische Ärztekammer verleiht ein
Zertifikat für Sexualmedizin.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011