Wissen und Gesundheit
29.01.2015

Die Kreuzband-Operation nach Maß

Knieverletzungen sind in der Skisaison an der Tagesordnung. In Speising arbeitet man patientenorientiert.

Ein flotter Schwung, ein Schnalzen, ein Schmerz. Nicht selten endet ein schöner Skitag im Krankenhaus mit einem Riss des vorderen Kreuzbandes. In Österreich werden pro Saison rund 10.000 dieser Verletzungen diagnostiziert und behandelt. Allein am Arlberg rückt jeder verfügbare Hubschrauber bis zu fünf Mal täglich aus.

Knieverletzungen sind dabei die häufigste Folge eines Unfalls oder Sturzes. Die Unfallabteilungen der umliegenden Spitäler sind jedenfalls gut frequentiert.

Altbekannt und neu

Im Orthopädischen Spital in Wien-Speising ist das Team für rekonstruktive Kniechirurgie und Sportorthopädie unter anderem auf Kreuzband-Operationen spezialisiert. Es hat vor Kurzem erstmals eine weitere Operations-Methode publiziert, die schon seit Längerem erfolgreich zum Einsatz kommt.

Dabei wird das noch vorhandene, gerissene Kreuzband mit Dübeln im Gelenk fixiert. Oberarzt Michael Enenkel über den Vorteil der Methode: "Dadurch behält man sein eigenes Kreuzband und muss keine andere Sehne als Transplantat opfern. Allerdings können wir sie nur dann anwenden, wenn das Kreuzband nach dem Riss noch gut erhalten ist."

Alle anderen Patienten bekommen ihre individuelle, für sie maßgeschneiderte OP-Methode. Dabei wird zwischen Spitzen- und Breitensportlern kein Unterschied gemacht. "Sicher nicht bei der Operation. Da gilt für alle, dass die jeweils beste Methode angewendet werden soll. In der Nachbehandlung gibt es freilich Unterschiede, da Spitzensportler sehr schnell wieder ihrem Beruf nachgehen wollen. Dadurch wird die Betreuung danach intensiver, es schließt nach dem allgemeinen Physiotherapieteil noch eine sportartspezifische Nachbehandlung an. Generell gilt bei uns aber, dass wir patientenorientiert denken und arbeiten."

Sowohl Profi-Skifahrer als auch Fußballer werden immer wieder durch Knieverletzungen aus der Bahn geworfen. Mit David Alaba (Innenband und Meniskus) hat man einen prominenten Fall beleuchten können. Er ist jedenfalls nach seiner Verletzung bereits wieder voll im Training bei den Bayern.

Um Profisportler mit Knieverletzungen ging es vor Kurzem beim Symposium Back to Sports in Speising . Die spezielle Herausforderung: Sie sollen schnell wieder zurück aufs Feld oder auf die Piste. Dabei wurden nicht nur die verschiedenen OP-Methoden vorgestellt, sondern auch Nachbetreuung und Prävention thematisiert. Und da gilt auch für Breitensportler: Gezielter Muskelaufbau hilft, Verletzungen zu vermeiden. Nach einem Eingriff stellt Physiotherapie die Beweglichkeit wieder her. Danach folgt Muskelaufbau.

Oberarzt Michael Enenkel, früher selbst Fußballer und jahrelang Skilehrer sowie aktuell als Arzt für die Nachwuchskicker einiger ÖFB-Auswahlen zuständig, über die spezielle Behandlungsmethode im Orthopädischen Spital in Speising.

Was ist an der Kreuzband-Operation mit Dübeln besonders?
Michael Enenkel: Es geht uns nicht um eine spezielle Operationsart, es gibt ja verschiedene. Wichtig ist, dass die Methode bei uns individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt wird. Jeder soll das für ihn Beste erhalten.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch konkret?
Man kann mögliche Probleme dadurch minimieren. Nehmen wir einen Fliesenleger. Bei dem wird man keine Naht über die Patellasehne machen, da er eine kniende Arbeit hat. Bei einer Kampfsportlerin wiederum, die mit dem Knie oft nach innen wegknickt, wird man keine Sehne des hinteren Oberschenkels als Kreuzbandersatz nehmen, da diese die Innenseite des Knies zusätzlich stabilisiert. Und bei einem Kind wird man keine Fixation des Kreuzbandtransplantates über die Wachstumsfuge machen.

Wann ist die Methode mit der Dübelfixation des eigenen Kreuzbandes sinnvoll?
Wenn das Kreuzband als ganzes ausgerissen und noch intakt ist, was leider aber nur sehr selten der Fall ist. Die Methode ist grundsätzlich nicht neu, wurde in der Vergangenheit auch schon oft praktiziert.