Wissen und Gesundheit
21.09.2017

Britische Forscher verändern Erbgut von Embryonen

Forscher wollen Erfolgsraten bei künstlicher Befruchtung erhöhen. Der Schritt ist international äußerst umstritten. Embryonen wurden aber keiner Frau eingepflanzt.

Erstmals in Großbritannien haben Forscher das Erbgut menschlicher Embryonen gezielt verändert. Das Team des Londoner Francis-Crick-Instituts will die Erfolgsraten künstlicher Befruchtungen erhöhen. Dafür änderten die Experten kurz nach der Befruchtung das Erbgut von 41 Embryonen, wie sie in Nature berichten. Das aktive Verändern der menschlichen DNA ist international äußerst umstritten.

In Schweden gebe es ähnliche Versuche an Embryonen, die aber noch nicht publiziert worden seien, sagte der Pressesprecher des renommierten Instituts am Donnerstag. Mit Hilfe der sogenannten Gen-Schere CRISPR/Cas9 schalteten die Wissenschafter ein Gen ab, das eine Schlüsselrolle bei der frühen Embryonalentwicklung spielt. Die Embryonen durften sich nur maximal sieben Tage entwickeln und keiner Frau eingepflanzt werden.

Embryonalentwicklung besser verstehen

Die Forscher wollen nach eigenen Angaben verstehen, "wie menschliche Embryonen welche Gene brauchen, um sich erfolgreich zu entwickeln". Dies könnte langfristig dazu beitragen, Fehlgeburten zu verhindern.

Das aktive Verändern der menschlichen DNA ist in zahlreichen Ländern verboten. Kritiker befürchten, dass sogenannte Designerbabys geschaffen werden könnten.

Die Bioethikerin Sarah Chan von der schottischen Universität Edinburgh sieht diese Gefahr bei den Versuchen in Großbritannien nicht: "Es ist ganz klar, dass das Ziel der Versuche die Grundlagenforschung ist", sagte sie dem Sender BBC.

Gen-Defekt bei Embryos repariert

Es handelte sich aber nicht um die ersten genetische Manipulation bei Embryos. Im August ist es Wissenschaftern zum ersten Mal gelungen, mit der CRISPR/Cas9-„Genscheren“-Methode bei Embryonen im frühesten Entwicklungsstadium eine krank machende Genmutation zu korrigieren und somit aus der Keimbahn zu entfernen. Die Versuche wurden am Salk Institut der Oregon Health and Science University und am Institut für Grundlagenwissenschaften von Südkorea durchgeführt und in Nature publiziert.

Es handelt sich dabei um den Versuch, eine durch die Mutation eines einzigen Gens verursachte Herzkrankheit in der Keimbahn auszuschalten - so, dass der quasi ehemalige Träger sie mit seinem Erbgut auch nicht mehr weiter übertragen kann.

Auch in China fanden bereits Eingriffe an Embryos statt.