Wissen und Gesundheit
06.02.2018

Grippewelle: "Noch keine Entspannung"

Die Zahl der Erkrankten steigt nach wie vor. Experten gehen aber davon aus, dass diese oder kommende Woche das Plateau erreicht wird. Kinder und junge Erwachsene sind heuer besonders stark betroffen.

"Wir sehen noch keine Entspannung": Das sagte der ärztliche Leiter des Wiener Ärztefunkdienstes, Ernest Zulus, am Dienstag zum KURIER. Am vergangenen Wochenende verzeichnete der Ärztefunkdienst 1000 Anrufe und 600 Visiten - doppelt so viele wie an einem Wochenende außerhalb einer Grippewelle. Und alleine in der Nacht von Montag auf Dienstag gab es 400 Anrufe und 100 Visiten. "Bei vielen Erkrankten treten heuer zu Beginn der Infektion Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf."

Dass der Höhepunkt der heurigen Grippewelle offenbar noch nicht erreicht ist, zeigen auch die heute veröffentlichten neuen Daten des Grippemeldedienstes der Stadt Wien: In Wien wurde in der Vorwoche (fünfte Kalenderwoche) mit 13.700 Neuerkrankungen an Grippe und grippalen Infekten der bisher höchste Wert registriert. In der Woche davor (vierte Kalenderwoche) waren es 12.800 Neuerkrankungen, zeigt dieses Service des Gesundheitsdienstes der Stadt.

Plateau könnte bald erreicht sein

"Wahrscheinlich werden wir diese oder nächste Woche das Plateau erreichen", so die Virologin Monika Redlberger-Fritz vom Zentrum für Virologie der MedUni Wien. Was die Situation in Europa betrifft, heißt es in einer Aussendung des Diagnostischen Influenza Netzwerk Österreichs: " Das maximale Niveau der Grippeaktivität in Europa dürfte auch in dieser Woche noch nicht erreicht sein." Und weiter: "In fast allen Ländern West-, Nord- und Mitteleuropas wird derzeit eine mittlere bis hohe Influenzavirusaktivität gemeldet, Luxemburg meldet sogar eine sehr hohe Aktivität. Die Länder Osteuropas zeigen derzeit noch eine niedrige Influenzavirusaktivität."

Nach wie vor dominiert ein Influenza-B-Virus mit einem Anteil von rund 70 Prozent aller Infektionen, gefolgt von A(H1N1) mit 23 Prozent und A(H3N2) mit sieben Prozent.

Junge am stärksten betroffen

Niedergelassene Ärzte bestätigen aus ihrer derzeitigen täglichen Erfahrung, was auch Virologin Redlberger-Fritz sagt: "Bei einer Influenza-B-Welle trägt einen Großteil der Krankheitslast die junge Bevölkerungsgruppe, vor allem Kinder." Bei A(H1N1) sind es vor allem junge Erwachsene - und diese beide Gruppen sind heuer auch am stärksten betroffen. "Bei A(H3N2) sind es vor allem die älteren Menschen - aber das heißt nicht, dass heuer nicht auch viele ältere Menschen erkranken", betont die Virologin. Nur liege der Schwerpunkt bei Kindern und jungen Erwachsenen. Sehr viele leiden heuer auch an starken Gelenksschmerzen.

Die Erkrankungszahlen sind bei einer Influenza-B-Welle in der Regel etwas niedriger wie bei einer Influenza-A-Welle. Doch möglicherweise sind diese Hochrechnungen aufgrund der Meldungen ausgewählter Ärzte heuer etwas zu niedrig angesetzt: "Kinder können durch diese epidemiologischen Überwachungssystem nicht so gut abgebildet werden", sagt Redlberger-Fritz. Sie werden nicht so gut in diesen Systemen erfasst, die tatsächlichen Erkrankungszahlen könnten also noch höher sein.