Wissen und Gesundheit
25.10.2012

Energy-Drinks können Herz belasten

Eine 14-Jährige starb in den USA nach dem Konsum von Energy-Drinks. Auch in Österreich raten Experten zur Vorsicht.

Hol dir die Monster-Energy. Hol dir den Killergeschmack." So wird im Internet für einen Energy-Drink namens Monster geworben. In den USA wird das auch bei Jugendlichen hierzulande beliebte koffeinhaltige Getränk derzeit mit einem tatsächlichen Todesfall in Verbindung gebracht. Die US-Lebensmittelaufsicht hat Ermittlungen aufgenommen.

Die Familie von Anais Fournier, 14, macht den Hersteller für den Tod des Mädchens durch Herzstillstand verantwortlich. Am Tag davor hatte sie zwei 0,7-Liter-Dosen des Getränks konsumiert. Der Koffeingehalt entspricht 14 Cola-Flaschen derselben Größe.

Sorgloser Umgang

Als Todesursache wurden Herzrhythmusstörungen durch eine Koffein-Vergiftung festgestellt. Der Konzern weist einen Zusammenhang zurück. Nach acht Milliarden verkauften Energizern sei zum ersten Mal ein Zusammenhang mit einem Todesfall gestellt worden. Der tragische Fall sorgt auch in Österreich für Aufregung. Bei der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) beruhigt man jedoch. "Die Situation in den USA ist nicht mit der europäischen vergleichbar, auch die Gebindegrößen sind bei uns anders", sagt Sprecher Werner Windhager. In der EU gebe es Höchstgrenzen für Koffein (32 mg /100 ml).

Ernährungsexperten beklagen die Sorglosigkeit, mit der die koffeinhaltigen Getränke konsumiert werden. Dass besonders Jugendliche mit Vorbelastungen wie Übergewicht, Diabetes, Herzkrankheiten oder Verhaltensauffälligkeiten gefährdet sind, belegte 2011 eine Überblicksstudie der Universität Miami. Die Nebenwirkungen hoher Dosen dieser Getränke reichen von Herzrhythmusstörungen bis hin zum Tod. Anais Fournier litt am Ehlers-Danlos-Syndrom. Diese seltene Bindegewebserkrankung kann unter anderem auch die Herzkranzgefäße betreffen.

Schutzmechanismus

Ernährungsmediziner Maximilian Ledochowski, MedUni Innsbruck, erklärt, wie sich Energy-Getränke auf den Körper auswirken: "Wir verfügen über einen Geschmacksschutz vor giftigen Substanzen, die meist bitter sind. Den koffeinhältigen Muntermacher Guarana würden wir deshalb wohl nie pur essen." Die Beigabe von Zucker und anderen Substanzen umgehe diesen natürlichen Schutzmechanismus. So fällt die Selbstkontrolle des Organismus weg. "Energy-Drinks zielen nur darauf ab, genau diese körpereigene Kontrolle zu umgehen." In Kombination mit Alkohol verhindern die aufputschenden Drinks einen weiteren Schutzmechanismus: Einsetzende Müdigkeit soll normalerweise verhindern, sich selbst zu vergiften.

Ledochowski rät vor allem bei Kindern und Jugendlichen zur Vorsicht. "Deren Organismus ist geringer belastbar als von Erwachsenen." Er fordert eine klare Deklarationspflicht. "Im Grunde sind es Nahrungsmittel mit medikamenten­ähnlichem Charakter."