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Missglückt
03/16/2017

Blind durch 5000-Dollar-Stammzellentherapie

Stanford-Wissenschaftler kritisieren grobe Mängel in der Studie.

Therapien mit Stammzellen gelten als große Zukunftshoffnung für die Medizin - von Verjüngung bis zur Heilung von Defekten. Nun warnen Forscher des renommierten Stanford University Medical Center (USA) vor dem Einsatz und zu großen Erwartungen. Gerade in den USA gebe es unzählige Kliniken, die ungeprüfte Stammzellentherapien anbieten würden. Anlass dafür ist eine missglückte Studie. 2015 waren drei Frauen mit einer nicht ausreichend geprüften Stammzellentherapie gegen Makula-Degeneration behandelt worden. Schon kurz darauf traten Komplikationen auf, heute sind die Frauen komplett erblindet.

Das Tragische daran: die drei Frauen, zwischen 72 und 88 Jahre alt,hatten jeweils 5000 Dollar bezahlt, um mit der Therapie ihre Makuladegeneration aufzuhalten. Diese unaufhaltsame, fortschreitende Augenerkrankung endet unweigerlich mit Erblindung.

Den Frauen war Bauchfett entnommen worden und mit Enzymen aufbereitet worden. Die Zellen mischte die Klinik mit Blutplasma der Patienten und injizierte es den Patientinnen in die Augen.

Unsaubere Vorgangsweise

Experten kritisierten nun die Vorgangsweise bei der Studie. Thomas Albini von der University Miami behandelt zwei der verpfuschten Patientinnen derzeit. "Auch wenn es eine große Hoffnung gibt, dass Stammzellen eine Antwort auf viele Fragen der Medizin gibt: In diesem Fall war es gefährlich." Der Leiter der Augenabteilung der Stanford University Medical School, Jeffrey Goldberg, betont, dass es für die Behandlung mit Stammzellen aus Bauchfett keine wissenschaftliche Evidenz für die Behandlung von Makuladegeneration gebe.

Dazu kommt, dass es der sogenannten "Studie" praktisch "an allen Komponenten einer ordentlich designten klinischen Untersuchung mangelte", schreibt Goldberg in einer Analyse, die nun im Fachmagazin "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde. Es fehlte etwa die Kontrollgruppe, Datensammlungen und Pläne, wie die zu erwartenden Ergebnisse weiter in Studien einfließen sollten. Es gebe keine Entschuldigung dafür, derart unsauber zu arbeiten. Unsauber dürfte übrigens auch die Aufbereitung der Stammzellen in der ausführenden Klinik gelaufen sein. Zumindest ein Teil der aufgetretenen Komplikationen dürften durch schlechte Arbeit aufgetreten sein.

Experten fordern genauere Informationen

Zwei der Patientinnen hatten von der Therapie über eine Homepage namens ClinicalTrials.gov erfahren, die von der US National Library of Medicine betrieben wird und Datensammlungen aus registrierten Studien sowie Studienergebnisse veröffentlicht. Für Patienten sei es schwer zu unterscheiden, welche Stammzellentherapie oder klinischer Versuch seriös sei. Goldberg empfiehlt Patienten, sich vorher genau zu informieren, etwa über die Website A Closer Look at Stem Cells, die von der Internationalen Gesellschaft für Stammzellenforschung erstellt wird. Dort könne man überprüfen, ob eine Stammzellentherapie an einem anerkannten Zentrum durchgeführt werde.

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