Manuela Peischl, laufen nach Schlaganfall

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Wissen und Gesundheit
10/01/2016

Die Frau, die ihrem Schlagerl davonlief

Die Wienerin Manuela Peischl wurde rechzeitig versorgt. Heute lacht sie bei Volksläufen wieder vom Siegerpodest.

Weiter laufen – das war ihr zweiter Gedanke. Der erste Gedanke an diesem Sonntagnachmittag in der Stroke unit (Schlaganfall-Station) im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien-Leopoldstadt war: Bitte holt mich hier raus.

Manuela Peischl, 44, ist eine außergewöhnliche Sportlerin und zugleich ein medizinisches Phänomen. Doch der Reihe nach: Mit 30 entdeckte die Mutter von damals zwei kleinen Kindern in einer Langsamlauf-Gruppe am Maurer Berg ihr Talent und eine echte Leidenschaft.

Ein fataler Sonntag

Mit 44 lächelt sie regelmäßig vom Siegerpodest bei Volksläufen im Wiener Prater und nicht nur dort. Erste in ihrer Altersklasse, Zweite in der Damen-Gesamtwertung, das war das Standardergebnis. Auch bei jenem 5-Kilometer-Lauf an einem Sonntag Mitte April, den sie mit einer für sie relativ unbefriedigenden Zeit gewonnen hat.

"Angefangen hat es bei Kilometer 1,3", erinnert sich die passionierte Läuferin heute. "Da habe ich so ein Kribbeln in meinem linken Arm gespürt". Mit Lockerungsübungen versuchte sie, das Kribbeln loszuwerden. "Doch es wurde nicht besser."

Bei Kilometer 4,0 begann es auch im linken Fuß zu kribbeln. "Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr sicher auftreten kann", erzählt Manuela Peischl heute. Irgendwie hat sie aber ihren Vorsprung ins Ziel gerettet.

Dort tippte der Dienst habende Sanitäter zunächst auf eine Elektrolyt-Entgleisung, in der routinierten, aber vorschnellen Annahme, es mit einer untrainierten Hobbyläuferin zu tun zu haben, die sich selbst überfordert hat. Doch da war die Läuferin schon Patientin. Wenig später brach sie auf dem Siegerpodest zusammen. Und genau an dieser Stelle beginnt das Glück im Lebenslauf von Manuela Peischl. Es war ein Telefonat des Sanitäters mit ihrer Tochter, einer diplomierten Krankenschwester, das ihr ihre Gesundheit und vielleicht noch viel mehr rettete.

Die Rettung kam sofort. Und die Ärzte von der Schlaganfallabteilung diagnostizierten schnell und routiniert einen leichten Schlaganfall. "Das war für mich ein Gefühl wie von 100 auf 0. Gerade bin ich noch im Prater gelaufen, und jetzt lag ich hilflos in einem Notfall-Bett und war an Schläuchl’n angehängt."

Von 0 auf 100

Ihre Tochter, eine gute medizinische Versorgung in Wien und vor allem ihre außergewöhnliche Fitness haben die Volksläuferin vor einem gröberen Einschnitt in ihrem Leben bewahrt. Mit einer leichten Lähmung im Gesicht konnte sie fünf Tage nach dem Schlaganfall aus dem Spital entlassen werden.

Weitere fünf Tage später begann Peischl wieder mit dem Laufen. "Zum Missfallen meiner Familie und auch gegen den ärztlichen Rat, aber ich konnte nicht anders. Laufen ist nun einmal mein Lebenselixier. Das gehört für mich dazu wie das Essen, das Trinken oder das Zähneputzen."

Und damit jetzt ja keine Missverständnisse entstehen können, betont die Angestellte in einem Wiener Fitnessbetrieb im Gespräch mit dem KURIER mehrfach: "Ich hatte nur einen leichten Schlaganfall. Daher kann ich kein Vorbild sein für jene Menschen, die es härter getroffen hat. Es muss jeder seinen eigenen Weg finden."

Ihr Weg führte jedenfalls zurück auf die Laufbahn: "Mir persönlich hat der Sport sehr geholfen, wieder körperlich und auch mental fit zu werden." Medikamente schlucken und an Bewegungsmangel leiden, das wollte sie nicht. Inzwischen nimmt sie auch wieder an Laufveranstaltungen teil. So als wäre ihr im Frühjahr nichts passiert: als Erste in ihrer Altersklasse und Zweite insgesamt.

Wie ein Schlaganfall erkannt und behandelt werden kann

Ein „Schlagerl“: So wird der Schlaganfall im Volksmund fast ein wenig verniedlicht. Dabei kommt es durch den Verschluss oder das Platzen einer Gehirnarterie zu einer Durchblutungsstörung des Gehirns. Nervenzellen werden geschädigt und sterben ab.

Ein Schlagerl kann jeden treffen. In Österreich erleiden rund 25.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. Rund fünf Prozent der Betroffenen sind jünger als 45 Jahre. In 38 Krankenhäusern österreichweit gibt es eigene Stroke-Units. Dort können die Betroffenen rund um die Uhr behandelt und auch überwacht werden.

Die Zeit entscheidet

Der Schlaganfall zählt zu den Notfällen, bei denen Zeit eine enorm wichtige Rolle spielt. Denn die ersten vier Stunden danach entscheiden über langfristige Folgeschäden. In diesem Zeitraum ist eine entsprechende Therapie (eine medikamentöse Auflösung des Gefäßverschlusses oder eine minimal-operative Wiedereröffnung des betroffenen Gefäßes) am effizientesten, so die Mediziner.

Laut Umfrage des Arbeitersamariterbunds (ASBÖ) kennt ein Drittel der Österreicher die häufigsten Schlaganfallsymptome nicht. Der ASBÖ propagiert daher den international gängigen und leicht verständlichen F-A-S-T-Test, der von US-Medizinern für Laien erstellt wurde. F-A-S-T steht für schnell bzw. für Face-Arms-Speech-Time, zu Deutsch: Gesicht-Arme-Sprache-Zeit. So sind eine erschlaffte Gesichtshälfte, kraftlose Arme und Sprachstörungen deutliche Anzeichen für einen akuten Notfall, der so rasch wie möglich behandelt werden muss.

Richtlinien für Laienhelfer

1. Sofort den Notarzt rufen oder einen Notruf veranlassen.

2. Beengende Kleidungsstücke lockern, Fenster öffnen.

3. Oberkörper mit 30 Grad hochlagern. Bei Übelkeit bzw. Erbrechen in Seitenlage bringen.

4. Evtl. Zahnprothesen entfernen.

5. Puls-/Herzschlag kontrollieren.

6. Atemwege freihalten.

Impulse für Interessierte

Gesund bewegen, regelmäßig, ein Leben lang. Beispiele und Impulse dafür bietet ein Abend mit Manuela Peischl und dem Sportwissenschafter Günter Schagerl von der ASKÖ Bundesorganisation am Dienstag, 11. Oktober, ab 18.30 Uhr im ASKÖ-WAT-Seminarraum, Treffpunkt ist vor dem Haupt-

Eingang zum Dusika-Stadion.

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl (15) ist eine Anmeldung per eMail unter guenter.schagerl@askoe.at oder telefonisch unter 0676 / 84 74 64–12 unbedingt erforderlich.