© dpa/Felix Kästle

WHO
10/29/2015

Die vollständige Krebs-Liste: 116 Risikofaktoren

Fleisch ist nur einer der bisher genannten Krebserreger. Auf der WHO-Liste sind noch 115 weitere.

Diese Woche sorgte die Weltgesundheitsorganisation WHO für Aufsehen: Wurst und rotes Fleisch wie Schweine- oder Rindfleisch sei wahrscheinlich krebserregend. Der Verzehr von verarbeiteten Fleischprodukten begünstige Darmkrebs, verkündete die zur WHO gehörende internationale Krebsforschungsagentur (IARC). Tatsächlich ist rotes Fleisch „nur“ eines von 116 Karzinogenen auf der Liste der Dinge, die krebserregend sind.

Die insgesamt 116 Substanzen und Aktivitäten lassen sich in drei Gruppen einteilen: „Situationen, in denen man dem Karzinogen ausgesetzt ist“, „Mixturen“ und „Stoffe“.

Situationen, in denen man Karzinogenen ausgesetzt ist

1. Tabakrauch: Der häufigste Weg wie Tabakrauch eingeatmet wird, ist über das Rauchen von Zigaretten. Das kann zumindest 14 Krebsarten begünstigen, insbesondere Lungenkrebs. Aber auch Passivrauchen erhöht das Krebsrisiko (siehe Punkt 13).

2. Solarien: Die ultraviolette Strahlung im Solarium sorgt nicht nur für braune Haut, sondern kann Menschen auch zu sehr UV-Strahlung aussetzen. Das kann Hautkrebs verursachen sowie frühzeitige Hautalterung.

3. Aluminiumproduktion: Arbeiter, die in der Aluminiumproduktion Dämpfen ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko für Lungen- und Blasenkrebs.

4. Arsen im Trinkwasser: Gelangt die giftige Chemikalie ins Trinkwasser, insbesondere ins Grundwasser, erhöht das das Risiko für Hautkrebs sowie Leber-, Lungen-, Nieren- und Blasenkrebs. Arsen wird etwa für die Herstellung bestimmte Legierungen benötigt.

5. Auraminproduktion: Der Farbstoff Auramin kann bei jenen, die damit arbeiten, das Auftreten von Blasenkrebs erhöhen. In der Verarbeitung können schädliche Stoffe eingeatmet werden.

6. Schuhherstellung und -reparatur: Ein erhöhtes Risiko für Nasenkrebs und Leukämie haben jene, die in starkem Ausmaß Lederdämpfen ausgesetzt sind.

7. Schornstein fegen: Der Name „Schornsteinfegerkrebs“ kommt nicht von ungefähr – die Kehrer sind einer Vielzahl gefährlicher Chemikalien und Substanzen ausgesetzt, darunter karzinogene Metalle wie Arsen, Nickel und Chrom sowie giftige Mineralien wie Asbest.

8. Kohlevergasung: Arbeiter, die Kohlevergasung ausgesetzt sind, wenn also Kohle mit Sauerstoff, Kohlendioxid und Wasserdampf reagiert und ein Gas entsteht, haben ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko.

9. Kohlenteer-Destillation: Kohlenteer ist eine zähe, schwarze Flüssigkeit, die nach der Destillation von Kohlenteer übrig bleibt. Diese wird als Basis für Lacke und Farben, für Straßenpflaster, als Bindemittel für Asphalt und beim Dachdecken verwendet. Wer in der Herstellung arbeitet, hat ein erhöhtes Hautkrebsrisiko. (siehe Punkt 18)

10. Steinkohlenkoksproduktion: Arbeiter in der Koksproduktion haben ein erhöhtes Risiko für Lungen- und Leberkrebs.

11. Möbelbauer: Holzdämpfe erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Nasenkrebs.

12. Abbau von Roteisenerz (Hämatit): Arbeiter, die Hämatit abbauen, eine Quelle für Eisen, sind dem radioaktiven Kanzerogen Radon ausgesetzt – das erhöht ihr Lungenkrebsrisiko.

13. Passivrauchen: Das Risiko eines Nichtrauchers für Lungenkrebs erhöht sich um ein Viertel, wenn er den Rauch anderer einatmet. Auch andere Krebsarten sowie Herzkrankheiten, Schlaganfall und die Lungenkrankheit COPD können durchPassivrauchenausgelöst werden.

