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Medizinische Sensation
02/18/2017

Erfolgreiche Gesichtstransplantation für Mann aus Wyoming

Der 32-jährige Andrew Sandness erhielt ein neues Gesicht - das Ergebnis wurde nun vorgestellt.

Vor zehn Jahren, zwei Tage vor Weihnachten, schoss sich der damals 21-jährige Andrew Sandness bei einem Selbstmordversuch ins Gesicht. Er hatte eine längere Phase tiefer Depressionen hinter sich.

Andy überlebte mit furchtbaren Verletzungen. Nach mehreren Spitalsaufenthalten landete er in derMayo Clinic, Rochester, USA, wo ihm der plastische Chirurg Samir Mardini eine Rekonstruktion seines Gesichts in Aussicht stellte. Dafür müsse Sandness aber stark und geduldig sein, meinte sein Chirurg. Schließlich hatte er keine Nase mehr, kein Kinn und nur mehr zwei Zähne. Es war ihm unmöglich, sich im Spiegel zu betrachten, er musste beatmet und eine lange Zeit künstlich ernährt werden.

Nach acht Eingriffen über knapp fünf Monate hinweg konnte er das Spital verlassen und begann wieder zu arbeiten. Trotz der vielen Operationen blieb er entstellt – sein Leben hatte sich grundlegend verändert. Er mied Augenkontakt, hatte Angst, anderen Menschen zu begegnen oder mit seinem Aussehen Kinder zu verängstigen. Seine Sozialkontakte wurden immer weniger.

Das Gesicht eines anderen

Im Juni 2012 erhielt Sandness die Nachricht, dass die Mayo Clinic mit einem Gesichts-Transplantationsprogramm starten würde. Und er wäre ein perfekter Kandidat für so einen komplexen Eingriff. Es fand eine Evaluation statt. Schließlich kam er im Jänner 2016 auf die Organspende-Warteliste, mit der Aussicht, dass er vermutlich an die fünf Jahre auf ein neues Gesicht warten müsse. Doch bereits fünf Monate später kam der ersehnte Anruf. Die Konstellation war so seltsam wie berührend: Ein Mann – genauso alt wie Sandness vor 10 Jahren - hatte sich erschossen. Seine im achten Monat schwangere Witwe Lilly folgte nach längeren Überlegungen, dem Wunsch des Verstorbenen, Organspender zu sein.
Am 16. Juni 2016 war es dann endlich so weit: Ein Team aus 60 Chirurgen, Schwestern, Anästhesisten unter der Leitung von Samir Mardini und Hatem Amer gaben dem Patienten im Rahmen eines 56-stündigen Eingriffs ein neues Gesicht. Es war der erste Eingriff dieser Art an der Mayo Clinic. Die Gesichtstransplantation inkludierte Nase, Wangen, Mund, Lippen, Kinn, Kiefer und Zähne. Die Chirurgen nützten dabei auch 3-D-Printing, um den ästhetischen und funktionellen Outcome zu verbessern. Im Rahmen einer Gesichtstransplantation werden Teile oder alle Gesichtsteile eines Spenders entfernt und auf das deformierte Gesicht des Empfängers transplantiert. Haut, Fett, Muskeln, Nerven, Knorpel und Knochen sind Teil dessen. Im besten Fall gelingt es, dass der Empfänger wieder sprechen, kauen und riechen kann.
Das Ergebnis wurde nun vorgestellt. “Ich bin davon total begeistert“, sagt Sandness. "Ich kann wieder kauen, normale Nahrung zu mir nehmen und auch das Gefühl im Gesicht kommt wieder zurück. Meine Selbstbewusstsein hat sich verbessert, ich fühle mich großartig. Und ich bin sehr dankbar – meinem Spender, seiner Familie und allen Menschen, die mich während dieser Zeit begleitet haben."

Das Ausmaß dieses lebensverändernden Eingriffs wurde Sandness klar, als er, drei Monate nach der Transplantation, in einem Aufzug einer Mutter mit ihrem kleinen Sohn begegnete: "Als mich der Bub ansah, danach zu seiner Mutter drehte und nicht verängstigt war, wusste ich, dass diese OP ein Erfolg ist."

Bisher umfassendste Transplantation eines Gesichts

4. August 2015, früher Morgen im „NYU Langone Medical Center“ in New York: Ein Team von mehr als 100 Ärzten, OP-Schwestern und
-Pflegern sowie OP-Assistenten und technischem Personal teilt sich auf zwei Operationssäle auf: In einem befindet sich der 26-jährige hirntote BMX-Sportler David Rodebaugh, 26, der bei einem Fahrradunfall in Brooklyn starb. Und im anderen liegt der Feuerwehrmann Patrick Hardison, 41, aus Mississippi. Er hatte im September 2001 – nur wenige Tage vor 9/11 – bei einem Einsatz schwere Gesichtsverbrennungen erlitten: Ein brennendes Hausdach war über ihm eingestürzt. 26 Stunden sind die Spezialisten im Einsatz und führen die bisher umfassendste und komplexeste Gesichtstransplantation durch. Am Morgen des 15. 8. ist es so weit: Hardison hat ein neues Gesicht.

