Gratis HPV-Impfung für Kinder. Seit Herbst ist die zweiteilige HPV-Immunisierung für neun- bis zwölfjährige Buben und Mädchen in Österreich kostenlos. Sie schützt gegen HPV-Viren und damit gegen Gebärmutterhalskrebs bei Frauen und andere Karzinomformen, die auch Männer betreffen. Experten gehen davon aus, dass so pro Jahr in Österreich 5000 bis 6000 gynäkologische Eingriffe weniger wegen Zellveränderungen in Richtung Krebs durchgeführt werden.

© dpa-Zentralbild/Ralf Hirschberge

Humane Papilloma Viren
08/12/2013

HPV-Impfung für Kinder kommt

Die Impfung trägt zur Krebs-Prävention bei, ersetzt aber nicht die Untersuchungen.

von Laila Daneshmandi

In Australien, wo inzwischen bis zu 70 Prozent der unter 21-jährigen Frauen gegen HPV (Humane Papilloma Viren) geimpft sind, kommen nahezu keine Genitalwarzen mehr vor – auch Männer sind deutlich seltener betroffen. Außerdem haben Frauen viel weniger negative Abstrich-Ergebnisse. Nun zieht auch Österreich nach: Ab Februar 2014 können Kinder ab dem vollendeten neunten Lebensjahr (4. Klasse Volksschule) gratis gegen HPV geimpft werden, da es am sinnvollsten ist, die Kinder zu impfen, bevor sie ins sexuell aktive Alter kommen. „Wir werden damit Leben retten“, ist Gesundheitsminister Alois Stöger überzeugt.

Österreich ist damit das erste europäische Land, in dem nicht nur Mädchen, sondern auch Buben gegen HPV geimpft werden (weltweit wird das sonst nur in Australien und in Kanada gemacht). Der Impfstoff wird im Rahmen des bestehenden Schulimpfprogramms angeboten. Verabreicht werden zwei Teilimpfungen im Mindestabstand von sechs Monaten. Der Apothekenpreis für die zwei Dosen beträgt 400 Euro.

Bei älteren Kindern müssen die Kosten noch selbst getragen werden. Experten zufolge wäre die Impfung sogar bis zum Alter von 30 Jahren sinnvoll. Eine solche Finanzierung ist laut Gesundheitsministerium derzeit aber nicht machbar.

Vorsorge

Die häufig diskutierte Angst vor Nebenwirkungen sieht Wolfgang Becker-Brüser vom pharmakritischen arznei-telegramm widerlegt: „Bei Markteinführung gab es unzureichende Studiendaten, aber die wurden inzwischen nachgeliefert.“

Wenn Mädchen als Reaktion auf die Impfung etwa einen Kreislaufkollaps erleiden, habe das meist eher psychische als pharmakologische Ursachen. „Unerwünschte Nebenwirkungen sind sonst nicht so gravierend.“ Jedoch biete die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz und könnte die Geimpften in falscher Sicherheit wiegen. „Die üblichen Vorsorgeuntersuchungen dürfen nicht vernachlässigt werden“, warnt Becker-Brüser. Auch sei die Dauer des Schutzes unklar.

Die Österreichische Ärztekammer sowie Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe, freuen sich über das „zusätzliche Präventionsangebot“. Sevelda erklärt, warum die Impfung auch für Buben sinnvoll ist: „Erstens verursachen die HP-Viren nicht nur Gebärmutterhalskrebs, sondern auch andere Krebsarten, zum Beispiel im HNO-Bereich“ (siehe Grafik). Prominentes Beispiel dafür war erst kürzlich US-Schauspieler Michael Douglas. „Zweitens rottet die Impfung Genitalwarzen aus und drittens kann ja jeder Bub irgendwann zum Überträger werden. Mit der Impfung wird eine gegenseitige Ansteckung vermieden.“

Pamela Rendi-Wagner, Sektionschefin im Gesundheitsministerium, betont daher: „Frauen und Männer erkranken gleichermaßen und müssen daher auch gleich geschützt werden.“ Aus diesem Grund werde die HPV-Impfung in Österreich für Mädchen wie Buben kostenlos zur Verfügung stehen. „Damit sind wir Vorreiter in Europa.“

Ob die Impfung für Buben bei einer Kosten-Nutzen-Abwägung gerechtfertigt ist, sei laut Becker-Büser fraglich. Das sei noch nicht durch entsprechende Studien belegt. „Letztendlich bleibt es eine persönliche Entscheidung, ob jemand seine Kinder impfen lassen will.“

HPV: Ansteckung bleibt meist unbemerkt

Mehr als zwei Drittel der Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit Humanen Papilloma Viren (HPV). Sie werden ausschließlich durch direkten körperlichen Kontakt, am häufigsten durch Geschlechts- verkehr, übertragen. Die Viren können aber auch bei der Geburt von der Mutter auf das Kind weitergegeben werden oder schon durch kleinste Verletzungen in die Haut- und Schleimhautzellen eindringen.

Auswirkung In den meisten Fällen heilt eine Infektion mit HP-Viren von selbst aus. Meist wird sie nicht einmal bemerkt. Es gibt mehr als 100 Typen, einige davon lösen Genitalwarzen aus – sie können aber auch zur Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs sowie Krebsarten im Genital- und HNO-Bereich beitragen. Die HPV-Impfung soll vor den vier gefährlichsten Virus-Typen schützen – sie ersetzt aber nicht Vorsorgeuntersuchungen.

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