14. Eisen- und Metallgießen: Arbeiter, die Eisen und Metall gießen, sind einer Vielzahl von schädigenden Substanzen ausgesetzt. Sie haben ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.

15. Herstellung von Isopropanol, auch 2-Propanol: Menschen, die in diesem Bereich arbeiten erkranken häufiger an Krebs in den Nasennebenhöhlen sowie Kehlkopfkrebs. Die farblose Substanz kommt in einer Reihe von Anwendungen in der Industrie, im Haushalt sowie der Pharmazie zum Einsatz.

16. Herstellung von Magenta-Färbemittel: Der rot-violette Farbstoff enthält Chemikalien, die mit Blasenkrebs in Zusammenhang stehen.

17. Maler und Anstreicher: Manche Arbeitsbereiche von Malern, insbesondere Holzlacke und Beizen, erhöhen das Risiko für Lungenkrebs.

18. Pflastern und Dachdecken mit Kohlenteer: Wer mit Steinkohlenteer arbeitet ist zahlreichen chemischen Verbindungen ausgesetzt, die Haut-, Lungen-, Blasen- und Nierenkrebs sowie Krebs im Verdauungstrakt verursachen können.

19. Gummiindustrie: Wer mit Gummi arbeitet, hat ein erhöhtes Risiko für Blasen- und Lungenkrebs sowie Leukämie. Auch andere Krebsarten sind häufig.

20. Stark anorganische Säurenebel, die Schwefelsäure enthalten: Arbeitet man beruflich mit diesen Substanzen hat man laut IARC ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.

Karzinogene Mixturen

21. Natürlich auftretende Mischungen von Aflatoxinen: Diese Gifte werden von bestimmten Pilzarten produziert und sind mit einem erhöhten Leberkrebsrisiko assoziiert.

22. Alkoholische Getränke: Der Konsum von alkoholischen Getränken kann Brustkrebs, Darmkrebsarten, Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs, Mundhöhlenkrebs und Rachenhöhlenkrebs auslösen.

23. Betelnüsse: Der Konsum von Betelnüssen gilt als mildes Stimulans, mit ähnlichen Wirkungen wie Alkohol. Er sorgt für Wohlbefinden und dämpft den Appetit. Dies sorgt für ein erhöhtes Risiko von Mundhöhlen- und Speiseröhrenkrebs.

24. Betelkautabak ohne Tabak

25. Betelkautabak mit Tabak

26. Kohlenteer-Anstrich

27. Kohlenteer

28. Emissionen von Kohlenteer, die im Inneren von Räumen eingeatmet werden

29. Diesel-Abgase

30. Mineralöle, unbehandelt und mild behandelt

31. Phenacetin, ein Schmerz- und fiebersenkendes Mittel, das bereits in einigen Ländern verboten ist

32. Pflanzen, die Aristolochiasäuren enthalten. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die z.B. in Pfeifenblumen, Haselwurzen und anderen Gattungen enthalten sind. Sie werden in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten verwendet.

33. Polychlorierte Biphenyle (PCB): Das sind giftige organische Chlorverbindungen, die bis in die 1980er in Transformatoren, elektrischen Kondensatoren, in Hydraulikanlagen als Hydraulikflüssigkeit sowie als Weichmacher in Lacken, Isoliermitteln, Kunststoffen und Dichtungsmassen eingesetzt wurden. Sie zählen zum „Dreckigen Dutzend“, zwölf Stoffen,d ie 2001 weltweit verboten wurden.

34. Gepökeltes: Beruht die Ernährung stark auf salz-gepökeltem Fleisch und Fisch oder in Essig Eingelegtes kann das das Krebsrisiko erhöhen. Diese Nahrungsmittel können zu einem großen Anteil Nitrate und Nitrite enthalten, deren Reagenzien im Körper die DNA schädigen können.

35. Schieferöl: Die Gewinnung von Schiefergas, Fracking inkludiert, kann giftige Chemikalien in die Luft, in Wasser und den Boden freisetzen. Chemikalien, die beim Fracking verwendet werden, sind bereits wegen ihres erhöhten Krebsrisikos in die Aufmerksamkeit geraten.

