Wissen
07.03.2018

Drogen im Abwasser: Anstieg bei Kokain

Das europaweite Abwasser-Monitoring zeigt, was wann konsumiert wird.

Der Konsum von Kokain nimmt zu – das geht aus einem Bericht des Instituts für Gerichtliche Medizin der Meduni Innsbruck hervor. Der Gebrauch von Substanzen wie Ecstasy, Amphetamine und Methamphetamin bleibt hingegen konstant. Nachgewiesen werden die Substanzen im Rahmen eines europaweiten Abwassermonitorings. In Österreich findet dieses nur in Innsbruck statt, da derzeit nur dort die entsprechende Expertise vorliegt. Im europäischen Vergleich liegt Innsbruck im Mittelfeld der insgesamt 56 untersuchten Städte. Damit zählt die Tiroler Landeshauptstadt nicht zu den europäischen Drogenhauptstädten – das Ranking wird zum wiederholten Mal von Antwerpen, Zürich und Barcelona angeführt.

Europaweiter Anstieg

Dass die Menge an Kokain im Abwasser steigt, ist europaweit zu beobachten. Für den beobachteten Anstieg dürfte ausschlaggebend sein, dass nicht nur mehr, sondern auch reineres Kokain am Markt vorhanden ist. Diese Information basiert auf der Analyse von 190 Kokainproben der vergangenen drei Jahre. "Untermauert wird diese These auch durch Berichte des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, wonach in Kolumbien seit 2013 die Anbauflächen des Kokastrauchs und damit die Produktionsmengen an Kokain jährlich um rund 30 Prozent steigen", sagt der Leiter der Innsbrucker Gerichtsmedizin, Richard Scheithauer.

Ecstasy am Wochenende

Auf Platz zwei nach Kokain wurde Ecstasy (MDMA) nachgewiesen, gefolgt von Amphetamin. Für die Experten erfreulich sei, dass das als besonders gefährlich geltende Methamphetamin nur in sehr geringen Mengen im Abwasser vorhanden ist. Auffällig ist, dass vor allem Ecstasy bevorzugt an Wochenenden und vor Feiertagen nachgewiesen werden konnte. Das entspricht den Annahmen über den Konsum. "Ecstasy ist eine Partydroge und wird primär an Wochenenden konsumiert, wogegen Amphetamin und Kokain einerseits im Rahmen einer Abhängigkeit täglich, andererseits aufgrund ihrer leistungssteigernden Wirkung auch im Berufsleben und damit auch an Arbeitstagen unter der Woche konsumiert werden", sagt Michael Willis, Leiter des Vorarlberger Kompetenz- und Behandlungszentrum für Suchterkrankungen in Frastanz.

Die Abwasseranalyse gilt als einfaches, kostengünstiges, schnelles und zeitnahes Verfahren, um räumliche und zeitliche Trends und Entwicklungen am Drogenmarkt zu erkennen. Ziel der Innsbrucker Experten ist, dass das Monitoring auch auf andere österreichische Städte ausgeweitet wird.