Wissen und Gesundheit
02.11.2017

Cheops-Pyramide durchleuchtet und Hohlraum entdeckt

Mit Hilfe von Weltraum-Technologie hat ein internationales Forscherteam einen großen Hohlraum in der Cheopspyramide nachgewiesen.

Im Inneren der Cheops-Pyramide haben Forscher einen unbekannten Hohlraum entdeckt. Es handelt sich um einen mindestens 30 Meter langen und acht Meter hohen Gang, der oberhalb der Großen Galerie liegt. Wozu dieser Gang diente und was er enthält, ist bisher noch rätselhaft, berichten die Forscher im Fachmagazin „Nature“.

Vor etwa 4500 Jahren geschafften, hat dieses antike mehr als sechs Millionen Tonnen schwere und 139 Meter hohe Weltwunder seine Geheimnisse bewahrt. Was sich im Inneren der Cheops-Pyramide, eines königlichen Grabmals, verbirgt, ist bisher nur in Teilen erkundet und bekannt. Denn das massive Steinbauwerk lässt sich nicht ohne weiteres röntgen oder mittels Radar durchleuchten. Schon länger haben Archäologen deshalb den Verdacht, dass sich im Inneren der Cheops-Pyramide noch weitere, unentdeckte Kammern oder Gänge verbergen könnten.

Kosmische Hilfe

Um diese Hohlräume aufzuspüren, haben Kunihiro Morishima von der Nagoya Universität und seine Kollegen vom Projekt ScanPyramids jetzt kosmische Hilfe genutzt: Mit drei Myonen durchleuteten sie die Pyramide. Myonen sind Elementarteilchen, die entstehen, wenn kosmische Strahlung auf die Atome der oberen Atmosphäre trifft. „Etwa 10.000 Myonen pro Quadratmeter und Minute treffen mit fast Lichtgeschwindigkeit auf die Erdoberfläche“, erklären die Forscher. Diese Teilchen können dank ihrer geringen Größe und hohen Energie selbst massiven Stein durchdringen. Der Clou: Passieren die Myonen dabei Hohlräume im Gestein, werden dort weniger von ihnen abgelenkt oder absorbiert. An der Teilchendichte lässt sich daher ablesen, ob sich in einem Bauwerk ein Hohlraum verbirgt.

Für ihr Projekt ermittelten die Forscher über mehrere Monate hinweg den Myonen-Einstrom in der Königinnenkammer der Pyramide mithilfe zweier verschiedener Myonen-Detektoren. Zusätzlich stellten sie vor der Nordwand der Pyramide eine dritte Detektor-Variante auf, die die Teilchen mittels Argongas nachweisen kann.
Das Ergebnis: Im Inneren der Cheops-Pyramide gibt es tatsächlich einen großen, zuvor nicht bekannten Hohlraum. „Wir haben einen unerwarteten und signifikanten Überschuss an Myonen in einer Region fast parallel zur Großen Galerie nachgewiesen“, berichten Morishima und seine Kollegen.
„Durchaus möglich, aber keine Sensation“, kommentiert die Archäologin Irene Forstner-Müller, die Leiterin der Zweigstelle Kairo des Österreichischen Archäologischen Institutes die Entdeckung.

„ScansPyramid Big Void“

Die Forscher schätzen, dass der neu entdeckte Gang mindestens 30 Meter lang ist und rund acht Meter hoch sein könnte – ähnlich groß wie die Große Galerie, über der er liegt. Ob dieser „ScansPyramid Big Void“ getaufte Gang waagerecht verläuft oder ähnlich schräg wie die Große Galerie, ist noch unklar. Auch die genauen Maße und die Struktur dieses Hohlraums lassen sich allein anhand der Myonen-Daten nicht klären. Hier sind nun weitere Untersuchungen mit anderen Methoden gefragt.

„Dies ist die erste größere Struktur, die seit dem 19. Jahrhundert im Inneren der Cheops-Pyramide entdeckt worden ist“, sagen Morishima und seine Kollegen. „Diese Ergebnisse sind ein Durchbruch für unser Verständnis der Großen Pyramide von Gizeh und seine interne Struktur.“ Gleichzeitig demonstriere der Fund des Ganges, wie moderne Teilchenphysik neue Informationen über das archäologische Erbe der Menschheit liefern könne.