36. Ruß

37. Rauchfreie Tabakprodukte wie Kautabak

38. Holzstaub

39. Verarbeitetes Fleisch: Schinken, Speck oder Würstel – Fleisch, das in irgendeiner Art verarbeitet ist, entweder um es haltbarer zu machen oder für den Geschmack wurde von der WHO als genauso gefährlich eingestuft wie Tabak.

Karzinogene Stoffe

40. Acetaldehyd

41. 4-Aminobiphenyl

42. Aristolochiasäuren und Pflanzen, die sie enthalten

43. Arsen und seine Komponenten 44. Asbest

45. Azathioprin

46. Benzol

47. Benzidin

48. Benzo(a)pyren

49. Beryllium und seine Komponenten

50. Chlornapazin

51. Bis(chloromethyl)ether

52. (Chlormethyl)methylether

53. 1,3-Butadien

54. Busulphan, Myleran

55. Cadmium und seine Komponenten

56. Chlorambucil

57. Methyl-CCNU (1-(2-Chloroethyl)-3-(4-methylcyclohexyl)-1-nitrosourea; Semustin)

58. Chrom (VI) Komponenten

59. Ciclosporin

60. Hormonelle Verhütungsmittel, die sowohl Östrogen als auch Progesteron enthalten

61. Verhütungsmittel, die sequenzielle Formen hormoneller Verhütung beinhalten (eine Periode mit nur Östrogen gefolgt von einer Periode Östrogen und Progesteron)

62. Cyclophosphamid

63. Diethylstilboestrol

64. Farbstoffe, die zu Benzidin metabolisieren

65. Epstein-Barr Virus

66. Nonsteroidale Östrogene

67. Steroidale Östrogene

68. Postmenopausale Östrogentherapie

69. Ethanol in alkoholischen Getränken

70. Erionit

71. Ethylenoxid

72. Etoposid alleine und in Kombination mit Cisplatin and Bleomycin

73. Formaldehyd

74. Galliumarsenid

75. Infektion mit Helicobacter pylori (Bakterien)

76. Chronische Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus

77. Chronische Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus

78. Pflanzliche Heilmittel, die Pflanzen der Gattung Aristolochia enthalten

79. Infektion mit HIV

80. Humanes Papillomavirus Typ 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59 und 66

81. Humanes T-lymphotropes Virus

82. Melphalan

83. Methoxsalen (8-Methoxypsoralen) plus ultraviolette A-Strahlung

84. 4,4’-methylene-bis(2-chloroaniline) (MOCA)

85. MOPP und andere kombinierte Chemotherapie inklusive Alkylierungsmittel

86. Senfgas

87. 2-Naphthylamin

88. Neutronenstahlung

89. Nickelkomponenten

90. 4-(N-Nitrosomethylamino)-1-(3-pyridyl)-1-butanone (NNK)

91. N-Nitrosonornicotine (NNN)

92. Infektion mit Opisthorchis viverrini

93. Luftverschmutzung

94. Feinstaub in der Außenluft

95. Phosphorus-32

96. Plutonium-239 und seine Zerfallsprodukte

97. Radonzerfallsprodukte, von Atomunfällen und nuklearen Waffen

98. Radionuclide, α-Partikel-emittierend, intern hinterlegt

99. Radionuclide, β- Partikel-emittierend, intern hinterlegt

100. Radium-224 und seine Zerfallsprodukte

101. Radium-226 und seine Zerfallsprodukte

102. Radium-228 und seine Zerfallsprodukte

103. Radon-222 und seine Zerfallsprodukte

104. Infektion mit den Saugwürmern Schistosoma haematobium

105. Kristalline Kieselsäure (in der Form von Quarz oder Cristobalit am Arbeitsplatz eingeatmet )

106. Sonnenstrahlung

107. Talkum, das asbestiforme Fasern enthält

108. Tamoxifen

109. 2,3,7,8-tetrachlorodibenzo-para-dioxin

110. Thiotepa (1,1’,1”-phosphinothioylidynetrisaziridin)

111. Thorium-232 und seine Zerfallprodukte, intravenös als kolloidale Dispersion von Thorium-232-Dioxid verabreicht

112. Treosulfan

113. Ortho-Toluidine

114. Vinylchlorid

115. Ultraviolette Strahlung

116. Röntgenstrahlung und Gamma-Strahlen

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