Erforscht die Signalwege im Gehirn: Neurowissenschaftler Peter Jonas

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Wittgenstein-Preis 2016
06/13/2016

Der Austro-Nobelpreis geht an Peter Jonas

Der Neurowissenschaftler vom IST Austria erhält den wichtigsten Forschungspreis Österreichs - 1,5 Millionen Euro, die in seine Forschung fließen müssen.

von Susanne Mauthner-Weber

„Etwas unruhig“ habe er geschlafen, gesteht Peter Jonas. Kein Wunder – der Mann weiß seit Samstag Nachmittag, dass er um 1,5 Millionen Euro reicher ist. Der Neurowissenschafter ist der Wittgenstein-Preisträger 2016.
Allein in den vergangenen Monaten gibt es im Lebenslauf des gebürtigen Deutschen, der 2010 an das Institute of Science and Technology (IST) Austria in Gugging gekommen ist, Publikationen in den renommiertesten Wissenschaftsmagazinen und einen ERC-Grant (hochdodierter Forschungspreis der EU).
Und jetzt eben der Wittgensteinpreis – Österreichs höchsten Wissenschaftsförderpreis (gern auch als Austro-Nobelpreis bezeichnet). Er wurde nach dem Wiener Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889 bis 1951, Bild unten) benannt.

Potenzielle Preisträger werden von Rektoren, ÖAW-Präsidenten und ehemaligen Wittgenstein-Preisträgern etc. nominiert. Selbstnominierungen sind ausgeschlossen. Die Mittel - bereitgestellt von Wissenschaftsministerium und Forschungsförderungsfonds (FWF) - sind, anders als beim Nobelpreis, streng gewidmet und müssen – aufgeteilt auf die nächsten fünf Jahre – in die Forschung fließen.

Job-Garant

Das Geld ist gut investiert, weil ein Wittgenstein-Preisträger durchschnittlich 15 Mitarbeiter im Rahmen seiner Projekte beschäftigt. Dadurch wurden schon mehr als 1000 höchstqualifizierte Stellen für Nachwuchsforscher geschaffen.
Für Jonas ist die Zuerkennung des wichtigsten österreichischen Forschungspreises „etwas ganz Besonderes. Aber auch eine besondere Verpflichtung.“

Zur Person

Geboren 1961 in Darmstadt, führten den zweifachen Vater Stationen an der Universität Gießen, am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg, der Technischen Universität München und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg schließlich ans IST.
Preiswürdig erschien der renommierte Neurowissenschaftler, der seit 2006 auch den deutschen Leibniz-Preis sein Eigen nennen darf, der internationalen Jury deshalb, weil er über die Jahre immer mehr Licht in die Funktionsweise des Gehirns bringt. Seine Forschungsgruppe arbeitet daran wie die Kommunikationsstellen im Gehirn, die so genannten Synapsen (Bild unten), arbeiten.

"Eine der zentralen Fragen in unserer Arbeitsgruppe ist es, herauszufinden, wie genau die Signalübertragung funktioniert“, erzählt er. „Lernen und Gedächtnis passiert ja an den Synapsen. Und das ist eine ganz spannende Frage in den Neurowissenschaften.“
Jonas’ Experimente sind deshalb so interessant, weil man diese speziellen Schaltzellen in einem Versuchstier aktivieren kann; oder hemmen; und beobachten, wie sich das Verhalten ändert. Sie spielen sowohl beim Lernen eine Rolle, als auch bei Gehirnkrankheiten wie der Epilepsie.
Mit sogenannten „optogenetischen Schaltern“, also genetisch veränderten Proteinen, die durch Laserlicht an- oder abgeknipst werden, könne man diese Nervenzellen seit neuestem sogar gezielt in Versuchstieren stimulieren oder abschalten, und beobachten, wie sich eine solche Manipulation auf das Verhalten auswirkt. Damit dient die Forschung an diesen Nervenzellen dazu, eine der großen Fragen der Neurobiologie zu analysieren: den Zusammenhang von so unterschiedlichen Ebenen wie Zell-Funktion und Verhalten.

Die Pläne

In diesem Punkt hofft Jonas, mit den jetzt gewonnen Mittel bis zum Ende des Wittgenstein-Projektes weiter voran zu kommen: „Es gibt jetzt neue Techniken – Optogenetik und elektronenmikroskopische Analyse –, die uns einen Schritt weiterbringen könnten. Da wollen wir uns einzelne Synapsen anschauen – und im Idealfall wie in einem Film sehen, wie Lernen passiert“, erzählt er, was er mit den Mittel vor hat.
„Da braucht man schon entsprechende Geräte. Ein Teil des Geldes wird in diese Richtung fließen.“ Und natürlich auch in das eine oder andere besonders ambitionierte Forschungsvorhaben: „Wenn Sie bedenken, dass die Signalübertragung durch die Synapsen im Gehirn in Millisekunden abläuft und wir das Wie erforschen wollen, ist das schon ambitioniert. Manche würden sagen verrückt.“

Das Interview mit dem neuen Wittgenstein-Preisträger lesen Sie im Print-KURIER vom Dienstag.

Unter den Wittgenstein-Preisträgern sind unter anderen

der Molekularbiologe Josef Penninger (2014),

der Computerwissenschafter Thomas Henzinger (2012),

der Meeresbiologe Gerhard J. Herndl (2011),

der Demograf Wolfgang Lutz (2010),

der Physiker Markus Arndt (2008),

der Biowissenschafter Rudolf Zechner (2007),

der Historiker Walter Pohl (2004) und

die Mikrobiologin Renée Schroeder (2003).

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