Wissen und Gesundheit
16.03.2012

Erste Hilfe, die unter die Haut geht

Jedes zehnte Kind leidet unter Neurodermitis. Ein neuer Ratgeber soll Eltern beim Umgang mit der Erkankung helfen.

Wenn das Kind an ständig juckender, aufgekratzter Haut leidet, fühlen sich die Eltern meist hilflos und überfordert. Bruno Langmeier, der Vater eines betroffenen Buben erzählt: „Bevor mein Sohn überhaupt gehen konnte, hat er schon versucht, sich am Knöchel zu kratzen.“

Mit dem Ziel, das Beste für ihre Kinder zu tun, suchen Eltern mithilfe von „Dr. Google“ verzweifelt nach vermeintlichen Wundermitteln und testen diverse Therapien und Diäten. Gut gemeint – doch genau davor warnt Isidor Huttegger von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde: „Die Eltern probieren alles Mögliche aus, um ihren Kindern zu helfen. Schwere Mangelernährungszustände bei Kindern aufgrund von Diäten im Selbstversuch sind dabei nicht selten.“ In dem Kontext räumt er gleich mit einem alten Vorurteil auf: „Neurodermitis ist ein genetisch bedingter Barriere­defekt der Haut und keine Nahrungsmittelallergie.“

Eines von drei Kindern mit schwerer Neurodermitis könne zwar eine Nahrungsmittelallergie entwickeln, aber die Allergie würde nicht automatisch mit der Hautkrankheit auftreten.

Schmieren

Entscheidend für die Verringerung von Schüben und deren Verlauf sei die konsequente Fortsetzung der Basistherapie – auch in schubfreien Phasen. „Leider hören immer noch viele Eltern mit der Therapie auf, sobald sich die Haut ein wenig erholt und gerade keine Symptome zeigt“, erklärt Huttegger. „Die Haut muss mindestens zwei Mal pro Tag eingecremt werden.“ Je nach Krankheitsstadium gilt: Feucht auf feucht und fett auf trocken. Heißt: Akut nässende Ekzeme müssen mit stark wasserhaltigen Lotionen eingeschmiert werden. Ein chronisch trockenes Ekzem braucht eine Fettsalbe.

In akuten Phasen empfiehlt Huttegger eine anti-entzündliche Creme, die etwas Kortison enthalten darf. „Wir verfügen bei der Verwendung von Kortison mittlerweile über 50 Jahre Erfahrung. Bei vernünftiger Behandlung überwiegen die Vorteile mögliche Nachteile bei Weitem.“ In den meisten Fällen bessert sich die Erkrankung bis zum Schulalter – manchmal begleitet sie einen Menschen das ganze Leben.

Gute Erfahrungen mit der Behandlung von Neurodermitis bei Kindern, hat auch schon Gloria Kozel gemacht, Österr. Präsidentin der Gesellschaft für Homöopathische Medizin: „Wir klären – wie bei jedem Patienten – die individuellen Symptome ab und suchen nach der Arznei, die auf das Beschwerdebild passt. Hier sind zudem die Schilderungen der Mutter über Schwangerschaft und Geburt wichtig.“

Ein umfassender Ratgeber – ab sofort in allen Apotheken und bei vielen Kinder- und Hautärzten erhältlich – will Eltern unterstützen, wie sie den Teufelskreis aus Jucken und Kratzen bei ihren Kindern effektiv lindern können.