Wissen
25.02.2018

Ein Virus gegen die Karpfenplage

In Australien will die Regierung die Fische durch Krankheit dezimieren. Wissenschaftler halten den Plan für gefährlich.

Wie war das mit dem Teufel und dem Beelzebub? Australien will dem vor mehr als 160 Jahren eingeführten Karpfen mit einer umstrittenen Strategie den Garaus machen. Die Regierung plant, ein ansteckendes Herpes-Virus in Australiens größtem Flusssystem Murray-Darling-Becken im Südosten des Kontinents einzusetzen. Dort machen die Karpfen (Cyprinus carpio) 80 bis 90 Prozent der Fischmasse aus. Ziel ist es, die Zahl der Karpfen zu verringern und heimische Arten zu schützen.

Doch Wissenschaftler warnen, dieser umgerechnet knapp 10 Millionen Euro teure Plan berge Risiken. Zunächst müssten mehr Daten zu Sicherheit und Effizienz vorliegen, bevor dieses kostspielige und unumkehrbare Experiment losgehe, fordern sie in einem Beitrag im Wissenschaftsmagazin Science.

Herpes

Bei dem Erreger handelt es sich um das karpfen-spezifische Virus CyHV-3, von dem angenommen wird, dass es nicht natürlich in Australien vorkommt und Zuchtkarpfen vernichtet. Die Wirksamkeit schätzen die Wissenschaftler aber eher für gering ein. Dies zeigten bisher gewonnene Daten. So sei das Virus bei Temperaturen über 30 Grad nicht mehr ansteckend. „Infizierte Karpfen flüchten sich in wärmere Gewässer, von denen es viele in Australiens Flüssen gibt“, schreibt Jonathan Marshall von der Griffith Universität in Nathan zusammen mit Kollegen. Damit könnten sich auch infizierte Fische weiter reproduzieren. Zudem könnten sich heimische Fischarten ebenfalls infizieren.

Versehen

Ursprünglich war der Karpfen in den 1860er-Jahren für den Aufbau von Fischfarmen in Australien eingeführt worden. Eine Karpfen-Linie, die Boolara, geriet in den 1960er-Jahren dann aber aus Versehen in das Flusssystem. Seitdem vermehren sich die Fische und dominieren über heimische Arten. Karpfen können sich den Forschern zufolge sehr gut auf viele Lebensräume einstellen, und das sogar bei schlechter Wasserqualität.