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Zellbiologie
11/21/2013

Darmdrüsen minimieren Krebsentstehung

Tierversuche bestätigen österreichischen Biomathematiker.

Der in Harvard forschende österreichische Biomathematiker Martin Nowak hat sich vor zehn Jahren ausgerechnet, dass die Drüsen im Darm so gebaut sind, dass Krebsentstehung minimiert wird. Ein internationales Team bestätigte dies nun in Maus-Versuchen, als sie untersuchten, ob sich Krebs-auslösende Genveränderungen im Darmdrüsengewebe durchsetzen, berichten die Forscher im Fachjournal "Science".

Einzelne Krebszellen können einen Wachstumsvorteil haben und sich daher besser ausbreiten als gesunde Zellen. Dennoch werden sie immer wieder durch Zufall von diesen ersetzt und können sich durch die spezielle Gewebs-Architektur der Darmdrüsen nur sehr ineffizient anhäufen, so die Forscher.

Denn krankhaft veränderte Zellen werden rasch "ausgespült", weil sie ständig aus dem Inneren der Drüse "nach oben gedrückt" werden und an der Spitze der Drüse schließlich absterben, erklärte der an der Harvard University in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) tätige Nowak. Krebs entstünde daher meist nur, wenn Stammzellen ganz im Inneren der Drüsen entarten.

Wahrscheinlichkeiten

Die Forscher konnten auch die Wahrscheinlichkeiten abschätzen, mit denen sich verschiedenartig veränderte Stammzellen gegen gesunde durchsetzen. So konnte eine Zelle, bei denen ein Tumor-unterdrückendes Gen namens APC auf einem Chromosom defekt war, ihre gesunde Nachbarzellen zu 62 Prozenten übertrumpfen. War das Tumor-fördernde Gen KRAS mutiert, setzte sich die veränderte Zelle zu 78 Prozenten durch.

Defekte in dem berühmten Tumor-unterdrückenden Gen P53 brachte Krebszellen nur dann einen Vorteil, wenn der Darm durch eine Entzündung geschwächt war. Dies zeigt, dass auch die Begleitumstände beeinflussen können, ob sich Tumorzellen ausbreiten, so die Wissenschafter.

Diese detaillierten Informationen über die ersten Schritte in der Krebsentstehung seien eine wichtige Verknüpfung von Theorie und Praxis. Sie könnten beim Test von Medikamenten helfen.