Botox: Ein Gift, das nicht nur Falten glättet

Das Nervengift hilft bei vielen anderen Krankheiten.
Foto: rts

In Irland wurde Botox nun gegen Inkontinenz zugelassen. Das Nervengift hilft aber auch bei vielen anderen Krankheiten.

Dass Botuliniumtoxin - kurz: Botox - die Gesichter so mancher Promis glättet und (zumindest laut Schönheitschirurgen) zu einem jugendlicheren Look verhilft, ist allseits bekannt. Doch nur wenige Menschen wissen, dass das Nervengift in vielen anderen medizinischen Bereichen erfolgreich zum Einsatz kommt.

Vor einigen Tagen wurde Botox von der irischen Pharmaaufsicht als Wirkstoff gegen Inkontinenz zugelassen. So soll Patienten, die aufgrund von Erkrankungen an einer Blasenschwäche leiden, geholfen werden.

Botuliniumtoxin ist das stärkste natürliche Gift, das in unserer Umwelt vorkommt. Es wird von dem Bakterium Clostridium botulinum produziert. In der richtigen Dosierung gilt es als hochwirksame Substanz, die in fast allen medizinischen Bereichen angewandt wird - etwa in der Urologie, Neurologie, Dermatologie oder Sprachtherapie. Und natürlich gilt es als beliebtes "Anti-Falten-Wundermittel" der Schönheitschirurgen.

Leidensdruck

In Österreich ist Botox für die Therapie von Inkontinenz noch nicht zugelassen. Trotzdem kommt es im sogenannten Off-Label-Use (Einsatz des Medikaments, ohne vorherige Zulassung) zur Anwendung. In bestimmten Fällen sind Spezialisten dazu befugt, das Nervengift direkt in die Blase zu spritzen. 20 bis 30 Injektionen reichen, um den Harndrang zu verringern. Die Behandlung führt im besten Fall zu einer Verlängerung der Trocken-Intervalle der Patienten. "Menschen mit Inkontinenz sind einem großen Leidensdruck ausgesetzt", weiß Mons Fischer, Vorsitzender der medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich. Das Team um Fischer befasst sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema der Inkontinenz. Sie bieten auch eine persönliche oder telefonische Beratung an (www.inkontinenz.at).

In der Urologie wird Botox schon seit 1988 gegen Blasenprobleme verwendet. Damals jedoch, um querschnittsgelähmten Patienten das Wasserlassen zu ermöglichen. Menschen mit Lähmungen der unteren Körperhälfte haben häufig Schwierigkeiten mit ihrer Harnblase. Beschwerden wie Inkontinenz oder Probleme bei der Blasenentleerung kommen in dieser Personengruppe häufig vor. In derartigen Fällen wird Botox entweder in den Blasenschließmuskel oder direkt in die Blase injiziert.

Vielseitig Botox wird unter anderem bei Lid- und Gesichtskrämpfen, vermehrter Speichel- und Schweißproduktion, chronischen Schmerzen und der Faltenbekämpfung gespritzt. Aber auch Erkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen, Zähneknirschen und Epilepsie, sollen mit dem Nervengift gut behandelbar sein.

So wie bei jedem medizinischen Eingriff können auch bei Botox-Anwendungen Nebenwirkungen auftreten. Injektionen in die Harnblase bergen das Risiko, dass Betroffene ihre Blase gar nicht mehr entleeren können - im schlimmsten Fall würde dies eine Selbstkatheterisierung (Einführen eines dünnen Röhrchens in die Blase, zur sterilen Entnahme von Harn) nötig machen.

Gottfried Kranz von der Wiener Uni-Klinik für Neurologie rät außerdem davon ab, das Medikament von nicht zertifizierten Firmen - über das Internet - zu beziehen. Diese "können die Dosis nicht richtig verabreichen". Im schlimmsten Fall drohen gesundheitsschädliche Folgen.

(kurier / Anna Moosbeckhofer) Erstellt am
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