Wissen und Gesundheit
19.12.2017

Das Leuchten vor Weihnachten

Der Kleine Bär bringt den nächsten Sternschnuppenregen – ab morgen Nacht ist es so weit.

Unsere Altvorderen waren romantische Menschen. Sternschnuppen galten ihnen als Dochte, die Engel beim Putzen der Himmelskerzen fallen ließen. Da war es nicht mehr weit bis zum Glücksbringer Sternschnuppe: Bei ihrem Erscheinen hoffte man auf göttlichen Beistand oder zumindest einen Engel an der Seite, wenn es um unerfüllte Wünsche ging.

Traurig eigentlich, dass die Wissenschaft aus den Engelsdochten leuchtenden Dreck gemacht hat. Wenn wir eine Sternschnuppe sehen, beobachten wir im Grunde genommen den Todeskampf eines kleinen Steinchens aus dem All, das in die Lufthülle der Erde geraten ist und dort verglüht. Es handelt sich um Gesteinspartikel, Meteore genannt, die nur wenige Millimeter groß sind, dafür aber extrem schnell. Mit mehr als 200.000 km/h treffen sie auf die Erdatmosphäre. Das Licht stammt dabei nicht von den verglühenden kosmischen Geschoßen selbst, sondern von den Luftmolekülen der Erdatmosphäre: Die schnellen Teilchen aus dem All übertragen einen Teil ihrer Energie auf die Luftmoleküle, die daraufhin Licht aussenden. Meteroide sind Körper bis zu einer Größe von einigen Metern Durchmesser, die um die Sonne kreisen. Sie können in die Erdatmosphäre eindringen, was oft als Leuchtspur zu sehen ist. Gelangen sie auf die Erde, werden sie als Meteoriten bezeichnet.

Außerirdischer Staub

Meteoritenschauer treten immer dann auf, wenn Planeten die Umlaufbahn eines Kometen kreuzen. "Pro Jahr kommen da sicherlich mehrere Millionen Tonnen runter", sagt der Astronom Arnold Hanslmeier. "Die meisten sehen wir gar nicht, sie leuchtet nicht auf, schweben nur zu Boden. Wenn sie den Staub ihrer Dachrinne untersuchen würden, könnten sie feststellen, dass viele Partikel nicht von der Erde stammen."

Sternschnuppenschwärme werden nach dem Sternbild benannt, aus dem sie zu kommen scheinen. An den Sternbildnamen wird einfach die Nachsilbe -iden angehängt: Die Ursiden entspringen also dem Sternbild Ursa Minor, was auf gut Deutsch Bärenweibchen oder Kleiner Bär bedeutet. In Wahrheit ist ihre Quelle aber ein Komet.

"Im Laufe eines Jahres kommen immer dieselben Kometenströme", weiß Hanslmeier. Inzwischen sind etwa 75 Ströme bekannt, mit denen die Erde regelmäßig kollidiert.

Die Anzahl der Sternschnuppen hängt von der Größe des Stromes ab. Die Milchmädchenrechnung läutet: Je mehr Teilchen im Strom, desto mehr verglühen auch. "Aber auch wie der Strom zur Erdbahn liegt, spielt eine Rolle", sagt der Astronom. "Darum sind nicht alle Ströme immer gleich stark."

Momentan sind die Geminiden der ergiebigste Sternschnuppenstrom. Stündlich könnten bis zu 120 Meteore über den Himmel ziehen. Die Ursiden machen sich daneben mickrig aus – ein kleiner Strom, der noch dazu vom Mond gestört wird. Dennoch kann man auf der Nordhalbkugel nach Monduntergang bei gutem Wetter drei bis maximal 20 Meteore pro Stunde zu sehen bekommen.