Wissen und Gesundheit
11.10.2016

Die NSA der Tumorzellen

Ein Blick in die Krebszellen mit bisher nicht gekannter Genauigkeit soll zu neuen Therapien führen.

Es ist ein ästhetisches Bild – aber es bleibt ein Tumor: Ein ansprechendes Blau zieht sich über den Bildschirm – es sind Krebszellen einer Gewebeprobe, dazwischen braune Einsprengseln, Abwehrzellen, die aber vom Tumor lahmgelegt sind. Das Computerprogramm der Wiener Firma TissueGnostics ermöglicht es, zu analysieren: Wo in der Probe ist die Zahl der Krebszellen besonders hoch? Wo sind wie viele Abwehrzellen?

Ein neues Forschungszentrum der Medizinischen Universitäten Wien und Graz (CBmed: Center for Biomarker Research in Medicine, n Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft und unterstützt durch die FFG , Österr. Forschungsförderungsgesellschaft) – hat ein Ziel: Den Erfolg von Krebstherapien zu erhöhen. Montag wurden die neuen Labors an der MedUni Wien der Öffentlichkeit präsentiert. Diese Forschung ist mit ein Grund dafür, dass die MedUni Wien in einem neuen Ranking im klinischen Bereich auf Platz 24 der besten "Medical Schools" in Europa liegt und weltweit bereits auf Platz 65.
Molekularbiologe Rudolf Oehler grenzt einen Bereich auf dem Bildschirm ein: "Wir entwickeln eine Methode, die Zellen aus bestimmten Tumorteilen zu extrahieren." Das soll einmal so weit möglich sein, dass sogar einzelne der Milliarden Tumorzellen analysiert werden können: Auf der Suche nach Biomarkern – messbaren Einheiten wie etwa bestimmte Proteine (Eiweiße), die Aussagen über die Beschaffenheit des Tumors ermöglichen. "Wir versuchen, die NSA (US-Geheimdienst, Anm.) der Tumorzellen zu sein", so Oehler, "und in jede Zelle hineinzublicken".

"Heute schaut man sich vorwiegend Veränderungen der Gene an", erklärt der Pathologe Lukas Kenner. "Aber die Gene sind nur die Noten. Die Musik machen die Proteine, die Substanzen, für dessen Produktion die Gene verantwortlich sind."

"Viel ist von neuen Krebstherapien die Rede", sagt Radiochemiker Wolfgang Wadsak, Koordinator des Cbmed in Wien. "Aber sie wirken nur bei einem Teil der Patienten." Deshalb arbeite man daran, neue Biomarker, Kennzeichen der Tumore, zu entdecken, die z.B. eine Vorhersage ermöglichen, ob ein Patient auf eine Therapie anspricht oder nicht. Gleichzeitig könnten solche Biomarker auch Zielsubstanzen für neue Therapien sein: "Wir können sie mit einer schwach radioaktiven Substanz markieren und so ihren Weg im Körper verfolgen. Anti-Krebs-Wirkstoffe könnten, wie ein Schlüssel zum Schloss, an solche Proteine andocken und effiziente Krebsbekämpfung ermöglichen."

Mehr Informationen: www.cbmed.at, www.ffg.at