Wissen und Gesundheit
15.11.2017

EU: Gefahr durch resistente Keime wächst immer noch

Die Situation ist regional sehr unterschiedlich. Als Hauptrisikofaktor gilt falscher Antibiotikagebrauch.

Die Europäische Union warnt vor einer Zunahme von besonders widerstandsfähigen Erregern, gegen die gleich mehrere Antibiotika nicht mehr wirken. 2016 wurden solche Multiresistenzen unter anderem bei dem weitverbreiteten Darmkeim E. coli nachgewiesen, wie das Europäische Präventionszentrum ECDC am Mittwoch in Brüssel anlässlich des 10. europäischen Antibiotika-Aktionstags (18. November) mitteilte.

Dies sei besorgniserregend, weil es für Patienten, die mit solchen Keimen infiziert sind, kaum noch Behandlungsoptionen gebe, hieß es. Antibiotika-Resistenzen sind auf zu häufige bzw. falsche oder nicht angebrachte Verwendung der Medikamente zurückzuführen, ebenso auf zu niedrige Dosierungen im Bedarfsfall und die zu kurze Einnahme in solchen Fällen. Zusätzlich gibt es auch einen starken Konnex zur massenhaften Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung. Die Situation ist von Keim zu Keim und von Land zu Land unterschiedlich.

Günstige Position für Österreich

"Die Anteile von resistenten Keimen variiert bei den meisten Bakterien laut dem europäischen Überwachungs-Netzwerk (EARS-Net) mit Daten für 2016 europaweit stark. Die Resistenzen sind generell weiter verbreitet in Süd- und Südosteuropa als in Nordeuropa", teilte das ECDC (Stockholm) mit. Österreich nimmt hier traditionell eine vergleichsweise günstige Position ein.

Bei den E. coli-Bakterien ist jedenfalls die Häufigkeit von Resistenzen gegen Cephalosporine der dritten Generation, gegen die häufig verwendeten Fluorchinolone und Aminoglykoside zwischen 2013 und 2016 gestiegen. Diese kombinierten Resistenzen machen schwere Infektionen auch schwer behandelbar. Die Experten sehen aber auch positive Entwicklungen. Bei dem ebenfalls sehr weitverbreiteten Bakterium Klebsiella pneumoniae, das Atem- und Harnwegserkrankungen auslösen kann, stabilisiere sich die Lage. Bei Staphylococcus aureus, der ebenfalls für schwerwiegende Krankheiten bis hin zu Lungenentzündung und Blutvergiftung verantwortlich ist, sei der Anteil der multiresistenten Keime zwischen 2013 und 2016 weiter zurückgegangen. Zehn von 30 Staaten, die an dem Überwachungssystem der EU teilnehmen, berichteten hier Prozentsätze von Resistenzen von mehr als 25 Prozent. Man sehe inzwischen kleine Fortschritte, erklärte ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

Mehr Menschen mit geschwächtem Immunsystem

Bei den Acinetobacter-Keimen, die klassische Krankenhauskeime sind, weist ein hoher Anteil kombinierte Resistenzen gegen Fluorchinolone, Aminoglykoside und Carbapenem-Antibiotika auf. Letztere gehörten ehemals zu den wirksamsten Arzneimitteln auf diesem Gebiet. Probleme gibt es auch mit Vancomycin-resistenten Enterokokken. Da infolge der Altersentwicklung der Bevölkerung mit vielen Patienten mit Mehrfacherkrankungen, mehr Krebspatienten und auch durch medizinische Therapien (Organtransplantationen, onkologische Therapien und immunmodulatorische Medikamente bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma oder Morbus Crohn etc.) immer mehr Patienten mit geschwächtem Immunsystem leben, sind resistente Bakterien in vielen Fällen extrem gefährlich.