Helfen E-Zigaretten beim Aufhören? Unter Experten wird das heftig diskutiert

© dpa/Marcus Brandt

Rauchstopp
12/17/2014

E-Zigaretten können beim Aufhören helfen

Cochrane-Studie lieferte leicht positive Ergebnisse, andere Experten bleiben skeptisch.

Helfen E-Zigaretten beim Weg zum Rauchstopp? Oder sind sie eher eine Art „Einstiegsdroge“ ins Rauchverhalten? Diese Diskussion ist jetzt neu aufgeflammt: Die erste Übersichtsstudie der Cochrane-Organisation zu diesem Thema analysierte insgesamt 13 frühere Studien. Darunter zwei, bei der die Teilnehmer und auch die Studienleiter nicht wussten, ob die E-Zigaretten, die die Probanden erhielten, mit Nikotin gefüllt waren oder nicht (randomisierte, doppelblinde Studie).

Ergebnis:
– Rund neun Prozent der Zigarettenraucher, die auf E-Zigaretten umgestiegen waren, konnten bis zu einem Jahr oder sogar länger mit dem Rauchen herkömmlicher Zigaretten aufhören.
– Bei Rauchern, die nikotinfreie E-Zigaretten bekamen (ohne das zu wissen, es handelte sich um die Placebogruppe) waren nur vier Prozent mit einem Ausstieg aus dem Tabakkonsum erfolgreich.

Cochrane ist ein weltweites Projekt von 30.000 Wissenschaftern, die objektive und von Interessenskonflikten freie Gesundheitsinformationen zusammentragen.

36 Prozent der E-Zigaretten-Benützer konnten die Zahl ihrer täglich gerauchten Zigaretten gegenüber früher halbieren, in der Placebo-Gruppe waren es zum Vergleich nur 28 Prozent.

Vergleich mit Pflastern

Zwei Studien verglichen E-Zigaretten mit Nikotinpflastern. Beide konnten die Zahl der Raucher in gleichem Umfang reduzieren.

Die Experten aus Großbritannien und Neuseeland betonen allerdings, dass weitere Studien notwendig sind – und dass die Beweislage bisher „niedrig“ ist. Trotzdem seien die Ergebnisse „ermutigend“, sagt Peter Hajek, einer der Studienautoren. In beiden dieser hochwertigen Studien war außerdem die Nikotinmenge, die von den Konsumenten aufgenommen wurde, nur sehr gering. Bei neueren Produkten, die eine höhere Nikotinaufnahme ermöglichen, sei deshalb möglicherweise ein größerer positiver Effekt zu erwarten, meint Hajek.

E-Zigaretten produzieren ein meist nikotinhaltiges ultrafeines Aerosol durch Verdampfen aromatisierter Lösungen.

Krebsforscher-Kritik

„Diese Cochrane-Studie hat ein sehr schwaches Ergebnis gebracht“, sagt die Heidelberger Krebsforscherin Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum. „Es gibt einfach zu wenige Studien – und viele der analysierten Untersuchungen haben methodische Mängel.“

Nicht belegt

Die Wirksamkeit der E-Zigarette für die Raucherentwöhnung sei mit diesen Daten „noch lange nicht belegt. Und die Daten reichen nicht aus, die E-Zigarette als Hilfsmittel zum Rauchstopp zu empfehlen. Dafür fehlt einfach der durchschlagende Erfolg.“ Zudem habe sich gezeigt, dass die meisten, die E-Zigaretten ausprobiert haben, Raucher herkömmlicher Zigaretten geblieben sind. So seien nur 0,4 Prozent der Deutschen Dauerkonsumenten von E-Zigaretten.

Dass die E-Zigaretten laut den Daten der Cochrane-Untersuchung den Tabakkonsum insgesamt reduzieren bzw. halbieren helfen, bringe nur einen geringen gesundheitlichen Vorteil – den man überhaupt nicht mit jenem eines kompletten Rauchstopps vergleichen könne.

Fazit der Krebsforscherin: „Die Cochrane-Studie hilft uns in Wahrheit nicht weiter. Es ist einfach eine Zwischenbilanz – nicht mehr.“

E-Zigarette

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Elektrische Zigarette

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„Eine E-Zigarette kann sicher im Einzelfall einen Rauchausstieg unterstützen – aber sie kann auch einen Einstieg fördern. Für ein endgültiges Urteil scheint es mir zu früh“, betont der Lungenfacharzt Prim. Martin Trinker, ärztlicher Direktor des Klinikum Bad Gleichenberg für Lungen- und Stoffwechselerkrankungen. „Ich will die E-Zigarette nicht verteufeln, kann aber auch noch kein grünes Licht geben.“

Nicht umsonst seien alle namhaften Tabakkonzerne mittlerweile in die Produktion und Vermarktung von E-Zigaretten involviert: „Das ist eine Geschäftsfeldausweitung.“ Zwar fallen die klassischen Verbrennungsprodukte weg, sagt Trinker: „Aber bisher ist völlig unklar, wie sich die Inhalation von E-Zigaretten langfristig gesundheitlich auswirkt.“

Verharmlosend

Dies sei besonders bedenklich, da eine verharmlosende Darstellung gerade den Einstieg von Jugendlichen zu begünstigen scheine. Ein Drittel der jugendlichen E-Zigaretten-Raucher habe zuvor keine Tabak-Zigaretten konsumiert, sagt Trinker. Zudem sei ein Studienergebnis, wonach neun Prozent der Raucher mithilfe einer E-Zigarette den Ausstieg geschafft haben, „nicht so überzeugend“. Die besten konventionellen Methoden zur Raucherentwöhnung – wie spezielle Entwöhnungsseminare – hätten eine Erfolgschance von immerhin 20 bis 25 Prozent.

Ab 1. Oktober des kommenden Jahres wird übrigens der Verkauf von E-Zigarette und E-Shishas nur noch in Trafiken erlaubt sein.

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