Ermöglicht man kranken Kindern keine Rehabilitation, können hohe Folgekosten entstehen.

© GINA SANDERS - FOTOLIA 24733683/Erwin Wodicka

Wissen und Gesundheit
12/04/2013

Großer Nachholbedarf bei Kinder-Rehabilitation in Österreich immer noch kein Thema

Mediziner schlagen Alarm: Nur 52 Betten für bis zu 6.000 junge Patienten

Krebs, Stoffwechsel- und Lungenerkrankungen, schwere Unfälle - Österreicher haben in solchen Fällen Anspruch auf Rehabilitation. Mehr als 9.000 Betten stehen zur Verfügung, schließlich ist die "Wiedererlangung der Berufsfähigkeit" gesetzlich verankert. Bei Kindern schaut die Sache ganz anders aus: kein Anspruch, jedoch 6.000 Betroffene jährlich und nur 52 Betten. Mediziner schlugen nun Alarm.

"Es ist eine Schande, dass wir noch nicht in der Umsetzung sind", ärgerte sich Wolfgang Sperl, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Salzburg am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es derzeit 8.000 kindergerechte Reha-Betten.

Woran es bisher gekrankt hat, erklärte Primarius Reinhold Kerbl, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ): Bereits Ende der 1990er-Jahre habe es einen Reha-Plan gegeben, doch der sei in der berühmten Schublade verschwunden. "Und dass sich die Länder ihrer Verantwortung entziehen, ist besonders zynisch." Kinder-Reha sei eben "kein Geschäft, damit kann man nichts verdienen. Aber sie ist eine Notwendigkeit."

Nun liegen die Bedarfszahlen vor - der Ball ist somit bei der (kommenden) Regierung. "Wir reden da von 15 Millionen Euro pro Jahr - das ist in etwa so viel, wie Österreich alle drei Tage für die Verlustabdeckung der Hypo-Alpe-Adria ausgibt", rechnete Kerbl vor. "Ermöglicht man Kindern keine Rehabilitation, hat das lebenslange Konsequenzen", wie etwa Berufsunfähigkeit und gesellschaftliche Stigmatisierung.

Was für ein tägliches Drama das für betroffene Familien bedeutet, skizzierte Univ.-Prof. Christina Peters vom St. Anna Kinderspital: Der zwölfjährige Martin aus dem Südburgenland leidet an einem bösartigen Tumor im Becken, es folgen Chemo und Operationen. Die Mutter ist geschieden und hat zwei weitere Kinder zu versorgen. Nach acht Monaten im Gipskorsett macht Martin seine ersten Schritte, wird jedoch nicht auf Reha geschickt, sondern nach Hause entlassen. Wäre Martin kein zwölfjähriger Krebspatient, sondern ein 55-jähriger, übergewichtiger Diabetiker, hätte er Anspruch.

"Politik und Verwaltung müssen zu einer Einigung kommen, damit wir endlich die ersten Standorte in Angriff nehmen können", forderte Markus Wieser, Gründer der "Initiative Kinderreha". 450 Betten seien erforderlich. "Die Versorgung steht außer Streit, alle Zahlen liegen am Tisch", so Wieser. Die Betroffenen hätten "lang genug gewartet", die Politik muss "endlich zeigen, dass sie kranke Kinder und ihre Angehörigen nicht mit ihren Sorgen und Nöten alleine lässt."

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