Wissen und Gesundheit
08.06.2017

Bluthochdruck: Messergebnisse zu Hause stimmen oft nicht

So verwenden Sie Ihr Gerät richtig

Millionen Menschen messen zu Hause ihren Blutdruck, um sicher zu sein, dass es ihnen gut geht. Vielleicht können sie sich auf ihre Ergebnisse jedoch gar nicht verlassen, warnen jetzt Wissenschafter der Universität Alberta. 70 Prozent der Messungen waren falsch, zeigte ihre Studie. "Hoher Blutdruck ist der häufigste Grund für Tod und Behinderung. Die Beobachtung und Behandlung von Bluthochdruck kann die Auswirkungen senken. Wir müssen dafür aber sicher sein, dass die Messungen zu Hause richtig sind", betonte Studienleiterin Jennifer Ringrose im American Journal of Hypertension (Amerikanisches Journal für Bluthochdruck).

In ihrer Studie maßen zwei Mediziner sowie der Patient selbst den Blutdruck. Die Profis kamen zum selben Ergebnis, aber zwei Drittel der Privatgeräte zeigten falsche Ergebnisse - mit einer medizinisch bedeutenden Abweichung. Bei Männern waren sie noch ungenauer als bei Frauen. Es gebe viele Faktoren: "Aspekte wie die Form des Armes, die Länge, der Steifheit und das Alter der Adern und die Art der Blutdruck-Messmanschette werden nicht alle bedacht, wenn die Maschinen entwickelt werden", so Co-Author Raj Padwal. "Dazu kommen auch noch persönliche Unterschiede wie Größe, Alter und medizinisches Wissen der Patienten.

Im VKI-Test waren nur drei Geräte gut

Im Vorjahr testete der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich erhältliche Produkte. Lediglich drei von 15 getesteten Geräten schafften ein „gut“. Testsieger war RS2 von Omron. Das Produkt schnitt auch bei der deutschen Stiftung Warentest am besten ab. Dahinter lagen Boso Medistar und Boso Medicus.

Um korrekte Werte zu bekommen, müssen einige Regeln beachtet werden, etwa betreffend den korrekten Sitz der Manschette; durch eine fehlerhafte Handhabung können die Werte nämlich verfälscht werden. Alle Testkandidaten ließen sich leicht bedienen, was dafür besonders wichtig ist.

Manche Geräte bieten das kostenlose Extra, die Messwerte auf Rechner, Smartphone oder Tablet zu übertragen, die anderen speichern die gemessenen Werte. Diese lassen sich per Tastendruck nacheinander abrufen; oft werden auch Mittelwerte angezeigt. Ist der Speicher voll, verschwinden die ältesten Werte. Es lohnt also, sie etwa in einen Blutdruckpass zu übertragen. Bei einem Messgerät im Test funktionierte die Android-App einwandfrei; bei der iOS-App dagegen wurden Nutzername und Passwort unverschlüsselt übermittelt.

Wie messen Sie richtig?

Ringrose weist auf einige Maßnahmen hin, um falsche Ergebnisse zu verringern. "Vergleichen Sie das Ergebnis Ihres privaten Blutdruckmessgerätes mit den Daten aus der Klinik, bevor Sie sich ganz auf die Messungen zu Hause verlassen. Wichtig ist, verschiedene Blutdruckmessungen durchzuführen und etwaige Behandlungen auf verschiedene Messungen zu basieren. Für die Ärzte sind die Messungen der Patienten hilfreich, weil sie ihm ein besseres Bild geben als eine Einzelaufnahme."

Co-Author Raj Padwal betont: "Niemand sollte Medikamente verabreicht bekommen, die auf ein oder zwei Messungen zum selben Zeitpunkt basieren - außer sie sind deutlich erhöht. Die kanadischen Empfehlungen wurden im Vorjahr überarbeitet und raten zu 28 Messungen pro Woche mit dem privaten Gerät.

Die Arbeiterkammer Kärnten gab anlässlich des VKI-Tests konkrete Tipps:

1) Beim Blutdruckmessen ist es wichtig, dass Sie vorher körperlich und gedanklich zur Ruhe kommen. Idealerweise sollten Sie fünf Minuten entspannt sitzen, bevor Sie die Manschette anlegen. Sprechen oder essen Sie beim Messen nicht, halten Sie Arme und Beine ruhig.

2) Messen Sie regelmäßig, möglichst zur selben Zeit – etwa morgens vor dem Frühstück, dem ersten Kaffee und bevor Sie blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. Messen Sie immer am selben Arm. Unterscheidet sich der Druck an den Armen stark, besprechen Sie das mit dem Arzt.

3) Gemessen wird immer auf der nackten Haut. Die Manschette darf nicht zu locker und nicht zu fest sitzen. Die meisten Handgelenkgeräte sind für einen Umfang von 13,5 bis 21,5 Zentimetern geeignet, Oberarmgeräte für 22 bis 42 Zentimeter Umfang. Handgelenkgeräte auf Herzhöhe platzieren.

4) Dokumentieren Sie Ihre Werte, etwa im Blutdruckpass, und nehmen Sie das Dokument regelmäßig mit zum Arzt. Sagen Sie ihm, wenn Ihr Gerät wiederholt unregelmäßigen Puls anzeigt. Das kann auf eine Herzrhythmusstörung hindeuten.