Wissen 13.03.2018

Brustrekonstruktion: Welche Techniken es heute gibt

Jede neunte Frau erkrankt an Brustkrebs. © Bild: Getty Images/iStockphoto/LCOSMO/iStockphoto

Bei 80 Prozent der Frauen mit der Diagnose Brustkrebs kann heute die Brust großteils oder teilweise erhalten werden. Die Methode der Eigenfetttransplantation wird am häufigsten angewandt.

Univ.-Prof. Dr. Edvin Turkof ist Facharzt für Plastische und Rekonstruktive Medizin an der Uni-Klinik für Frauenheilkunde, AKH/MedUni Wien.

Wie häufig sind Brustrekonstruktionen?

In Österreich erkrankt etwa jede neunte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Bei etwa 20 Prozent muss die Brust vollständig entfernt werden, bei 80 Prozent kann sie großteils oder teilweise erhalten werden. Dank der modernen Vorsorgemedizin (Mammografie, Ultraschall, MR) hat das zu entfernende Krebsgewebe heute meist einen Durchmesser von weniger als fünf Zentimetern, deshalb kann ein großer Teil der Brust erhalten werden. Die Plastische Chirurgie kann fast immer eine vollständig oder teilweise entfernte Brust wiederherstellen. Allerdings nimmt das nur etwa jede zehnte betroffene Frau in Anspruch.

Univ.-Prof. Edvin Turkof, Facharzt für Plastische Chirurgie.
Univ.-Prof. Dr. Edvin Turkof, Chirurg © Bild: Privat

Woran liegt das?

In erster Linie an einer unzureichenden Aufklärung der Ärzte, in zweiter Linie an der Scheu der Patientinnen vor einer weiteren, körperlich und emotional belastenden Operation. Viele Patientinnen wissen nichts über die Methoden und auch nicht, dass die Kassen die Kosten übernehmen. Dabei ist eine schön rekonstruierte Brust immer mit einer Steigerung des Selbstwertgefühls verbunden.

Welche Methoden werden heute angewandt?

Nach einer vollständigen Brustentfernung erfolgt der Aufbau zumeist mit Silikon-Implantaten, das geht relativ einfach, das Ergebnis wirkt aber eher unnatürlich. Bessere Ergebnisse erzielt man mit Eigengewebe. Dabei setzen wir verschiedene Lappenplastiken ein: Gewebe von einer anderen Körperregion – etwa Rücken, Oberschenkel oder Bauch – wird für den Wiederaufbau verwendet. Eine Methode der Zukunft ist die Gelprothese. Dabei wird Blutplasma durch ein Medikament zur Gerinnung gebracht und es entsteht ein gallertartiges Gel.

Und nach einer Teilentfernung?

Hier rekonstruieren wir die Brust vorwiegend mittels Eigenfetttransplantation. Meist werden mehrere Sitzungen benötigt, weil das transplantierte Fett nicht vollständig einheilt. Die Einheilung erfolgt durch das Einwachsen kleiner Blutgefäße (Kapillaren), die die Fettzellen mit Blut versorgen. Die Einheilrate kann durch die Zuführung von Blutplättchen (Thrombozyten) deutlich erhöht werden. Bisher wurde dafür Blut entnommen und daraus die Blutplättchen isoliert, der Rest des Blutes wurde verworfen. Daher konnte diese Methode nur bei sehr kleinen Eigenfetttransplantationen eingesetzt werden, weil der Blutverlust für die Anreicherung größerer Fettmengen zu groß gewesen wäre.

Bei der neuen, von uns am AKH entwickelten Methode, gibt es nun keinen Blutverlust mehr: Nur Thrombozyten werden aus dem Blut isoliert, die anderen Blutbestandteile gelangen wieder zurück in den Blutkreislauf, die Patientin verliert kein Eigenblut.

Buchtipp: Edvin Turkof: Brustrekonstruktion, Verlagshaus der Ärzte, 39,90 €

Buchcover Brustkrekonstruktion © Bild: Verlagshaus der Ärzte

Univ.-Prof. Dr. Turkof am Telefon (01/526 57 60): Mi., 14. 03., 13 bis 14 Uhr.

eMail: gesundheitscoach@kurier.at

( kurier.at , em ) Erstellt am 13.03.2018