Wissen | Gesundheit
17.05.2018

Zu wenig Bewegung kann zu Herzversagen führen

Machen Menschen mittleren Alters mehr Bewegung, so haben sie ein geringeres Risiko für Herzversagen.

Etwas mehr oder etwas weniger Bewegung innerhalb weniger Jahre: Das kann bereits darüber entscheiden, ob man an Herzschwäche erkrankt oder nicht. Das zeigt jetzt eine Studie, die im Journal Circulation erschien. Dafür analysierten Forscher des John Hopkins Medicine Instituts gesammelte Daten von mehr als 11.000 Amerikanern in Bezug auf den Zusammenhang von Aktivität und Herzversagen.

Was ist Herzversagen?

Im Gegensatz zu Herzinfarkten, bei denen Herzmuskelzellen absterben, ist das Herz bei dieser Krankheit unfähig, genug Blut zu pumpen, um den ganzen Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Herzversagen ist eine chronische Erkrankung, die Schätzungen zufolge fünf bis sechs Millionen Amerikaner betrifft. Damit ist sie die führende Ursache für Krankenhausaufenthalte bei den über 65-Jährigen. Die Risikofaktoren: hoher Blutdruck, Diabetes, hohes Cholesterin, Rauchen und eine Familienvorgeschichte.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass, wenn man die empfohlenen 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche einhält, sich das Risiko für Herzversagen um 31 Prozent reduziert. Wenn die Änderung im Lebensstil von keiner Aktivität auf die empfohlenen Werte in einem Zeitraum von bis zu sechs Jahren von einer Person mittleren Alters gemacht wird, verringert sich das Risiko um 23 Prozent.

Mehr Bewegung für über 50-Jährige

Die Wissenschaftler weisen aber auch darauf hin, dass sie lediglich eine Beobachtungs-Studie gemacht hätten. Das bedeutet, dass die Ergebnisse keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen körperlicher Anstrengung und Herzversagen darstellen. Allerdings zeigt sich tendenziell, dass es nie zu spät ist, das Risiko für Herzversagen durch Bewegung zu reduzieren.

Roberta Florido, Fellow am John Hopkins Medicine Institut, meint: „Immer mehr Menschen leiden an Herzversagen, weil wir länger leben und Herzinfarkte und andere Herzleiden überleben.“ Außerdem gäbe es keine besonders effektiven Medikamente dagegen, weshalb neue Initiativen zur Prävention gestartet werden müssten. Derzeit gibt es nur Beta-Blocker und ACE-Hemmer, die allerdings nur helfen, nachdem die Fehlfunktion bereits aufgetreten ist.

Herzversagen wird zunehmen

Mehrere Studien zeigten bereits früher, dass physisch aktivere Personen ein geringeres Risiko haben, an Herzversagen zu erkranken. Weniger bekannt war aber, wie sich ein Wechsel des Aktivitäts-Levels über eine Zeitspanne auf diese Krankheit auswirkt. Um diese Frage zu klären, wurde eine langgehende Studie über Atherosklerose (Gefäßverkalkung) analysiert. Mehr als 11.000 Teilnehmer im Durchschnittsalter von 60 Jahren wurden ca. 19 Jahre lang jährlich interviewt. Während der Studienlaufzeit gab es 1.693 Krankenhausaufnahmen und 57 Tode wegen Herzversagen. Innerhalb von sechs Jahren erhöhten 24 Prozent der Partizipanten ihren Aktivitäts-Level, während sich 22 Prozent verschlechterten. Das Risiko für Herzversagen verringerte sich bei den Teilnehmern, die sich verbessert hatten, um zwölf Prozent. Umgekehrt erhöhte sich das Risiko bei den Partizipanten, die niedrigere Aktivitäts-Level angaben, um 18 Prozent.

Nach der American Heart Association kommt weniger als die Hälfte der Amerikaner auf die empfohlenen 150 Minuten Aktivität pro Woche.