Damit der innere Turbo endlich einmal zum Stillstand kommt

Rom Urlaub
Foto: REUTERS Max Rossi

Gibt es so etwas wie eine Formel fürs Urlaubsglück? Das vielleicht nicht, doch mit den richtigen Ingredienzien und realistischen Erwartungen, stellt sich die innere Ruhe bald ein.

Wenn’s um ihren Sommerurlaub geht, sind die Österreicher nicht fad. Laut aktueller Analyse der Statistik Austria stieg die Zahl der sommerlichen Trips in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Drittel. Das zentrale Motiv für die Auszeit heißt Erholungssuche.

Als Tourist träumt der Mensch von Ruhe und Autonomie, von Abstand und Gelassenheit. Doch ist die Illusion des Reisens wirklich das perfekte Gegengift zur Non-stop-Erreichbarkeit und zum gesteigerten Lebenstempo? „Urlaub ist die letzte Bastion gegen den Erschöpfungstod“, formuliert es der Erholungsforscher Gerhard Blasche (siehe Interview unten) bewusst drastisch. Womöglich hat er Recht. In einer US-Studie wurden Studienteilnehmer mit erhöhtem Risiko für Herzkrankheiten zu verschiedenen Zeitpunkten untersucht. Jene Menschen, die angegeben hatten, oft auf Urlaub zu verzichten, waren in den darauf folgenden Jahren eher an Herzinfarkt gestorben.

Planen macht glücklich

Dabei reicht alleine die Vorstellung von der Auszeit abseits von Heim, Herd und Chef-Attitüden für das Stück Glück, wie Forscher von der University of Surrey 2002 in einer Befragung herausfanden. Wer gerade einen Urlaub plante, war glücklicher und bewertete seine familiäre und gesundheitliche Situation positiver als Menschen ohne Reisepläne.

Urlaub tut gut. Das weiß auch Jessica de Bloom, Arbeits- und Organisationspsychologin an der Universität Tampere in Finnland. Im Jahr 2012 schrieb sie ihre Dissertation über die Auswirkungen von Urlaub auf Gesundheit und Wohlbefinden. Wenig später verfasste sie ihr Buch „Die Kunst, Urlaub zu machen“ mit praktischen Tipps für eine gelungene Auszeit (derzeit nur auf Niederländisch). Im Gespräch mit dem KURIER hat sie eine gute Nachricht parat: „Egal, welche Art von Urlaub man macht – Kurztrip oder drei Wochen am Stück – , Wohlbefinden und Gesundheit verbessern sich.“ Die weniger erfreuliche Nachricht: „Ein besonders langer Urlaub kann die über Monate andauernde Überlastung nicht ausgleichen.“ Gibt es so etwas wie ein „Zeitdiagramm“ der Erholung? „Ja“, schließt de Bloom aus ihren Studien: „Sie setzt rasch mit Tag 1 ein, der Erholungsgipfel wird an Tag 8 erreicht, gegen Ende des Urlaubs reduziert sich der Effekt wieder.“

Lieber öfter weg

Wer denkt, er könne Erholung konservieren, wird von der Forscherin enttäuscht: „Bereits während der ersten Arbeitswoche ist der Effekt verpufft.“ Folglich rät sie davon ab, ein „Sommerpaket“ zu schnüren und alle Urlaubswochen auf einmal zu verbrauchen. „Es ist besser, regelmäßige Auszeiten zu nehmen. Auch, weil es immer wieder frustrierende Urlaubserlebnisse gibt. Da ist es schlecht, alles auf eine Karte zu setzen.“

Die pauschale Geheim-Formel für maximales Urlaubsglück existiert zwar nicht, aber de Bloom weiß, was zählt: das Gefühl von Selbstbestimmung. „Urlaube werden dann als besonders erholsam empfunden, wenn man selbst bestimmen kann, was man unternimmt und was nicht.“ Heißt: Endlich kein Chef, der sagt, was zu tun ist. Und die Partner oder Kinder? De Bloom: „Eltern sind meist glücklich, wenn die Kinder glücklich sind.“

Und wie sieht diese Idylle dann in der Praxis aus? Die Forscherin Malene Gram von der Aalborg University in Dänemark hat Familien nach dem Urlaub gebeten, ihre liebsten Urlaubsschnappschüsse vorzulegen – so entstand ein „Drehbuch des Urlaubsglücks“: Eltern schätzen Momente der Verbundenheit und Nähe. Kinder lieben alles, was spannend, aufregend und besonders ist: Achterbahnfahrten, Eis essen, auf einem Esel reiten.

(kurier) Erstellt am
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