Wissen und Gesundheit
29.07.2017

Frauenfußball: Was der Erfolg des Damenteams bewirkt

Univ.-Doz. Maria Mesner vom Referat Genderforschung, Uni Wien, über Frauen, Fußball und die Auswirkungen des Erfolgs des österreichischen Teams.

KURIER: Frauen und Fußball galt lange als Kombination, die eher belächelt wurde. Weil Fußballfeld stets als Bühne für Männlichkeit galt...
Univ.-Doz. Maria Mesner: Das war bisher so, aber wenn man sich das in anderen Ländern anschaut, wie etwa in Deutschland oder den USA, ändert sich da etwas. Sobald die Frauen in dieser Sportart erfolgreich werden, ändert sich das. Es werden zwar immer wieder alte Vorurteile laut, aber das hat Potenzial, Dinge aufzubrechen.

Gerade im Umfeld von Fußball regieren stark männlich besetzte Bilder. Es heißt, Frauenfußball wäre anders, alleine aufgrund der physischen Voraussetzungen. Womit wieder etwas manifestiert wird, das sowieso in den Köpfen ist.
Fußball ist ein Sport, der mit klassischen Weiblichkeitsstereotypen nur begrenzt zu tun hat. Es ist ein Sport mit viel körperlichem Zweikampf, der sehr konkurrenzorientiert ist. Das alles wurde Frauen für lange Zeit weniger zugeschrieben. Es geht um Kraft, um Schnelligkeit und Strategie in Bezug auf Spielzüge. Ich meine schon, dass das in Wirklichkeit die Geschlechterbilder verschiebt. Das geht alles nicht von heute auf morgen, aber es ist ein kleines Stück, mit dem Frauen in Räumen und bei Aktivitäten denkbar und mittelfristig selbstverständlich werden. Das eröffnet Handlungsräume für Menschen weiblichen Geschlechts. Außerdem werden es junge Mädchen dann attraktiver finden, so etwas auch zu wollen. Als Role Model finde ich das wichtig.

Viele Eltern schicken Mädchen nach wie vor in den Tanzkurs oder zum Reiten. Und die Buben dürfen Fußball spielen. Da geht jetzt ein neuer Raum auf. Im Sinne einer Ermutigung.
Absolut. Und wenn wir von typischen Zuschreibungen reden – da geht es um körperlichen Einsatz, weniger um Eleganz. Wenn Mädchen plötzlich in jedem Ballkäfig genauso Fußball spielen wie die jungen Männer je das tun, dann tut sich auch etwas in der Breite.

Wenn Frauen Fußball spielen, ist das oft erotisch konnotiert.
Diese Erotisierung findet immer statt, wenn Frauen eine Grenze überschreiten. Das ist ein Modus, sie, indem, was sie tun, nicht ernst zu nehmen. Das hört sich aber ganz schnell auf, wenn das nicht mehr salonfähig wird. Man muss es nur laut machen, das passiert nicht von selbst.

Der Gender Pay Gap – wie es in offenbar auch im Frauenfußball gibt – wird sich dadurch aber nicht so schnell schließen?
Richtig. Und es wird sich auch in anderen Bereichen nichts bewegen, aber der aktuelle Erfolg des österreichischen Frauenfußballs ist ein Anlass, vieles zu besprechen. Fußball hat eine hohe symbolische Bedeutung. Ich finde es gut, dass es da jetzt ganz viel Aufmerksamkeit gibt, von vielen Leuten, die die Geschlechterfrage normal gar nicht interessiert. Da tut sich was.