Wissen und Gesundheit
08.02.2017

Darum ist der Hund der Spiegel seines Herrls

© Bild: APA/dpa/Julian Stratenschulte

„Wie der Herr, so's Gescherr“, weiß der Volksmund. Das bestätigt die Forschung jetzt.

Hunde, deren Halter in Persönlichkeitstests hohe Werte im Bereich „Verträglichkeit“ und niedrige „ Neurotizismus“-Werte erzielen, tun sich beim Stressabbau leichter. Analog zum Sprichwort „Wie der Herr, so's Gescherr“ wirken sich die Eigenschaften des Herrchens und das Mensch-Tier-Beziehungsmuster messbar auf das tierische Stressmanagement aus, wie Wiener Forscher im Fachblatt PLoS One berichten.
Das Team um Iris Schöberl und Kurt Kotrschal vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien untersuchte im Rahmen eines umfangreichen Projekts „Faktoren der Mensch-Hund-Beziehung“. Die Wissenschafter analysierten insgesamt 132 Familienhunde und ihre Hauptbezugspersonen in verschiedenen Situationen, wie etwa im Spiel, bei Leistungstests oder einer simulierten Bedrohung. Vor und nach den Tests nahmen sie von Haltern und Hunden Speichelproben, um über die gemessene Konzentration des Stresshormons Kortisol Rückschlüsse auf die Reaktionen der Paare zu ziehen.
Schon in einer vorangegangenen Untersuchung des Wiener Teams wurde klar, dass die Qualität der Bindung zwischen Hund und Frauchen oder Herrchen damit zusammenhängt, ob beim Interagieren miteinander, etwa in einem sogenannten Bindungstest und beim Spielen, der Kortisolspiegel respektive das Stresslevel sinkt. Ein Abfall war vor allem bei Hunden bemerkbar, die eine sichere Bindung zu ihren Haltern aufgebaut hatten, wie Schöberl erklärte.

Stressmanagement


Neben der Bindung interessierten sich die Forscher auch dafür, welche Faktoren noch Einfluss auf das Stressmanagement von Mensch und Tier haben. In der neuen Untersuchung konzentrierten sie sich daher neben dem Beziehungsmuster auf Persönlichkeit, Alter und Geschlecht, wobei sie die Persönlichkeiten von Mensch und Hund, die Beziehung und den Interaktionsstil im Alltag mittels Fragebögen erhoben.
Hinweise darauf, dass die Persönlichkeit des Halters einen Einfluss auf das Stressmanagement des Hundes hat, gab es schon in Vorstudien. „Man weiß aus dem Humanbereich und eigentlich quer durch das Tierreich, dass diese beiden Dinge miteinander einher gehen“, sagte Schöberl. Wie das aber in einer Mensch-Hund-Zweierbeziehung zusammenhängt - also, ob die Persönlichkeit des einen das Stressmanagement des anderen über Artgrenzen hinweg beeinflussen kann - sei bisher nicht klar gewesen.
In der aktuellen Studie zeigten Hunde vor allem dann effizienteres Stressmanagement, wenn ihre Halter hohe Werte bei der Persönlichkeitsdimension „Verträglichkeit“ und niedrige bei „Neurotizismus“ aufwiesen. Erneut sank der Kortisolspiegel bei jenen Hunden weniger, deren Beziehung zu ihren Haltern stärker von Verunsicherung geprägt war. Aufseiten der Halter beeinflusste vor allem die Geschlechterkombination das Stressmanagement. Bei Frauen mit Hündinnen und Männer mit Rüden sank der Kortisolspiegel demnach im Schnitt am stärksten. Bei Frauen mit Rüden änderte sich hingegen am wenigsten.
Dass sich Aspekte der menschlichen Persönlichkeit so stark auf Hunde auswirken können, liegt laut Schöberl daran, „dass wir ähnliche Persönlichkeitsstrukturen haben“, Hunde ebenso soziale Tiere sind und die jahrtausendelange gemeinsame Geschichte von Mensch und Hund ihre Spuren hinterlassen habe. „Das ist auch der Grund, warum uns Hunde besonders gut lesen können“, sagte die Forscherin.