Wissen und Gesundheit
06.10.2016

"Der PSA-Test hat mein Leben gerettet"

Das Outing von Schauspieler Ben Stiller lässt die Diskussion um den PSA-Wert wieder aufleben.

Es war der 13. Juni 2014. "Damals wurde bei mir Prostatakrebs diagnostiziert", schreibt US-Schauspieler Ben Stiller ("Zoolander") in einem Beitrag für die große US-Initiative zur Krebsbekämpfung ("Moonshot Initiative"). Er habe Glück gehabt, dass ihm sein Arzt im Alter von 48 Jahren den PSA-Test (wird im Blut gemessen) ans Herz gelegt habe: "Dieser Test hat mein Leben gerettet." Stillers Prostata wurde entfernt, drei Monate später erhielt er die Diagnose, dass er "cancer free" sei. Jetzt sprach Stiller erstmals in der Öffentlichkeit über seine Erkrankung. "Sie kam aus heiterem Himmel."

Jahrelang wurde der Nutzen des PSA-Testes auch unter Experten heftig diskutiert. Univ.-Prof. Shahrokh F. Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien, hat mehrere Jahre an Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York gearbeitet, wo auch Ben Stiller behandelt wurde. "Das Problem ist nicht der PSA-Test: Es geht um die Schritte, die man nach einem solchen Test setzt", so Shariat, der kommenden Mittwoch auch einer der Podiumsdiskutanten beim großen KURIER-Gesundheitstalk zum Thema "Männergesundheit" ist (siehe unten).

Weniger Todesfälle

Seit der Einführung des PSA-Screenings sei die Sterblichkeit durch Prostatakrebs um 40 Prozent gesunken: "Der Anteil von metastasierten – also bereits im Körper gestreuten – Prostatakrebserkrankungen an allen Diagnosen ist durch diesen Test von 20 auf rund drei Prozent gesunken." Viele große Studien hätten in den vergangenen Jahren eine höhere Überlebensrate in jenen Patientengruppen gezeigt, die einen solchen PSA-Test regelmäßig durchführen ließen. Nur eine große US-Studie habe keinerlei Unterschiede zwischen der getesteten und nicht-getesteten Patientengruppe festgestellt. Dies hat in den USA zu einer negativen Beurteilung des PSA-Tests geführt.

"Die Studie ist tot"

"Doch vergangenes Jahr hat sich gezeigt: Auch in der Kontrollgruppe, die eigentlich keine PSA-Tests hätte durchführen lassen sollen – um eben die Unterschiede zu ermitteln –, ließen 90 Prozent der Männer einen solchen durchführen. Damit ist klar, warum sich hier kein Unterschied gezeigt hat. Aber diese Studie ist tot."

Wichtig sei das intelligente Vorgehen nach dem Vorliegen des Testergebnisses. Wurde ein Prostatakarzinom entdeckt und ist der PSA-Wert nicht stark erhöht, wird der Patient aktiv überwacht ("active surveillance") – es finden also regelmäßig engmaschige Kontrollen statt. Entscheidend ist dann der Verlauf der PSA-Werte, nicht der Einzelwert.

Lesen Sie unter der Grafik über verbesserte Behandlungsmöglichkeiten

Auch bei bereits diagnostizierten Tumoren mit niedriger biologischer Aggressivität komme dieser Ansatz zunehmend zum Einsatz. Shariat und ein ForscherInnen-Team des Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien arbeiten daran, das PSA-Screening weiter zu verbessern: Sie versuchen, ein umfassendes biologisches Profil der Krebszelle zu erstellen: "Damit können wir besser abschätzen, ob eine Behandlung nötig und sinnvoll ist und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Patient auf eine chirurgische oder medikamentöse Therapie anspricht."

Stigma

Prostatakrebs sei leider immer noch mit einem Stigma behaftet, bedauert der Urologe. "Es gibt wenige prominente Betroffene, die mit der Diagnose an die Öffentlichkeit gehen wollen – vielfach herrscht der Glaube vor, ohne Prostata sei man kein ganzer Mann mehr. Auch wir haben schon viele Prominente operiert – und alle wollen inkognito bleiben."

Doch die Risiken von Nebenwirkungen seien deutlich gesunken: "Wir sehen kaum mehr Inkontinenz." Auch die Wahrscheinlichkeit von erektiler Dysfunktion sei heute viel geringer: "Die Operations- und Bestrahlungsmethoden haben sich sehr verfeinert. Wir sehen die Nervenbahnen besser als früher – und können sie besser erhalten. Bei den meisten Patienten bekommen wir das gut hin."

"Wir leben in einer nicht perfekten Welt", sagt Stiller in seinem Text. Die Diskussion rund um den PSA-Test sei eine komplizierte Sache. "Aber ich glaube, der beste Weg, gegen eine potenziell tödliche Krankheit vorzugehen, ist, diese früh zu entdecken."

Gute Chancen bei früher Diagnose

Ben Stiller hatte sich seinen urologischen Chirurgen am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York von seinem Freund und Kollegen Robert De Niro,73, empfehlen lassen.

De Niro war dort selbst vor mehr als zehn Jahren wegen Prostatakrebs erfolgreich operiert worden.

Bei US-Entertainer Harry Belafonte, 89, war Prostatakrebs 1996 in frühem Stadium entdeckt und auch erfolgreich behandelt worden.
Ebenso bei US-Außenminister John Kerry, 72 – seine Frau war in einem Blutbefund auf einen Entzündungswert aufmerksam geworden.
Auch bei dem früheren französischen Staatspräsidenten François Mitterrand war bereits 1981 ein Prostatakrebs festgestellt worden. Die Ärzte gaben ihm damals noch drei Lebensjahre. Mitterrand starb an den Folgen dieser Krankheit, die er lange vor der Öffentlichkeit geheim gehalten hatte, aber erst 1996.
US-Musiker Frank Zappa verstarb 1993 an Prostatakrebs.