Für viele verlockend - und bei gelegentlicher Einnahme auch nicht so schlimm. Wer aber zwei Wochen hauptsächlich Burger mit Pommes als dominierender Beilage, Wurst und Kuchen verzehrt, muss - abgesehen von möglichen Effekten auf der Waage - auch mit ersten negativen Folgen im Darm rechnen

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Ernährungsumstellung
05/02/2015

Bereits 14 Tage Fast Food lassen den Darm leiden

Negative Folgen stellen sich schneller ein als bisher vermutet.

Zwei Wochen reichen aus: Bereits 14 Tage fettreiche und ballaststoffarme Kost – bestehend hauptsächlich aus Hamburgern, Wurst, Pommes frites und Süßigkeiten – führen dazu, dass Entzündungswerte im Darm ansteigen. Das zeigt jetzt eine kleine Studie, die Forscher der Universität von Pittsburgh, USA, durchgeführt haben.

20 Afrikaner, die aus ländlichen Regionen in Südafrika stammen, wurden gebeten, sich zwei Wochen lang von Junkfood zu ernähren. Davor hatten sie sich sehr ausgewogen und gesund ernährt, mit vielen Hülsenfrüchten, Reis, Mais und Fisch. Gleichzeitig stellten 20 Afroamerikaner für 14 Tage ihren Fast-Food-Konsum ein und aßen dafür viele Hülsenfrüchte und Bohnen.

Reduziertes Krebsrisiko

Auch bei Letzteren waren die Ergebnisse frappierend: Ihre Entzündungswerte gingen zurück, ebenso die Werte bestimmter Biomarker (messbare Indikatoren), die auf ein erhöhtes Krebsrisiko hindeuten. Und es kam zu einer Veränderung in der Bakterienzusammensetzung – hin zu Bakterienstämmen, die eine erhöhte Schutzwirkung vor Darmkrebs haben.

Studienautor Stephen O‘Keefe betont zwar , dass es sich nur um eine sehr kleine Studie handelt: "Aber zwei Wochen weg von einer westlichen Ernährungsform hin zu einer ballaststoffreichen und fettarmen Ernährung reichen offenbar bereits aus, um Biomarker für das Krebsrisiko zu reduzieren. Das deutet daraufhin, dass es nie zu spät ist, das Risiko für Darmkrebs abzusenken."

Experten schätzen, dass bis zu ein Drittel der Darmkrebsfälle durch eine gesund Ernährung verhindert werden könnten. Bereits frühere Studien ergaben, dass durch eine Umstellung der Ernährung die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm verändert wird.

Studien mit japanischen Einwanderern in Hawaii haben gezeigt: Bereits nach einer Generation westlicher Ernährungsweise steigt das traditionell niedrige Darmkrebsrisiko der Japaner auf das hohe Risiko, das die eingesessene Bevölkerung von Hawaii hat. O‘Keefe: "Jetzt konnten wir zeigen, dass möglicherweise bereits innerhalb von 14 Tagen dieses Risiko wieder gesenkt werden kann."

Superorgan Darm

Welchen Einfluss die gesamten Mikroorganismen (zum Großteil Bakterien) des Darm auf die Gesundheit haben, ist erst zu einem kleinen Teil erforscht: "Diese Mikroben stellen ein riesiges Ökosystem dar, dessen Bedeutung für Gesundheit und Krankheit erst allmählich ins Bewusstsein rückt", sagt Univ.-Prof. Peter Holzer von der MedUni Graz. Unbestritten ist: Ein gut funktionierendes und ausgewogenes "Darmmikrobiom" (Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm) ist für die Darmgesundheit und für ein optimal funktionierendes Immunsystem unabdingbar.

"Übergewicht, Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen und sogar psychische Störungen können durch eine Unausgewogenheit im Mikrobiom des Darms ausgelöst werden", sagt Holzer. Die MedUni Graz ist an dem EU-Projekt "MyNewGut" beteiligt, das in den kommenden Jahren erforscht, welchen Einfluss die Darmflora auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Gehirnfunktion hat.

Breit gefächerte Wissensvermittlung zum Thema Darmgesundheit - das will der erste "Lange Tag des Darms" am 13. Juni im Wiener Museumsquartier bieten. Die Veranstaltung wird vom Verein darm plus organisiert und ist öffentlich und kostenfrei zugänglich.

An Hand eines 20 Meter langen Darmmodells, durch das ein interaktiver Informationsparcours führt, haben Besucher die Möglichkeit, den Darm - im wahrsten Sinne des Wortes - selbst zu erkunden und dabei im Rahmen einer Führung Wissenswertes über seine Aufgaben sowie die wichtigsten Erkrankungen zu erfahren.

Keine Angst vor der Vorsorge

Außerdem können Interessierte in die Rolle des Gastroenterologen schlüpfen und an jener Puppe eine Koloskopie üben, mit der auch an Universitäten im Rahmen des Medizinstudiums gearbeitet wird. Das soll die Angst vor der Untersuchung nehmen und Bewusstsein für die Vorsorgeuntersuchung schaffen.

Zudem wird gezeigt, wie man anhand eines einfachen und unkomplizierten Selbsttests Entzündungswerte im Stuhl messen kann. Darüber hinaus bietet der Lange Tag des Darms zahlreiche Fachvorträge sowie eine Plattform für unterschiedliche Selbsthilfegruppen, etwa zu Reizdarm, Darmkrebs, Zöliakie uvm., die sich in diesem Zusammenhang vorstellen.

10:15 - 10:35 Uhr, Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Risiko und Chancen heute: a.o. Univ.-Prof. Dr. Gottfried Novacek, MedUni Wien, Innere Medizin III, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie
10:45 - 11:05 Uhr, ÖMCCV (Österreichische Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung) , Vortrag und Vorstellung der Selbsthilfegruppe
11:40 - 12:00 Uhr, Darm und Psyche, Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser, Fachärztin für Innere Medizin und Psychotherapeutin mit einem Diplom für Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin; Präsidentin ÖGPIM
12:05 - 12:25 Uhr, Reizdarmsyndrom: Vortrag und Vorstellung der Selbsthilfegruppe
12:30 - 13:30 Uhr: Mittagspause
13:30 - 13:50 Uhr, Darmkrebsvorsorge: Ja! Aber wie geht das?, a.o. Univ.-Prof. Dr. Monika Ferlitsch, Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie und Hepatologie
14:05 - 14:25 Uhr, Vortrag und Vorstellung der Selbsthilfegruppe Darmkrebs
15:00 - 15:15 Uhr, Buchpräsentation, Michael Bukowsky
15:30 - 15:50 Uhr, Zöliakie oder doch eher Nahrungsmittelintoleranz? a.o. Univ.-Prof. D.I. Dr. Harald Vogelsang, Präsident des Vereins darm plus - CED Initiative Österreich, Leiter der Arbeitsgruppe CED, AKH Wien
16:05 - 16:25 Uhr, AG Zöliakie, Vortrag und Vorstellung der Selbsthilfegruppe

Termin: Samstag, 13. Juni 2015, 10.00 - 17.00 Uhr

Ort: Museumsquartier Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien

Internet: www.darmplus.at