Wissen und Gesundheit
18.05.2017

Die Zukunft der Fortpflanzung

Im Labor-Experiment ließen Wissenschaftler Mäuse-Babys aus Hautzellen entstehen. Viele Fragen sind noch offen.

Sex ist längst nicht mehr die einzige Möglichkeit, um Nachwuchs zu zeugen. In Zukunft könnten Babys im Reagenzglas auf unterschiedliche Weise zustande kommen. Medizinische Experimente nähren die Hoffnung, Kinderwünsche selbst ohne die Beteiligung von Frauen wahr werden zu lassen. Der Weg allerdings ist noch weit.

Die sogenannte In Vitro Gametonenesis, kurz IVG (von Gameten, Geschlechtszelle), ist so eine futuristische Möglichkeit. Dabei arbeiten Wissenschaftler daran, Babys aus Hautzellen zu züchten. "Hautzellen werden zu Stammzellen rückprogrammiert und dann im Labor in Richtung Eizellen oder Spermien differenzieren – im Zuge dessen muss sich dann auch das Erbgut halbieren", erklärt der Genetiker Univ.-Prof. Markus Hengstschläger von der Österreichischen Bioethikkommission das Prozedere.

Mithilfe dieser Methode könnte es eines Tages sogar zwei Männern möglich sein, ein Kind zu bekommen, das aus dem Genpool beider Männer entsteht. Auch Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen könnten sich Eizellen aus ihrer Haut züchten lassen, statt ihre Eierstöcke mit strapaziösen Hormontherapien stimulieren zu müssen. Erste Tierversuche in Japan mit Mäusen waren jedenfalls schon erfolgreich.

Bedenken

Viele Forscher warnen auch vor Gefahren wie etwa dem "Brad-Pitt-Szenario", bei dem jemand sich heimlich Hautzellen von einem Prominenten besorgt – etwa in einem Hotelzimmer – und sich daraus Nachkommen züchten lässt. Andererseits gab es auch vor rund 40 Jahren viele Bedenken, bevor die ersten sogenannten Retortenkinder im Labor gezeugt wurden. Und auch hier soll mit gestohlenem Sperma schon so manches Kind unwissentlich gezeugt worden sein.

Hengstschläger dazu: "Das alles wird einerseits erforscht, um Menschen zu helfen, die z.B. aufgrund einer Krebserkrankung und Therapie keine Eierstöcke mehr haben oder eben keine Eizellen oder Samenzellen produzieren können. Bisher ist das alles erst in der Maus gemacht worden." Letztlich würden diese Methoden aber irgendwann auch beim Menschen funktionieren. "Ich halte diese Forschung für sehr wichtig, weil sie uns einerseits vieles über die Entstehung von Keimzellen lehren kann. Außerdem kann damit eventuell einmal bestimmten (Krebs-)Patienten zu Kindern verholfen werden. Was man schließlich wie anwendet, ist aber natürlich eine Frage, die man ethisch unbedingt begleiten und letztendlich auch gesetzlich regeln muss. Auch über solche Ansätze kann schließlich viel Unsinn gemacht werden."

So vielversprechend – aber auch gruselig – die ersten Ergebnisse klingen, bis zu den ersten Tests an Menschen wird es wohl noch einige Jahre dauern.