Zu viel Zucker ist problematisch – zu wenig aber auch, weiß Dirk Stermann. Für einen neuen TV-Spot schlüpfte der Kabarettist in die Rolle eines Zuckerlverkäufers

© /Veronika Kub

Diabetes
10/27/2014

Zucker kann Leben retten

Eine neue Kampagne mit Dirk Stermann soll über die Gefahr einer Unterzuckerung aufklären.

von Julia Pfligl

Ein Kabarettist in einem TV-Spot über Diabetes – das erscheint auf den ersten Blick ein wenig ungewöhnlich. Dabei hat Dirk Stermann, Moderator von "Willkommen Österreich", schon lange mit der Zuckerkrankheit zu tun: Seine Tochter Hannah (22) ist Typ-1-Diabetikerin.

Die Psychologiestudentin war zwölf, als sie plötzlich die typischen Symptome aufwies, berichtet ihr Vater. "Sie war müde und niedergeschlagen, sehr dürr, ist ständig aufs Klo gerannt (starker Durst ist ein Anzeichen für Diabetes, Anm.)." Die Eltern ließen einen Bluttest machen. Diagnose: Kinder- und Jugenddiabetes. Nur fünf bis zehn Prozent der Diabetes-Patienten sind vom Typ 1 betroffen, in Österreich sind das nach Angaben der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) etwa 50.000 Personen.

Schockdiagnose

"Momentan war es dramatisch", erinnert sich Stermann an die Diagnose. "Man weiß ja wenig über die Krankheit. Ich hab mich eingelesen, Hannah auch. Sie hatte von Anfang an Vertrauen in ihre Ärzte." Heute kommt seine Tochter "gut klar", erzählt der 45-Jährige. "Hannah hat das super im Griff. Sie hat eine Pumpe, die rund um die Uhr kleine Mengen Insulin abgibt. Das vereinfacht vieles."

Aus diesem Grund zögerte Stermann keine Sekunde, im Aufklärungsspot "Face Diabetes" mitzuspielen. Die Kampagne anlässlich des Weltdiabetestags am 14. November will auf die oft unterschätzte Gefahr der Unterzuckerung aufmerksam machen. "Die Idee für den Spot fand ich sofort klug und sinnvoll. Unterzuckerung ist ein großes Problem bei Diabetes", so Stermann während einer Drehpause im Zuckerlgeschäft "Bonbons" in der Wiener Neubaugasse.

Ursachen

Die Internistin Claudia Francesconi, Vorstandsmitglied der ÖDG, ist froh, dass dem Thema Unterzuckerung (Hypoglykämie) Aufmerksamkeit geschenkt wird. "Unterzuckerungen vermitteln ein Gefühl der Hilflosigkeit. Sie können u. a. zu Herzrhythmusstörungen führen und sogar tödlich enden." Ziel des Spots, der am 2. November auf Sendung geht, sei es, aufzuzeigen, dass es Unterzuckerung bei Diabetes überhaupt gibt, erläutert Francesconi. "Und sie zu erkennen und richtig zu reagieren."

Unterzuckerung ist die häufigste akute Komplikation bei Diabetes – vor allem bei Patienten, die Insulin spritzen. Fällt der Blutzuckerwert unter eine bestimmte Schwelle, beginnt der Betroffene zu schwitzen und zu zittern, wird schwach und hungrig. Ursachen gibt es viele: das Vergessen einer Mahlzeit, Sport, Alkohol, Gewichtsabnahme oder zu viele blutzuckersenkende Tabletten.

Francesconi betont, wie wichtig rasches Handeln im Falle eines "Hypos" ist: "Die einzig richtige Maßnahme ist die Zufuhr von rasch resorbierbaren Kohlehydraten: Traubenzucker, Orangensaft oder Cola. Nicht geeignet sind Schnitten, Kekse, Pralinen, Mehlspeisen, Brot. Sie werden viel zu langsam aufgenommen, sodass der Zucker weiter sinkt, statt zu steigen." Auf jeden Fall sollten Diabetiker für den Notfall immer ein Stück Traubenzucker bei sich haben.

Auch Dirk Stermann hat seiner Tochter schon Traubenzucker verabreicht. Und ihr damit vielleicht das Leben gerettet. "Die Leute brauchen Hilfe, wenn sie unterzuckert sind. Es ist so einfach, etwas dagegen zu tun – wenn man richtig informiert ist."

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