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Wissen Gesundheit Gesund
12/05/2011

Erb gut: Der Mensch wird, was er isst

Wer ungesund isst, schadet nicht nur seiner Gesundheit, sondern möglicherweise auch der seiner Nachkommen. Die Hinweise dafür mehren sich.

von Martin Burger

Kamillentee hat eine entzündungshemmende und krampflösende Wirkung. Verantwortlich dafür sind bestimmte Gruppen von Inhaltsstoffen - ätherische Öle und Flavonoide. Dieses Heilwissen stammt aus alter Zeit. Der noch relativ junge Wissenschaftszweig der Epigenetik hat nun eine neue Stoffklasse ins Auge gefasst: die Ribonukleinsäure, besser gesagt kurze Sequenzen aus RNA, die sogenannte Mikro-RNA (miRNA).

Diese aus nur 22 Bausteinen bestehenden Abschnitte gehören zu den biologisch aktivsten Molekülen. Sie können Stoffwechselvorgänge beeinflussen und enthalten überdies Erb-Information. Eine neue Studie aus dem chinesischen Journal Cell Research weiß Sensationelles zu berichten (nachzulesen unter www.wissenschaft-online.de, siehe Link am Ende des Artikels): Bei Mäusen, die mit einem Nahrungsmittel (Reis) gefüttert wurden, wird der Cholesterinspiegel durch die aufgenommene miRNA kontrolliert. Die Mikro-RNA aus Reis mit der Bezeichnung MIR168a lasse sich auch in der chinesischen Bevölkerung nachweisen. Univ.-Doz. Alexander Haslberger vom Institut für Ernährungswissenschaften: "Es ist bekannt, dass die Ernährung epigenetisch Gene blockieren oder freischalten kann. Neu ist, dass diese kleinen, steuernden RNA-Stücke aus der Nahrung verpackt werden und damit stabiler sind. Bisher hat man geglaubt, dass das genetische Material aus der Pflanzennahrung sofort verdaut und abgebaut wird."

Die Biochemikerin Renée Schroeder findet den Befund "toll". Nachsatz: "Wenn er stimmt. " Setzen wir das, für einen Moment, voraus: "Dann wäre vieles einfacher, es ließen sich gezielt Pflanzen für den therapeutischen Einsatz herstellen. Wir wissen ja derzeit nicht, warum etwa ein Kamillentee wirkt, wie er wirkt."

Vom Regenwurm weiß man, dass man ihn mit E. coli-Rasen füttern kann, die diese steuernde Mikro-RNA hat. "Die Sensation wäre, wenn das beim Menschen klappt."

Generationenstudie

Das ist die Frage. Um eine epigenetische Wirkung festzustellen, müsste man die Untersuchung auf vier Generationen ausdehnen. Begründung: In einer Frau sind schon als Embryo die Eizellen angelegt. Wenn eine Frau schwanger ist, empfängt das Kind bereits epigenetische Signale, etwa durch das Ernährungsverhalten der Mutter. Auch sei der eindeutige Nachweis der Mikro-RNA schwierig. Die Erklärung: Der Mensch hat über 3 Milliarden Basenpaare in seinem Erbgut. Es gibt vier verschiedene Basen. "Es ist wahrscheinlich, dass man diese 22 Nukleotide lange Sequenz findet. Aber: Ist es auch die richtige?"

Die Epigenetik hat etwas bewirkt: Die Forschung gräbt nicht mehr nach dem "Diktator-Gen" oder dem "Sucht-Gen", sondern erkennt die Rolle der Umwelt: Erfahrungen prägen das Erbgut.

Buchtipp
Renée Schroeder: Die Henne und das Ei. Residenz. 2011. Preis: 21,90 €.

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