US-Mediziner haben nach eigenen Angaben die bisher umfassendste und komplexeste Gesichtstransplantation vollführt. Dem nach einem Löscheinsatz schwer entstellten Feuerwehrmann Patrick Hardison wurden ein neues Gesicht, Kopfhaut, Ohren, Gehörgänge und Teile der Knochen von Kinn, Wangen und Nase verpflanzt, wie die Klinik NYU Langone Medical Center in New York berichtete.

Der 41-Jährige erhielt zudem Augenlider und die zugehörigen Muskeln - zuvor hatte er seine Augen nie richtig schließen können. Seit 2001 hatte er sich bereits mehr als 70 Operationen unterzogen, bevor ein Kollege von ihm an die New Yorker Spezialisten schrieb und sie um Hilfe bat.

Ein Jahr warten

Hardison musste mehr als ein Jahr warten, bis ein in Alter, Größe, Haut- und Haarfarbe passender Spender gefunden war, dessen Familie dem Eingriff zustimmte. Im August starb der 26-jährige BMX-Sportler David Rodebaugh bei einem Verkehrsunfall - und seine Mutter stimmte der Organspende zu.

Die Kosten für die aufwendige Operation und anschließende Reha übernahm das Krankenhaus.
Er sei dem Spender und dessen Familie zutiefst dankbar, erklärte Hardison. "Ich hoffe, sie können an mir sehen, wie gut ihre Entscheidung war." Den Ärzten dankte er dafür, dass sie ihm "nicht nur ein neues Gesicht, sondern ein neues Leben gegeben haben".

Die erste Gesichtstransplantation wurde im Jahr 2005 bei einer Französin vollführt, deren Gesicht von ihren Hunden zerfleischt worden war. Seither gab es eine Reihe von zunehmend komplexeren derartigen Operationen. Nachstehend eine Übersicht:

20 Transplantationen bisher weltweit

2005 In Frankreich findet die erste teilweise Gesichtstransplantation statt. Isabelle Dinoire war von ihrem Hund gebissen worden.

2010 In Barcelona wird an einem Patienten die erste vollständige Gesichtstransplantation der Welt vorgenommen.

2012 In einem 36-stündigen Eingriff verpflanzten Ärzte der Uni-Klinik von Maryland Richard Lee Norris (siehe nachstehende Bilderreihe) ein vollständiges Gesicht vom Haaransatz bis zum Hals sowie Ober- und Unterkiefer, Zähne und Zunge. Es ist die bisher umfangreichste Transplantation.

2013 Ein polnischer Steinmetz erhält die erste lebensrettende Gesichtstransplantation. Er hatte sich lebensgefährlich mit einem Steinschneider verletzt. Insgesamt gab es bisher weltweit ca. 20 Gesichtstransplantationen.

2015 In einer 27-stündigen Operation haben Ärzte in Spanien einem an schweren Fehlbildungen leidenden Patienten teilweise ein neues Gesicht eingepflanzt.

Ein Video über die Geschichte von Patrick Hardison sehen Sie hier:

Was ein österreichischer Experte sagt

Univ.-Prof. Lars-Peter Kamolz ist Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie im LKH-Univ.-Klinikum Graz.

KURIER: Wann wird eine Gesichtstransplantation in Erwägung gezogen?
Lars-Peter Kamolz: Häufig sind es Patienten mit schweren Schussverletzungen oder schweren Verbrennungen, bei denen es wirklich keine andere Möglichkeit mehr gibt, eine gute Rekonstruktion herzustellen. Bei den meisten Patienten finden wir allerdings mit konventionellen Verfahren das Auslangen , indem wir Hautlappen oder Knochenteile aus anderen Körperregionen verwenden.

Wäre so ein Eingriff auch in Österreich möglich?
In großen Zentren, wo es neben der plastischen Chirurgie auch eine Transplantationschirurgie gibt, auf jeden Fall. Wir haben uns in Graz intensiv damit befasst und hatten auch schon eine konkrete Anfrage aus dem Ausland. Auch da reichten unsere konventionellen Methoden aus. Dass in den vergangenen zehn Jahren weltweit nur etwas mehr als 20 derartige Eingriffe gemacht wurden zeigt, dass die Zahl solcher komplexer Verletzungen recht gering ist. Es sind nur die Patienten wie dieser Feuerwehrmann, die sonst kein für sie mehr lebenswertes Leben führten könnten, weil sie sich z. B. nicht mehr in die Öffentlichkeit trauen. Die Patienten müssen ja auch ein Leben lang Medikamente gegen die Abstoßung nehmen.

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