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Schadstoffe
08/21/2013

Giftiger Kussmund

In Lippenstift und Lipgloss sind zahlreiche Metalle enthalten

von Laila Daneshmandi

Ob Feuerrot, Fuchsia oder Pfirsich – etwa zwei Kilogramm Lippenstift soll eine Frau im Laufe ihres Lebens verspeisen. Doch verführerische Kusslippen sind nicht nur ein Blickfang, sondern stehen auch im Verdacht, sich schädlich auf die Gesundheit auszuwirken.

So hat eine Untersuchung von 24 Lipglossen und 8 Lippenstiften an der UC Berkeley’s School of Public Health gezeigt, dass in den Lippenfarben bis zu neun verschiedene Metalle enthalten waren – darunter Blei, Cadmium, Aluminium, Titan, Kupfer und Nickel. Seit der Veröffentlichung im Journal Environmental Health Perspectives ist in den USA nun eine Diskussion darüber entbrannt, welchen Schaden diese Metalle bei Frauen anrichten, die regelmäßig Lippenstift auftragen. Der übertriebene Kontakt zu den Inhaltsstoffen Chrom, Aluminium, Cadmium und Mangan wird etwa mit Magenkrebs in Verbindung gebracht.

Bisherigen Studien zufolge schmieren Frauen häufig mehr als 20-mal nach und nehmen täglich durchschnittlich 24 Milligramm Lippenstift zu sich. Exzessive Schmiererinnen sogar bis zu 87 Milligramm. Je nach Zusammensetzung können die Inhaltsstoffe über die Haut oder oral aufgenommen werden. Vor allem dunkle Farben und jene mit Glitzer sollen stärker mit Schadstoffen wie Blei belastet sein. Katharine Hammond, Leiterin der US-Studie sieht trotz ihrer bedenklichen Ergebnisse keinen Grund, alle Lippenstifte in den Müll zu werfen: „Das Problem ist nicht, dass wir Metalle gefunden haben. Manche kommen in Dosen vor, die sich langfristig schädigend auswirken könnten.“

Bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) heißt es, dass folgende Metalle hierzulande in Kosmetika verboten seien: Cadmium, Blei, Arsen, Antimon, Quecksilber, Chrom (6-wertig) und Nickel. „Diese Substanzen dürfen nicht zugesetzt werden, können aber als Verunreinigung vorkommen.“

Toleriert

Die AGES konnte sogar schon fallweise Blei in Lippenstiften nachweisen und erklärt dazu: „Das Vorhandensein dieser Verunreinigungen wird toleriert, wenn das Produkt gesundheitlich unbedenklich ist und die Gehalte technisch nicht vermeidbar sind.“ Auch Kosmetik transparent, die Informationsplattform der Markenkosmetikhersteller betont: „Die in Kosmetik nachweisbaren Spuren von Blei betragen höchstens ein Tausendstel dessen, was durch den Konsum von zugelassenen Farbstoffen in Wasser oder Speisen aufgenommen werden.“

Zu den anderen im Bericht genannten Metallen (Aluminium, Titan, Cobalt, Mangan und 3-wertiges Chrom) heißt es seitens der AGES, sie seien nicht verboten und teilweise zulässige Farbstoffe.

Naturkosmetik

Eine Untersuchung des Öko-Test zeigte bei vielen billigen, aber auch teuren Produkten den Einsatz von problematischen Farbpigmenten. Aus Erdöl hergestellte Paraffine und Silikone werden ebenfalls gerne eingesetzt. Gute Noten gab es für zertifizierte Naturkosmetik. Deren Nachteil ist jedoch das begrenzte Farbenspektrum.

Die AGES rät jedenfalls, Lippenstift nicht mehr als zwei bis drei Mal täglich aufzutragen. Kinder sollten Lippenstifte außerdem nicht in die Finger bekommen – und schon gar nicht essen.

Zu viel Kupfer schadet dem Gehirn

Traut man Prognosen, werden 2050 weltweit mehr als 100 Millionen Menschen an Alzheimer leiden – vorausgesetzt, die Wissenschaft findet bis dahin keinen Weg, die Krankheit zu heilen. US-Forscher sind dem nun einen Schritt nähergekommen: Neurowissenschaftler von der University of Rochester haben eine bisher unbeachtete mögliche Ursache für Alzheimer entdeckt. Demnach soll zu viel Kupfer im Gehirn das Alzheimerrisiko erhöhen. Mäuse, die über Wasser mehr Kupfer aufnahmen, verfügten über stärkere Ablagerungen des Metalls in den Blutgefäßen im Gehirn. Dadurch wurde es für das Gehirn schwieriger, Beta-Amyloid abzubauen – jenes Protein, das für die Entstehung von Alzheimer verantwortlich gemacht wird.

Das richtige Maß

Die Forschung ist sich über die Wirkung von Kupfer auf das Gehirn jedoch uneins. Chris Exley von der Keele University in England etwa widerspricht seinen Kollegen in Rochester. Er geht sogar davon aus, dass Kupfer das Gehirn schützen könnte. „In unseren neuesten Studien haben wir herausgefunden, dass geringere Kupferwerte mit stärkeren Ablagerungen von Beta-Amyloid in Verbindung stehen.“

Fest steht: Kupfer ist für den menschlichen Körper sehr wichtig, er benötigt es für das Knochenwachstum und die Hormonproduktion. Das Metall ist in Trinkwasser, Fleisch, Nüssen, Obst und Gemüse enthalten. Wie viel Kupfer zu viel ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

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